Hakenkreuz aus Beton auf Sportplatz ausgegraben
Das gefundene Hakenkreuz diente in der NS-Zeit als Fundament für ein großes Denkmal. Foto: Christian Charisius/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Am Dienstag fand ein Baggerfahrer ein riesiges Hakenkreuz auf einem Sportplatz in Billstedt. Nun ist eine Diskussion über den Verbleib des Nazi-Relikts ausgebrochen – auch in unserer Redaktion.

Für den Erhalt des Hakenkreuzes

Lukas Schepers ist Redakteur in unserem Kulturressort

„Üblicherweise unterscheidet sich meine Meinung stark von den Positionen der CDU. Aber in diesem Fall stimme ich dem Vorschlag David Erkalps zu, der das Hakenkreuz in ein Museum bringen will. Es wäre ahistorisch dies nicht zu tun. Wenn man solche Mahnmale nicht öffentlich zugänglich macht, ist das der erste Schritt zum Vergessen. Das soll nicht bedeuten, dass man jede noch so kleine Devotionalie ausstellen muss. Relikte aus der Zeit des Nationalsozialismus, wie sie regelmäßig in rechten Kreisen entdeckt werden, gehören definitiv vernichtet. Doch wirken Wehrmachtsmesser, Stahlhelm, Abzeichen und Fotografien Adolf Hitlers bei weitem nicht so stark, wie ein vier mal vier Meter großes Hakenkreuz. Gerade dieses Ausmaß macht es überhaupt erst zum Überbleibsel einer furchtbaren Zeit, das konserviert werden sollte. Eingebettet im Kontext einer Bildungsstätte mit Fokus auf die Grausamkeiten der NS-Diktatur kann ein solcher Fund die Einstellung vieler Heranwachsender prägen. Zumindest solange Sorge getragen wird, dass der Ausstellungsort nicht zur Pilgerstätte für Neonazis verkommt. Kinder sollten dieses Hakenkreuz als wahres Denkmal der Schande für Deutschland identifizieren. Und nicht, wie so mancher Neofaschist meint, das Holocaust Denkmal in Berlin.“

Gegen den Erhalt des Hakenkreuzes

Marie-Sophie Vorbrodt ist Redakteurin in unserem Ressort Mensch & Umwelt

„Unsere Gesellschaft muss Relikte der Nazi-Zeit als Mahnmäler erhalten, um die Öffentlichkeit schonungslos an die Verbrechen der Nazis zu erinnern. Diese dürfen niemals vergessen werden, um niemals wiederholt zu werden. Vielleicht sind gerade jetzt Mahnmäler gegen Nazideutschland essenzieller denn je. Das Hakenkreuz vom Hamburger Sportplatz, um das man gerade streitet, kann jedoch kein solches sein. Es ist gigantisch groß, massiv und schwer, als wolle es sich im Boden festkrallen. Das Relikt ist gerade so, wie Nazis sich selbst gerne wahrnahmen. Seine Erbauer haben es als Denkmal errichtet – um in der Erinnerung von Generationen unsterblich zu bleiben. Diesen Gefallen darf man ihnen auf keinen Fall tun. Nicht nur das Hakenkreuz als Symbol, sondern gerade seine gigantische Dimension macht diesen Fund gänzlich ungeeignet, um Mahnmal zu sein. Egal wie gut das Objekt in den Kontext einer Erinnerungsstätte eingebettet werden würde, alleine seine Größe erfüllt den Betrachter mit Staunen – einige vielleicht sogar mit Ehrfurcht. Und damit würde das ausgegrabene Hakenkreuz zu dem, was ein Nazi-Relikt in unserer Gesellschaft niemals werden darf: Kein Mahnmal, sondern ein Denkmal, vor dem man staunt. So schön man es sich auch reden mag: Größenwahn schüchtert nicht jeden ein.“

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Lukas Schepers, Jahrgang 1992, arbeitet als freier Journalist unter anderem für das Stadtmagazin Szene Hamburg. Außerdem ist er Mitherausgeber des Literaturmagazins Nous, für das er Lyrik und Prosa schreibt und illustriert. Nach dem Journalismus- und PR-Studium an der Westfälischen Hochschule in seiner Geburtsstadt Gelsenkirchen zog es ihn zusammen mit seinem Hund, der einem Fuchs zum Verwechseln ähnlich sieht, nach Hamburg. Es folgten Praktika und eine Dramaturgie-Hospitanz am Thalia Theater. Wenn Lukas nicht gerade Schallplatten hört, rollt er auch gerne mal mit dem Skateboard durch seine neue Heimat.