Faces of Filmfest. Logo: Filmfest Hamburg, Grafik: Jana Trietsch
Faces of Filmfest. Logo: Filmfest Hamburg, Grafik: Jana Trietsch

Ein Programm, 138 Filme, alle klingen spannend: Da ist Überforderung bei den Besuchern vorprogrammiert. Wir haben die Filmfest-Hamburg-Crew nach den besten Komödien, Dokus und Neo-Noir-Produktionen gefragt.

Vom Beleuchter bis zur Programmleiterin sind sich sechs von sieben Festivalmitarbeiter einig: Der neue Film des griechischen Regisseurs Yorgos Lanthimos (bekannt durch die Satire „The Lobster“) ist ihr absoluter Favorit. Er heißt passenderweise „The Favourite“. Die Crew hat aber noch weitere Empfehlungen parat: von Neo-Noir-Produktionen über Polit-Dokus bis hin zu einer Komödie über die vermeintlich langweiligste Stadt Schwedens. Haltet Zettel und Stift parat.

Sophia Wolf, Ticketing

Faces of Filmfest: Sophia Wolf
Foto: Jana Trietsch

Was machst Du beim Filmfest?

Beim Ticketing machen wir eigentlich alles andere, als Karten zu verkaufen. Wir sind die Kommunikationsstelle mit Produktionsfirmen, Sponsoren und unserem Ticketportal. Ich freue mich, wenn ich abends die Abrechnung mache und alle Zahlen einen Sinn ergeben.

Die Empfehlungen von Sophia:

1. „Die Hälfte der Welt gehört uns“
Die Doku zum Anlass des hundertjährigen Frauenwahlrechts wird dieses Jahr in einer Extraveranstaltung bei Hapag Lloyd gezeigt. Mich hat vor allem beschäftigt, dass einige der Forderungen von damals heute auch noch aktuell sind.
Di, 2.10., 18.30 Uhr, Hapag Lloyd

2. „Das schönste Paar“
Etwas hart sind die Anfangsszenen des Films schon. Trotzdem wird die Missbrauchsgeschichte eines Pärchens auf so einfühlsame Weise erzählt, dass sie am Ende doch noch an Schwere verliert.
Sa, 29.9., 21.30 Uhr, Passage 1

Dominic Weinkirn, Material

Faces of Filmfest: Dominic Weinkirn
Foto: Jana Trietsch

Was machst Du beim Filmfest?

Sobald ein Film für das Festival bestätigt ist, kümmern wir uns darum, dass Fotos, Credits, Trailer, Poster, eben das ganze wichtige Material, zu uns finden. Am stressigsten wird es, kurz bevor das Programmheft rauskommt, denn dann muss alles da sein. Während des Filmfests sind wir dann vor allem in den Kinos vor Ort.

Die Empfehlungen von Dominic

1. „A Balkan Noir“
Die Form des Films ist etwas wirklich besonderes: Die Geschichte (Eine Schwedin, deren Tochter in Montenegro verschwindet, sucht nun Rache.) wird in 20 Zigaretten erzählt. Das bedeutet: Jede Szene hat die Länge einer gerauchten Zigarette. Der Film ist düster und zeichnet sich durch seine formale Komposition und Stilistik aus. Durch zwischengeschobene alte Zigarettenwerbespots wird er stellenweise auch ein wenig skurril. Der Regisseur Drazen Kuljanin wird beim Filmfest vor Ort sein.
Mo, 1.10., 21.45 Uhr, Cinemaxx 2 / Fr, 5.10., 21.30 Uhr Cinemaxx 2

2. „Sol Alegria“
Dieser brasilianische Film ist explizit, abgefahren, aber vor allem irgendwie befreiend. Er greift das politische Klima in Brasilien auf. Ein bisschen Bonnie und Clyde gegen christlichem Fundamentalismus. Da können dann schonmal Szenen vorkommen, in denen bewaffnete Nonnen im Urwald Cannabisplantagen bewirtschaften.
Fr, 28.9., 17 Uhr, Abaton KL

Kathrin Kohlstedde, Programm

Faces of Filmfest: Kathrin Kohlstedde
Foto: Jana Trietsch

Was machst Du beim Filmfest?

Um das Programm für das Hamburger Filmfest zusammenzustellen, besuchen wir das ganze Jahr über verschiedene Filmfeste auf der ganzen Welt. Die Saison beginnt meistens in Rotterdam und endet für uns in Venedig und Toronto kurz vor Programmschluss. Auf den Festivals sichten wir Filme und treffen die Branche. Für unser Programm nehmen wir aber auch Einreichungen von Filmemachern entgegen. Die schaut man dann auch mal nach der Arbeitszeit zuhause auf der Couch.

