Rund 7000 Studierende und Angestellte der Hamburger Hochschulen demonstrierten im Juni gegen Budgetkürzungen. Die Hochschulen befinden sich seit Längerem in einer prekären finanziellen Lage.
Rund 7000 Menschen demonstrierten am 11. Juni vor dem Hauptgebäude der Universität Hamburg für eine bessere Finanzierung der Hamburger Hochschulen. Aufgerufen hatten die Allgemeinen Studierendenausschüsse (Asta) der Universität Hamburg (UHH) und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Hamburg unter dem Motto „Wissen schafft Zukunft“. Auch die AG Ausfinanzierung – ein Bündnis aus Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen und Professor*innen der Uni Hamburg – beteiligte sich. Die zentrale Forderung an den Senat: Insgesamt 40 Millionen Euro mehr Budget für die UHH und HAW.
UHH-Ausgaben steigen, das Budget reicht nicht aus
Auch Toni Gröhnke war bei der Demonstration vor Ort. Sie studiert Grundschullehramt an der UHH. „Ich bin hier, um mich dafür einzusetzen, dass die Universität und die gute Lehre nicht weiterhin weggekürzt werden“, sagte sie zu FINK.HAMBURG. Grund für den Protest waren die Sparmaßnahmen, denn die Ausgaben der Hochschulen steigen schneller als das Budget. Das räumt auch Alexander Lemonakis ein, Pressesprecher der UHH.
Laut Lemonakis ist an den Fakultäten der Universität Hamburg eine kurzfristige Einsparpolitik von viereinhalb Prozent und in der Verwaltung von fünf Prozent pro Jahr eingeführt worden. Um den Haushalt weiterhin zu stabilisieren, plant die UHH langfristig damit, mindestens zehneinhalb Prozent bei den Fakultäten und mindestens elf Prozent bis 2032 in der Verwaltungeinzusparen. Wie viel Geld damit konkret eingespart werden soll, konnte die Universität Hamburg gegenüber FINK.HAMBURG nicht sagen.
„Teilweise nicht einmal Geld für Druckerpapier“
Bereits jetzt spüren Studierende und Angestellte der Hamburger Hochschulen die Folgen der strengen Sparpolitik. Unter den Demo-Teilnehmer*innen ist auch Katrin Zinger. Sie ist am Institut für Geographie der UHH tätig. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitet sie nach eigener Aussage elf Stunden am Tag, um die unbesetzten Stellen auszugleichen.
Laut Lemonakis unternimmt „die UHH große Anstrengungen, die Qualität von Studium und Lehre zu erhalten. Gleichwohl führen die Einsparungen bereits zu einem Rückgang des wissenschaftlichen Personals in der Lehre“. Aktuell seien ein Drittel der Promotionsstellen an der Universität Hamburg unbesetzt, so Lemonakis. Die Quote liege zwar ungefähr auf Vorjahresniveau zwischen 24 Prozent (2024) und 31 Prozent (2025), doch „wir arbeiten in Überlastung“, kritisiert Zinger. Es sei teilweise nicht einmal genug Geld da, um Druckerpapier zu kaufen – das würden viele aus eigener Tasche bezahlen. „Das meiste, was ich an Material in der Lehre brauche, kaufe ich inzwischen alles privat.“

Kürzungen betreffen Beschäftigte und Studierende
Zudem ist laut dem Asta der UHH der Krankenstand unter den Beschäftigten so hoch wie nie. Die Universität Hamburg widerspricht dem und schreibt, dass sich der Krankenstand „auf dem Niveau der vergangenen zwei Jahre“ bewegt. Jedoch gebe es in einzelnen Bereichen steigende Arbeitsbelastungen sowie vermehrte Überlastungsanzeigen.
Gleichzeitig würde die Anzahl der Studierenden pro Seminar steigen. Früher gab es rund 20 Studierende pro Seminar, heute seien es 30, sagt Zinger. Lemonakis zufolge kann es „in einzelnen Fachbereichen zu größeren Gruppen, anspruchsvolleren Betreuungsrelationen und einem erhöhten organisatorischem Aufwand kommen.“ Ebenfalls ist laut der AG Ausfinanzierung die Existenz von ganzen Studiengängen an der UHH bedroht. Lemonakis widerspricht: Einzelne Studiengänge abzuschaffen, sei aktuell nicht vorgesehen.
„Wir sind exzellent, aber pleite”
Der Hamburger Senat stellt den Hamburger Hochschulen einen jährlichen Grundetat zur Verfügung. Da der Senat aufgrund der prekären Haushaltslage selbst zum Sparen gezwungen ist, kann er die Hochschulen nicht ausreichend finanzieren. „Wir sind exzellent, aber pleite“, sagte Professor Peter Burger, Mitglied des Akademischen Senats und Vize des Deutschen Hochschulverbands Hamburg im Vorfeld der Demonstration. Er spielte damit auf die Exzellenzcluster an, zu denen mehrere Studiengänge der UHH gehören.
Aktuell liegt der jährliche Grundetat für die UHH laut Alexander Lemonakis bei 375 Millionen Euro. Der Asta der HAW Hamburg fordert vom rot-grünen Senat unter anderem eine Erhöhung um mindestens zehn Millionen Euro für die eigene Hochschule, die AG Ausfinanzierung eine Erhöhung um 30 Millionen Euro für die UHH. Außerdem verlangen die Ausschüsse beider Hochschulen gemeinsam, dass der Grundetat in Zukunft dynamisch angepasst werden soll, wenn es zu Kostensteigerungen durch Inflation und Tariferhöhungen kommt.
Asta: „Finanzielle Lage spitzt sich zu“
Die staatliche Grundfinanzierung der Hochschule sei „die Basis des demokratischen Grundrechts der Wissenschaftsfreiheit“, schreibt der Asta der HAW Hamburg in seinem Aufruf. Sollte es zu keinen Erhöhungen kommen, spitze sich die finanzielle Lage weiter zu. „7000 Menschen haben deutlich gemacht: Es reicht! Wir lassen uns nicht unterkriegen und werden weiterhin Protest organisieren, solange bis Bildung für Alle ausfinanziert ist“, sagte Leonie Corinth als Mitglied des Asta der HAW Hamburg im Nachgang der Demonstration zu FINK.HAMBURG.
Bereits 2011 demonstrierten mehr als 10.000 Studierende und Beschäftigte, um drohende Kürzungen abzuwenden – und waren dabei erfolgreich. Ob der Protest auch diesmal etwas bewirkt, zeigt sich erst Mitte Dezember. Dann verabschiedet die Hamburgische Bürgerschaft den Haushalt für die nächsten zwei Jahre.
lea/fan/jas mit dpa






