Hamburg will Vorbild in Klima- und Energiekrise sein: Besucher gehen über den Vorplatz der Hamburger Kunsthalle. Das Gebäude gehört zu den zahlreichen öffentlichen Liegenschaften der Hansestadt.
Die Hamburger Kunsthalle wird von der Sprinklerhof GmbH verwaltet. Foto: Marcus Brandt/dpa

Hamburg will in der Energiekrise vorangehen und 30 Prozent Energie in seinen öffentlichen Gebäuden einsparen. Auch die Klimaziele sollen verschärft werden. Höchste Zeit angesichts des Klimawandels und der verschärften Lage seit dem Ukrainekrieg.

Hamburg will mit einem großangelegten Energiesparprojekt in diesem Winter den Verbrauch von Heizenergie in öffentlichen Gebäuden um 30 Prozent senken. Die Stadt will Heizanlagen mithilfe von Messtechnik optimieren und Thermostate einbauen, um rund 15 Gigawattstunden Energie einzusparen. Das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von 1800 Wohnungen mit einer Größe von 60 Quadratmetern.

„Mit diesen Schritten gehen Hamburg und die verantwortliche gewerbliche Immobiliengesellschaft Sprinkenhof GmbH weit über die Vorgaben der jüngsten Energiesparverordnung der Bundesregierung hinaus“, heißt es bei der Stadt. Finanzsenator Andreas Dressel spricht von einer Vorbildfunktion Hamburgs und weist darauf hin, dass die öffentlichen Einrichtungen allein wegen ihrer Größe eine enorme Hebelwirkung hätten.

Die Sprinkenhof GmbH betreut über 700 Einzelobjekte für die Stadt Hamburg. Dazu zählen Theater, Museen, Verwaltungsgebäude, Behörden, die Feuerwachen und Polizeidienststellen.

Maßnahmen werden bereits seit August durchgeführt

Bereits seit August lässt die Stadt in überwiegend großen öffentlichen Gebäuden an rund 10.000 Heizkörpern einen sogenannten hydraulischen Abgleich durchführen. Das messtechnisch gestützte Verfahren ermögliche die gleichmäßige Erwärmung aller Heizkörper in allen Räumen und verhindere so einen Mehrverbrauch durch Über- oder Unterversorgung.

Parallel werden neue, intelligente Thermostate installiert. „Diese erkennen automatisch, ob und wann ein Raum genutzt wird und beheizen diesen bedarfsgerecht“, heißt es. „Das ist deshalb so wichtig, da Gewerbeflächen, wie Büros oder Schulen meist durchgängig beheizt, aber bis zu 80 Prozent der Zeit überhaupt nicht genutzt werden, beispielsweise nach Feierabend, am Wochenende oder an Homeofficetagen.“

Hamburg will Klimaziele verschärfen

Das Energiesparprojekt geht den Plänen des rot-grünen Senats voraus, die Hamburger Klimaziele zu verschärfen. Die Senatskommission für Klimaschutz habe sich darauf verständigt, den Treibhausgasausstoß bis 2030 um 70 Prozent zu reduzieren, teilte die Grünen-Bürgerschaftsfraktion am heutigen Donnerstag mit. Bislang sehen Klimaschutzplan und Klimagesetz der Stadt bis 2030 nur eine CO2-Reduktion um 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 vor.

Hamburg bekomme so strengere Reduktionsziele als der Bund, sagt die Klima-Expertin der Grünen-Fraktion, Rosa Domm. „70 Prozent weniger CO2 bis 2030 sind nicht nur dringend notwendig, sondern laut unseren neuesten Daten auch machbar.“ Unter anderem soll laut Domm auf energetische Gebäudesanierung, den Verbau von klimaneutralen Heizungen, den Ausbau der Windkraft im Hamburger Hafen und eine Mobilitätswende insbesondere am Stadtrand gesetzt werden.

Die rot-grüne Koalition werde das Klimaschutzgesetz und den Klimaplan nun zügig überarbeiten und koordinierte Maßnahmen auf den Weg bringen, kündigte sie an. „Damit gewinnen vor allem Hamburger Industrie und Wirtschaft wichtige Planungssicherheit für die nächste Dekade.“

Nicht ausreichend für Fridays for Future

Fridays for Future Hamburg hält auch die neuen Einsparziele nicht für ausreichend. Damit würden „ambitionslose Ziele aus der Vergangenheit nach Jahren des Zögerns“ zwar endlich verbessert, „wissenschaftlich ausreichend zur Einhaltung des Hamburger Anteils am Pariser Klimaabkommen sind jedoch auch die neuen Reduktionsvorhaben nicht“, hieß es.

bös/dpa