Die Empfehlungen von Kathrin:

1. „The Cake General“
Ich finde das Genre Komödie immer schwierig. Meist wird es platt. Nicht so dieser Film: Er hat Humor, Herz und einen tollen Soundtrack. Die Bewohner der Schwedischen Kleinstadt Köping, die mit einem Backwarenrekord gegen den Titel „Langweiligste Stadt in ganz Schweden“ ankämpfen, haben mich sehr zum Lachen gebracht.
So, 30.9., 16.30 Uhr, Passage 1 / Fr, 5.10., 17 Uhr, Passage 1

2. „Ville Neuve“
In dem Animationsfilm aus Quebec steckt so viel Handwerk. Hier haben 15 Zeichner komplett von Hand auf Papier gemalt. Sie zeigen uns die Geschichte einer Ehe, die am Ende ist, und einer Provinz, die seit Jahrzehnten die politische Unabhängigkeit anstrebt – beide haben viel gemeinsam.
Sa, 29.9., 21.45 Uhr, Abaton KL / Do, 4.10., 19 Uhr, Studio

Joshua Lerp-Petersen, Presse & Social Media

Faces of Filmfest: Joshua Lerp-Petersen
Foto: Jana Trietsch

Was machst Du beim Filmfest?

Social Media ist während der letzten Jahre ein wichtiges Marketing-Tool für uns geworden. Auf Facebook, Instagram und Twitter stehen wir im direkten Austausch mit Festivalinteressierten und Besuchern. Hier zeigen wir Trailer, Filmstills, machen Verlosungen, oder fragen auch mal nach den besten und schlechtesten Plätzen im Kinosaal. Das Beste kommt aber noch: Während des Filmfests werden wir vor allem auf Instagram von den Veranstaltungen und Premieren berichten.

Die Empfehlungen von Joshua:

1. „Mario“
Zwei Profifußballer, die sich ineinander verlieben: Ein schöner, authentischer und trauriger Film über homosexuelle Beziehungen, die auch heute noch ein Tabuthema im Profifußball sind.
Di, 2.10., 19 Uhr, Cinemaxx 1

2. „Schule auf dem Zauberberg“
Statt eines Kinderfilms verbirgt sich hinter dem Titel eine Dokumentation über einen Jungen, der in der Schweiz das teuerste Internat der Welt besucht. Berk kommt aus Istanbul, ist stinkefaul und doch im ständigen Kampf um die Gunst des Vaters. Es gibt viele Momente, in denen man sich in ihm wiederfindet, gleichzeitig erhält man einen seltenen Einblick in einen Ort, wo unsere Führungskräfte der Zukunft ausgebildet werden.
Fr, 5.10., 17.30 Uhr, Metropolis

3. „A Simple Favor“
Ein Film des Regisseurs des Hollywood-Erfolges „Bridesmaids“. Ist es eine Komödie? Ist es ein Thriller? Man weiß bis zum Ende nicht, was genau da eigentlich los ist.
So, 30.9., 16.30 Uhr, Cinemaxx 8 / Do, 4.10., 19 Uhr, Passage 1

Patrick Dadaczynski, Veranstaltungstechnik

Faces of Filmfest: Patrick Dadaczynski
Foto: Jana Trietsch

Was machst Du beim Filmfest?

Ich übernehme in diesem Jahr zum zweiten Mal die technische Leitung des Filmfests. Wir kümmern uns um alles, von Anträgen bei der Stadt über Aufbau und Organisation des Festivalzelts bis zur Veranstaltungstechnik. Aktuell beschäftigt uns zum Beispiel die Überdachung des Cinemaxx.

Die Empfehlungen von Patrick:

1. „I Do Not Care If We Go Down In History As Barbarians“
Der längste Titel des diesjährigen Filmfests und ein wirklich guter, wie ich finde. Der Film ist eine Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm. In ihm geht es um die Auseinandersetzung mit der rumänischen Geschichte und der Rolle des Landes während des Holocausts, die heute weitgehend verdrängt wird. Das Thema Erinnerungspolitik ist sehr passend für unsere Zeit.
Mo, 1.10., 18.45 Uhr, Abaton GR / Fr, 5.10., 17 Uhr, Abaton KL

2. „A Land Imagined“
Diesen Film finde ich aus drei Gründen gut: Er ist ein Erstlingswerk, er ist Teil unserer Sektion „Asia Express“ und er hat dieses Jahr in Locarno gewonnen.
Fr. 28.9., 21.30 Uhr, Metropolis / Mi, 3.10., 22.15 Uhr, Abaton GR

Katrin Klamroth, Veranstaltungen

Faces of Filmfest: Katrin Klamroth
Foto: Jana Trietsch

Was machst Du beim Filmfest?

