Hamburg hat ein Problem mit Luftverschmutzung
Hamburgs Luft muss sauberer werden: Ein Plan des Senates soll nun helfen die Luftverschmutzung zu reduzieren. Foto: Pixabay

Hamburgs Luft wird besser – aber sie ist noch lange nicht gut genug. Die Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) werden überschritten. Der Luftreinhalteplan 2017 soll das zukünftig ändern. Alles dazu in unserem #FINKaboutit.

Mit der Rubrik #FINKaboutit beleuchtet die Redaktion von FINK.HAMBURG regelmäßig relevante Themengebiete. Und trägt dafür die wichtigsten Fakten, News und Hintergrundinformationen zusammen.

1. Warum gibt es einen Luftreinhalteplan?

Übersteigen die Luftverunreinigungen die EU-Grenzwerte, dann ist eine Stadt nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetzes verpflichtet, einen Luftreinhalteplan aufzustellen. Darin wird festgelegt, wie der Schadstoffausstoß reduziert werden kann. Werden die Grenzwerte weiter überschritten, muss der aktuelle Plan fortgeschrieben, sprich erweitert werden.

2. Was ist neu am Luftreinhalteplan 2017?

Als erste deutsche Großstadt berechnete Hamburg konkret, wie wirksam die Maßnahmen Stickstoffdioxid reduzieren. Damit folgte die Stadt einer Auflage des Verwaltungsgerichts. Dazu wurde ein umfassendes Immissionsgutachten in Auftrag gegeben. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) betonte: „Damit stellen wir sicher, dass Zehntausende Menschen absehbar aufatmen können.“

3. Wie schlecht ist die Hamburger Luft?

Seit Jahren verbessert sich die Luftqualität in der Stadt. Der Grad der Luftverschmutzung wird mit dem Luftqualitätsindex (LQI) in Schulnoten bewertet. Bei Stoffen wie z. B. Feinstaub oder Ozon liegen die Werte in Hamburg im grünen Bereich. Jedoch wird, wie in vielen anderen deutschen Städten, der Grenzwert der EU für Stickstoffdioxid (NO2) weit überschritten. Der geforderte Jahresmittelwert liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (μg/m³).

 4. Wo ist die Luft am schlechtesten?

Natürlich ist die Belastung der Luft in der Innenstadt und auf stark befahrenen Straßen schlechter als in Randgebieten. Auf der interaktiven Karte von luft.hamburg.de gibt es eine Übersicht der einzelnen Messstationen. Die größten Belastungen gibt es in der Habichtstraße in Barmbek-Nord. Ihr LQI-Mittelwert ist nur „befriedigend“.

5. Was sind die größten Luftverschmutzer in Hamburg?

Den größten Anteil an den Emissionen hat der Hafen, insbesondere durch den Verkehr der Containerschiffe. Danach folgt der Kfz-Verkehr. Hier überschreiten die Gesamtausstöße der Lkws nur leicht den Wert der Pkws.

6. Wer stellte den Reinheitsplan auf?

Der Luftreinhalteplan wird von der Behörde für Umwelt und Energie und anderen Hamburger Institutionen erstellt und erneuert. Der Senat stellt den fertigen Plan vor. Die aktuelle Erneuerung knüpft an den Plan aus dem Jahr 2012 an.

7. Wie wurde der Plan erstellt?

In die Berechnungen flossen große Datenmengen ein, beispielsweise der Anteil von Dieselfahrzeugen verschiedener Abgasnormen. Zudem berechneten Gutachter unter anderem mit einem digitalen Modell die Schadstoffbelastung durch den Verkehr auf den Hamburger Hauptstraßen. Erst auf dieser Basis wird ersichtlich, wie effektiv die Maßnahmen sein werden.

Für die lokalen Maßnahmen musste dabei abgewogen werden, ob sie verhältnismäßig und für die Bevölkerung zumutbar sind. Zum Beispiel: Führt eine Fahrbahnverengung zu mehr Verkehr und hoher Belastung in den Nebenstraßen?

8. Welche Maßnahmen sind im Plan enthalten?

Im Gesamten sind die vorgesehen Maßnahmen in zehn Pakete gegliedert. Hier eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Vorhaben:

  • Ausbau ÖPNV

Bis 2020/2025 sollen verschiedene S- und U-Bahnstrecken ausgebaut werden. Dazu gehört die U4-Verlängerung bis Elbbrücken oder der Bau der S4. Außerdem soll die Barrierefreiheit gestärkt werden.

  • Verkehrsmanagement

Um das Pkw-Aufkommen zu reduzieren, sollen das Car-Sharing-Angebot und Park+Ride-Stationen ausgeweitet werden.

  • Ökologisierung des Hafens

Das Paket sieht unter anderem vor, die Höhe des Hafengeldes an die Umweltklasse eines Schiffs knüpfen. Stößt ein Schiff weniger Schadstoffe aus, sinkt der Betrag für die Nutzung des Hafens. Dazu sollen zum Beispiel Container innerhalb des Hafens auf kleineren Schiffen anstatt mit Lkws transportiert werden.

  • Ausbau des Radverkehrs

Um das Radfahren attraktiver zu machen, soll der Radverkehrsanteil verdoppelt werden. Dabei soll die allgemeine Fahrradinfrastruktur sowie das Leihsystem „StadtRad Hamburg“ ausgebaut und weiterentwickelt werden. In diesem Zug werden viele Bike+Ride-Stationen ausgebaut. Projekte wie der neue Radweg nach Ovelgönne oder die geplante Radwegerweiterung an der Maria-Louisen-Straße in Winterhude sind Teil davon.

9. Welche Rolle spielt Elektromobilität?

Dank einer Fördersumme in Höhe von drei Millionen Euro kann die Stadt mit dem Bau weiterer Ladesäulen für Elektrofahrzeuge beginnen. Außerdem sollen E-Taxen und E-Carsharing gefördert werden. Stärkere Anreize sollen Privilegien, wie das kostenlose Parken auf bestimmten Flächen für Elektrofahrzeuge im Stadtgebiet, schaffen.

10. Wird es Fahrverbote für Dieselfahrzeuge geben?

Laut neuen Tests übersteigt der Stickstoffoxidausstoß von Dieselmotoren die Herstellerangaben um das Fünf- bis Sechsfache. Deshalb sollen laut dem Plan Teile der Stresemannstraße und Max-Brauer-Allee für bestimmte Diesel-Fahrzeuge gesperrt werden. Das würde ein Fahrverbot für mehr als 70 Prozent der zugelassenen Diesel-Fahrzeuge in Hamburg bedeutet. 238.564 Fahrzeuge erfüllen demnach die erforderliche Euro-6-Norm nicht, dies gehe aus einer Kleinen Anfrage der CDU hervor.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erklärte jedoch gegenüber NDR 90,3 und dem Hamburg Journal, dass es mit ihm weiterhin keine Fahrverbote geben werde.