Hamburg Energie Werke Pressekonferenz
Hamburg Energie Werke Vorstand Christian Heine, Kirsten Fust, Umweltsenator Jens Kerstan, Vorstand Michael Prinz. Foto: Marc-Oliver Schulz | Energiewerke Hamburg

Die Hamburger Energiewerke haben Verluste erwartet und Gewinne eingefahren. Dies sagte Umweltsenator Kerstan bei der Vorstellung des Jahresberichts und warnte zugleich vor einem weiteren Anstieg der Preise für Energie in Hamburg.

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), Aufsichtsratschef des kommunalen Unternehmens Hamburger Energiewerke (HEnW), bereitet die Menschen auf weiter massiv steigende Energiepreise in Hamburg vor: „Mit der nächsten Jahresabschlussrechnung werden harte Belastungen auf die Menschen zukommen, die viele wirklich bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit belasten werden“, sagt Kerstan. Er geht davon aus, dass viele Preiserhöhungen von weit über 100 Prozent verkraften müssten.

Wie stark die Preise schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine gestiegen sind, lasse sich auch an der Bilanz der HEnW ablesen. Diese ist aus zwei Unternehmen, dem Stromversorger Hamburg Energie und dem Fernwärmeversorger Wärme Hamburg, entstanden. Beide hatten im vergangenen Jahr fusioniert. Die HEnW haben in ihrem ersten Jahr statt eines erwarteten millionenschweren Verlusts 5,9 Millionen Euro Gewinn gemacht, so der Sprecher der Geschäftsführung, Christian Heine. „Das ist 30,8 Millionen Euro über Plan.“

Vor allem das vierte Quartal 2021 habe dem Anbieter von Ökostrom, Biogas und Fernwärme erhebliche Umsatzzuwächse gebracht, insgesamt knapp 779 Millionen Euro. Auch Geschäftsführer Michael Prinz geht davon aus, dass die Energiepreise weiter steigen werden. Konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht. Das seien Spekulationen, da die Preise an der Strombörse derzeit in zweistelligen Prozentbereich schwanken würden.

Umso wichtiger sei es, den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Im vergangenen Jahr hätten die Energiewerke insgesamt 160 Projekte mit einer Investitionssumme von knapp 90 Millionen Euro verfolgt.

Geringere Kosten durch Kohle-Energie in Hamburg

Kerstan sagte, die Erlöse seien natürlich erfreulich. „Aber man muss auch ganz hart und böse sagen, das ist einfach dreckiger Kohlestrom, mit dem wir uns im Moment dumm und dusselig verdienen“, sagte er mit Blick auf die beiden vor allem für die Fernwärme noch relevanten Kohlekraftwerke Wedel und Tiefstack.

Das wolle der Senat den Bürgerinnen und Bürgern etwa über neue Beratungsangebote zurückgeben. Sie sollten selbst möglichst rasch aus den fossilen Energien aussteigen können, „damit sie dann in Zukunft solche irren Preissteigerungen nicht mehr verkraften müssen“.

Das Kohlekraftwerk Wedel soll 2025 abgeschaltet und am Standort Dradenau durch eine Gas- und Dampfturbinen-Anlage in Kombination mit klimaneutralen Wärmequellen ersetzt werden. Tiefstack wiederum soll spätestens 2030 abgeschaltet werden. Danach soll unter anderem mit Abwärme aus Industrie und Müllverbrennung sowie mit Flusswärmepumpen klimaneutral Energie in Hamburg gewonnen werden.

Kerstan begrüßte Überlegungen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/ Die Grünen), Kohlekraftwerke im Sinne der Versorgungssicherheit weiterlaufen zu lassen. Das gelte jedoch nicht für das bereits stillgelegte Steinkohlekraftwerk Moorburg im Hafen, wo künftig grüner Wasserstoff produziert werden soll. Dieses könne auch gar nicht mehr reaktiviert werden, weil die Belegschaft nicht mehr da sei und die Abbrucharbeiten schon liefen. „Das Kapitel ist jetzt einfach vorbei“, sagte Kerstan. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass die Entscheidung für das Ende des Kraftwerks Moorburg allein von Vattenfall getroffen worden sei.

Flüssiggas im Hafen zur Überbrückung

Zugewandt zeigte sich Kerstan dagegen bei der Idee eines temporären Flüssiggas-Terminals (LNG) im Hafen. „Wir glauben, dass wir Ende Juli grob sagen können, ob es geht oder nicht.“ Der Standort an sich sei gut geeignet, weil nur etwa 300 Meter Leitungen gebaut werden müssten.

Es könnten am Ende aber doch noch unüberwindbare Hindernisse auftauchen. Dem Vernehmen nach geht es dabei vor allem um die Sicherheit und die Beeinträchtigung des übrigen Hafens. „Alle Ergebnisse der Prüfungen, die wir jetzt machen, werden im Detail im Oktober vorliegen“, sagte Kerstan. Dann könne endgültig entschieden werden.

Geschäftsführer Heine sagte, derzeit würden die Standorte Moorburg und Kattwyk-Hafen geprüft. Sollte einer der beiden tatsächlich ausgewählt werden, könnte das erste Flüssiggas im ersten Quartal 2023 gelöscht werden. Er betonte, das Terminal solle maximal zwei bis drei Jahre in Betrieb sein. „Es geht darum, in einer Notsituation eine Gasmangellage abzudecken“, sagte Heine.

dpa/jkh