Ich kreiere Veranstaltungen, koordiniere und kooperiere. Oh, das klang jetzt aber gut. Letztendlich kümmere ich mich um unsere Panels, die Besetzung der Jurys, die Moderationen vor und nach Veranstaltungen, eigentlich alles außer Partys. In diesem Jahr freue ich mich besonders auf unsere Veranstaltung am 30. September zum Thema Diversität in Film und Fernsehen mit dem Namen „Casting ohne Scheuklappen“ und auf die täglichen Gespräche mit den Regisseurinnen und Regisseuren unserer Politreihe „VETO“ während der Veranstaltungstalks „Unzensiert“.

Die Empfehlungen von Katrin:

1. „Shéhérazade“
Figuren und Geschichte haben mich sofort interessiert. Besonders spannend an diesem Film finde ich, dass er mal nicht aus dem Mittelstand erzählt wird, sondern aus der Perspektive der Unterprivilegierten in der französischen Gesellschaft.
So, 30.9., 19 Uhr, Passage 1 / Mo, 1.10., 22 Uhr, Abaton GR

2. „Roma“
Die Netflix-Produktion des mexikanischen Regisseurs Alfonso Cuarón hat dieses Jahr bei den Filmfestspielen von Venedig den goldenen Löwen gewonnen. Ich würde den Film vor allem deshalb während des Filmfests ansehen, weil die Chance, dass er danach in die Kinos kommt, sehr gering ist.
So, 30.9., 22.30 Uhr, Cinemaxx 1

Johanna von Fehrn-Stender, MICHEL Kinder- und Jugendfest

Faces of Filmfest: Johanna von Fehrn-Stender
Foto: Jana Trietsch

Was machst Du beim Filmfest?

Das MICHEL Kinder und Jugend Filmfest findet jedes Jahr als Teil des Filmfest Hamburg statt. Hier zeigen wir Filme für eine Altersgruppe von vier bis 16 Jahren. Zu meiner Aufgabe gehört das Sichten der Filme, die Zusammenstellung des Programms und die Organisation rund um das Fest.

Die Empfehlungen von Johanna:

1. „Supa Modo“
Jo ist neun Jahre alt, lebt in einem kenianischen Dorf und ist unheilbar krank. Das hält sie jedoch nicht davon ab, an ihren Traum zu glauben: eine Superheldin zu werden. Wir zeigen „Supa Modo“ unter anderem im Rahmen vom Starke-Mädchen-Tag am 2. Oktober.
Di, 2.10., 11 Uhr, Abaton GR / Fr, 5.10., 15 Uhr, Abaton GR

2. „Rosie & Moussa“
Die Geschichte der beiden Mädchen und ihrer Suche nach Rosis verschwundenem Vater ist auch eine kleine Liebesgeschichte.
Sa, 6.10., 15 Uhr, Abaton GR

In der Serie „Faces of Filmfest“ zeigt FINK.HAMBURG Menschen rund um das Filmfest Hamburg.

Alle genannten Filme sowie das komplette Programm von A-Z zum Filmfest Hamburg 2018 findet ihr unter diesem Link.

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Jana Trietsch, Jahrgang 1992, weiß, warum Michel aus Lönneberga in Wirklichkeit Emil heißt. Die gebürtige Darmstädterin verbrachte im Rahmen ihres Medienkulturwissenschaften- und Psychologiestudiums zwei Semester im schwedischen Uppsala und kann seitdem die Bücher ihrer Kindheit in Originalsprache lesen. Nach dem Studium lernte Jana in der Lokalredaktion des „Darmstädter Echos“ ihre Heimat neu kennen. Es folgten PR-Praktika in Stockholm und Berlin im Mode- und Lifestylebereich, die Jana eine Redakteursstelle im Brand Marketing bei Zalando einbrachten. Nebenher schreibt sie als freie Autorin für „Mit Vergnügen“ und „Refinery29“ über Kultur, Mode und Millennials. Manchmal denkt sie dabei an ihren früheren Traum: eine wöchentliche Kolumne, geschrieben in einem roten Ferienhaus in Småland. jt