Auch Hamburg kann WM

WM-Auswahl

Ivica Olic beim HSV-Training - auch er ist im Hamburger WM-Kader
Auch Ivica Olic ist wieder bei der WM – dieses Mal allerdings als Co-Trainer. Foto: Sorodorin – CC BY-SA 3.0 de

Seit Montag stehen alle WM-Kader fest. 736 Spieler dürfen nach Russland fahren – darunter auch einige vom HSV und FC St. Pauli. Wer alle ehemaligen Hamburger mitzählt, käme sogar auf einen reinen Hamburger WM-Kader.

Auch Absteiger dürfen zur WM. Immerhin drei aktuelle Spieler vom Hamburger Sportverein (HSV) fahren in diesem Jahr mit nach Russland. Einer von St. Pauli ist auch dabei. Wie kommt man dann aber auf eine ganze Elf?

Für einen kompletten Hamburger WM-Kader muss man tief in der Geschichte des HSV graben – zurückblicken auf Zeiten, als der Verein noch erfolgreich Fußball spielte. Doch selbst dann können einige Positionen nur mit einem zugedrückten Auge besetzt werden. Wir haben es dennoch versucht. So könnte ein WM-Team aus Hamburg aussehen.

Tor

Jérôme Boateng (Deutschland)

Gleich auf der ersten Position ist sehr viel Kreativität gefragt. Wenn sich nicht die deutsche Torwartelite komplett verletzt und plötzlich René Adler reaktiviert werden muss, bleibt kein (Ex-)Hamburger für den Platz zwischen den Pfosten. Alternativ muss daher Jérôme Boateng ran. Der deutsche Innenverteidiger erfüllt mit 1,92 Metern zumindest die Qualifikationsgröße – und er hat sich schon vor der WM 2014 im Training als Torwart probiert.

Verteidigung

Paolo Guerrero (Peru)

Guerrero in der Verteidigung? Wer nur durch den Aufschub einer Doping-Sperre zur WM kommt, darf sich seine Position eben nicht aussuchen! Nachdem Jonathan Tah kurzfristig rausgefolgen ist, muss Paolo Guerrero nun seine Lücke ausfüllen. Mit 134 Spielen und 34 Toren ist er der HSV-Dino der Hamburg-Auswahl.

Vincent Kompany (Belgien)

Gleichzeitig mit Guerrero kam Vincent Kompany 2006 zum HSV. Der Belgier wechselte  allerdings schon wieder nach zwei Jahren zu Manchester City. Kompany schaffte damals den Absprung, bevor sich der HSV aus dem europäischen Fußball verabschiedete.

Gotoku Sakai (Japan)

Hinten rechts steht der erste Spieler, der auch wirklich noch in Hamburg spielt – Gotoku Sakai. Der HSV-Kapitän bleibt seinem Verein auch im nächsten Jahr treu und geht mit in die zweite Bundesliga.

Mittelfeld 

Milan Badelj (Kroatien)

Aktuell steht Milan Badelj beim AC Florenz auf dem Höhepunkt seiner Karriere – der Wechsel aus Hamburg nach Italien war für ihn ein Glücksfall. Wie ein Großteil des damaligen Kaders, blieb auch er zwischen 2012 bis 2014 beim HSV hinter den Erwartungen zurück.

Valon Behrami (Schweiz)

Behrami, zweite Säule im defensiven Mittelfeld, hätte auf seine Zeit in Hamburg gut verzichten können. Ein Jahr lang spielte er beim HSV und war damals eher wegen Kabinen-Schlägereien als wegen seiner sportlichen Leistungen im Gespräch.

Albin Ekdal (Schweden)

Die schwedische Schaltzentrale im Zentrum ist der zweite Spieler, der auch aktuell noch beim HSV spielt. Albin Ekdal hat in der abgelaufenen Saison knapp die Hälfte der Spiele verletzt verpasst – pünktlich zur WM ist er nun aber wieder fit.

Sturm

Filip Kostic (Serbien)

Links-außen stürmt der Rekordtransfer des HSV – Filip Kostic. Vor zwei Jahren wechselte Kostic für 14 Millionen vom Absteiger Stuttgart nach Hamburg. Nach dem Abstieg will er nun wieder wechseln – noch steht er aber beim HSV unter Vertrag.

