Wolken ziehen in Hamburg über den Hafen. Um die Stickoxid-Belastung zu verringern, muss der Luftreinhalteplan angepasst werden.
Dichte Wolken über Hamburg. Foto: Axel Heimken/dpa

Der Hamburger Luftreinhalteplan enthält einen folgenschweren Fehler: Schadstoffemissionen vieler Dieselfahrzeuge wurden nicht berücksichtigt. Nun könnten weitere Fahrverbote folgen.

Im aktuellen Hamburger Plan zur Luftreinheit ist der Schadstoffausstoß zahlreicher Dieselfahrzeuge offenbar deutlich zu niedrig berechnet worden. Dem „Hamburger Abendblatt“ zufolge stoßen die Dieselmotoren der Euro-4- und Euro-5-Norm mehr giftiges Stickoxid aus als bisher angenommen. Dies sei von den Gutachtern der Behörde für Umwelt und Energie beim Erstellen des Luftreinhalteplans vernachlässigt worden. Ausschließlich die Emissionswerte der moderneren Euro-6-Dieselfahrzeuge wurden einbezogen.

Die Euro-6-Werte übersteigen die Herstellerangaben um das Fünf- bis Sechsfache. Doch auch die Erhöhung der Emissionswerte von Euro 4 und 5 sei nicht unwesentlich: Aus der aktuellen Version des „Handbuchs für Emissionsfaktoren für Straßenverkehr“ des Umweltbundesamtes (UBA) wird ersichtlich, dass der Stickoxidausstoß bei den Euro-4-Dieselmotoren um 23 Prozent höher liegt als angenommen, bei Euro 5 sogar um 33 Prozent.

Erkenntnisse, die in dem Anfang Mai veröffentlichten Luftreinheitsplan hätten berücksichtigt werden müssen, kritisiert die Opposition in der Hamburgischen Bürgerschaft. „Jetzt gibt es nur eins: Zurück auf Los und endlich valide Zahlen ohne Rechenkunststücke vorlegen“, forderte der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Stephan Jersch.

„Die Korrekturfaktoren des UBA für Euro-4 und -5 kommen für uns wie für alle anderen Städte völlig überraschend“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde dem „Hamburger Abendblatt“. Es sei aber nicht erwiesen, dass sich die Belastungen außerhalb des Korridors der berechneten Werte bewegen könnten. Die neuen Hinweise sollen nun von einem Gutachter bewertet werden.

Geplantes Fahrverbot könnte ausgeweitet werden

Sollten die Euro-4- und Euro-5-Fahrzeuge im Luftreinhalteplan mit erfasst werden, müssten die darin vorgesehenen Maßnahmen aller Voraussicht nach angepasst werden. Dadurch wären mehr Autofahrer vom geplanten Fahrverbot auf Teilen der Max-Brauer-Allee und der  Stresemannstraße betroffen als bisher angenommen. Zwei Drittel der Diesel-PKW in Hamburg gehören zu Euro-4 oder Euro-5-Klasse, es handelt sich um Zehntausende von Fahrzeugen.

mav/dpa