Denkmalgeschütztes Inventar, freie Platzwahl und ein besonderes Programm – das Hamburger Holi Kino hat eine lange Geschichte und hütet ein kleines Popcorn-Geheimnis. 

Schon die Klinkerfassade und der Leuchtschriftzug über dem Eingang, der an ein amerikanisches Diner erinnert, lassen den 50er-Jahre-Stil des kleinen Hamburger Programmkinos erahnen. Und es ist wirklich so: Ein Großteil der Einrichtung steht noch an derselben Stelle wie 1951, als das Kino eröffnete. Zum Beispiel die Kasse oder die Bar. Die Schriftzüge sind ebenfalls erhalten. Andere Dinge, wie der Springbrunnen im Foyer oder die Bestuhlung sind später hinzugekommen, besitzen aber einen ganz ähnlichen historischen Charme.

Pralinenpapier im Kino-Vorhang

Das Highlight im Holi ist allerdings der denkmalgeschützte Vorhang, auf dem verschiedene sogenannte Hamburgensien zu finden sind: die Binnenalster, der Hamburger Dom oder das Chile-Haus sind nur einige Beispiele. Damals wurde der Vorhang von einer Gruppe Berliner Künstlerinnen bemalt. Dabei haben sie für die schimmernden Effekte echtes Pralinenpapier verarbeitet. „Als der Vorhang wegen eines Risses restauriert werden musste, habe ich auch eine Kiste Pralinen beigesteuert“, schmunzelt Theaterleiter Holger Steinert vom Holi Kino.

Vorhang im Holi Foto: Holger Steinert
Der denkmalgeschützte Vorhang im Holi. Foto: Holger Steinert

FINK.HAMBURG stellt in dieser Reihe alle Hamburger Kinos in loser Reihenfolge vor. Hier findet ihr das HOLI im Stadtteil Hoheluft.

Doch nicht nur die Optik stimmt im Holi, auch inhaltlich kommen Kinoliebhaber hier auf ihre Kosten. Der große Kinosaal aus den 50ern ist mittlerweile in zwei kleinere Säle unterteilt worden. „Auch den gläsernen Raucherbereich von damals gibt es nicht mehr“, sagt Holger Steinert. Im Kino haben die Gäste freie Platzwahl. Und sollte ein Film doch mal auf größeres Interesse stoßen, werden die Kinosäle einfach getauscht.

Kino Porträt Hamburg Holi Kino Hoheluft
Das Holi Kino befindet sich in der Nähe der Hoheluftbrücke. Foto: Laura Lagershausen

Das Holi ist ein Programmkino. Es geht weniger um Effekte als um die Geschichten. „Wir versuchen mehr alternativen Content zu zeigen. Auch schwierige Filme bekommen im Holi Kino eine Chance. Sie haben die Möglichkeit sich erstmal zu entwickeln. Und werden nicht so schnell abgesetzt, wie in größeren Kinos“, sagt Steinert.

Von den Opernhäusern der Welt ins Holi Kino

Sogar Opern und Ballette werden seit zehn Jahren live aus dem Royal Opera House London und der Metropolitan Opera New York in den Kinosaal übertagen. „Vor ein paar Jahren sind die Leute hier sogar noch in Abendgarderobe hergekommen. Das sieht man heute nur noch vereinzelt. Ansonsten ist das Feeling aber ähnlich, wie in der Oper: Es gibt eine Pause, Brezel und die Zuschauer geben am Ende auch manchmal Standing Ovations“, freut sich Steinert.

„Das hier ist mein Lieblingsbaby“

Holger Steinert ist nicht nur Theaterleiter im Holi Kino, er ist auch technischer Facility Manager der Cinemaxx-Kinos der Stadt. Denn das Holi Kino gehört als einziges „traditionelles Kino“ zur Cinemaxx Holdings GmbH. Diese bestimmt auch das Programm des Kinos, „wobei ich hier auch Mitspracherecht habe“, so Steinert. „Das hier ist nämlich mein Lieblingsbaby“, erklärt er. Deswegen legt er neben der Filmauswahl großen Wert auf die Produkte, die im Kino verkauft werden. Und die Zubereitung des Popcorns. Wichtig ist, dass es immer warm sein müsse, erklärt er. „Häufig loben die Zuschauer unser Popcorn und sagen, dass es viel besser schmeckt als im Cinemaxx“, erzählt Steinert. Das ist jedoch ein Trugschluss, denn in beiden Kinos wird exakt das gleiche Popcorn verkauft.

Foto: Laura Lagershausen
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Bei gutem Wetter findet man Laura Lagershausen, Jahrgang 1990, in einem Tretboot auf der Alster, bei schlechtem in einem gemütlichen Café im Eppendorfer Weg. Die studierte Modejournalistin schreibt als freie Redakteurin unter anderem für Kundenmagazine bekannter Modemarken, auf ihrem eigenen Blog stellt sie die Hotspots der Hansestadt vor. Was ihr an Hamburg fehlt? Eine so lebendige Hiphop-Tanzszene wie die ihrer Geburtsstadt Hannover - dort war sie früher als Profi aktiv.
Lisa-Marie Eichhorn, Jahrgang 1989, schläft besonders gut ein, wenn auf dem Bildschirm „Ultimate Fighting“ läuft. Sie kommt aus der Nähe von Stuttgart und interessiert sich für eine Vielzahl von Themen, von Deutschrap bis Stadtpolitik. Studiert hat sie an der Universität Hamburg, und zwar Deutsche Sprache und Literatur mit dem Schwerpunkt Medien und Theater. Sie hat schon für Medien von „Bild“ bis „Tagesschau“ gearbeitet. Damit finanziert sie das, was sie am liebsten ständig macht: ausgedehnte Reisen.