Heung-min Son (Südkorea)

Heung-min Son ist der Star der Hamburger WM-Auswahl. Der aktuelle Fußballer des Jahres in Asien kam durch eine Kooperation mit dem südkoreanischen Fußballverband schon in der Jugend nach Hamburg. Nach fünf Jahren Ausbildung beim HSV ging es über Leverkusen nach Tottenham.

Marcus Berg (Schweden)

Als Marcus Berg 2009 zum HSV wechselte, sahen Fans in ihm schon den nächsten Weltfußballer: als frischgebackener Torschützenkönig und Spieler des Turniers der U21-EM der logische nächste Titel. Vier Jahre später – sein Marktwert fiel von 10 auf 1,5 Millionen – verließ er den HSV unter Spott. Bei Panathinaikos Athen lief es dann plötzlich wieder besser. Jetzt kickt er in Kuwait bei Al-Ain FC.

Aziz Bouhaddouz (Marokko)

Die zweite Sturmspitze ist nicht nur aktiv in Hamburg – er ist der einzige WM-Fahrer vom FC St. Pauli. Als dritter Spieler überhaupt schafft Aziz Bouhaddouz den Sprung vom Kiez zur Fußball-Weltmeisterschaft. Er folgt damit auf Jan Kocian und Ivo Knoflicek, die 1990 im Team der Tschechoslowakei spielten.

Trainer- und Mitarbeiterstab

Scouting-Team: Marco Diaz und Christofer Clemens (beide Deutschland)

Während der DFB-Chefscout Urs Siegenthaler nur kurz vor einem Wechsel nach Hamburg stand, sichteten seine Kollegen Marco Diaz und Christofer Clemens beide schon Spieler für den HSV. Clemens holte als Chefscout damals unter anderem HSV-Legende Heiko Westermann, Gojko Kacar und Dennis Diekmeier nach Hamburg.

Jugendleiter: Markus Hirte (Deutschland)

Der aktuelle Jugendleiter des DFB, Markus Hirte, koordinierte zuvor bereits von 2005 bis 2009 die HSV-Jugend. In seiner Zeit standen unter anderem Heung-min Son, Shkodran Mustafi und Änis Ben-Hatira erstmals auf den Hamburger Jugendplätzen.

Co-Trainer: Roel Coumans (Saudi-Arabien) & Ivica Olić (Kroatien)

Eine Vereinslegende und ein fast vergessener Sidekick – die Hamburg-Auswahl hat ein Co-Trainer-Duo. Roel Coumans war unter Bert van Marwijk in der Saison 13/14 beim HSV und ging mit seinem Chef-Trainer später nach Saudi-Arabien. Ivica Olić hat mit Kroatien dagegen seine erste Station als Co-Trainer gefunden. Erst im letzten Sommer beendete er seine aktive Karriere.

Trainer: Bert van Marwijk (Australien)

Cheftrainer der Hamburg-Auswahl ist Bert van Marwijk. Der Holländer war zwischen 2013 und 2014 immerhin für fünf Monate Trainer des HSV und holte im Schnitt glorreiche 0,88 Punkte pro Spiele. Nach zwei Jahren in Saudi-Arabien trainiert er nun seit Januar die Nationalmannschaft Australiens.

Hamburger Auswahl WM 2018
Die Hamburg-Auswahl für die WM 2018 in Russland. Collage: Björn Rohwer. Fotos: Kathi Rudminat (flickr: kaddyyy), Fuguito, Rautenfreund, Northside, Sorodorin, Дмитрий Голубович, jeollo von http://www.vfb-exklusiv.de, AssassinsCreed, Steindy, Nuno Tavares. Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
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Björn Rohwer, Jahrgang 1993, liebt drei Dinge: Sport, Musik und Technik. Während er beim Sport lieber zuschaut, ist er bei der Musik mit vollem Einsatz dabei. Seit seinem sechsten Lebensjahr singt der studierte Musikwissenschaftler im Knabenchor, spielt Klavier, Saxophon und Klarinette. Zum Journalismus hat ihn seine dritte Leidenschaft gebracht: die Technik. Für verschiedene Gamingformate rezensiert er Videospiele, führt Interviews und verfasst Hintergrundberichte. In seinem 2014 erschienenen Buch „Unnützes Wissen für Gamer“ gibt er die Antwort darauf, warum Super Mario einen Schnauzbart trägt oder wieso Lara Croft eine große Oberweite hat. Das Buch hat er während eines Kreuzbandrisses geschrieben, den er sich beim Schulsport zuzog. Das Ende der Sportlerkarriere war der Anfang des Schreibens. Kürzel: bro