Zugewachsene Wege, steile Kanten, chaotische Verkehrsführung: Wir haben gefragt, ihr habt geantwortet. An diesen Stellen ist Radfahren in Hamburg am gefährlichsten.

Max-Brauer-Allee, Dammtor, Eppendorfer Weg, die Osterstraße – es sind immer die gleichen Straßen, die beim Radfahren in Hamburg zur Gefahr werden. 2017 gab es 2.318 Unfälle an denen Radfahrerende beteiligt waren. Für drei von ihnen endeten die Zusammenstöße mit Autos oder Lkws tödlich. Die Verkehrsunfallstatistik zeigt 2018 zwar einen Rückgang der Unfälle, dennoch gibt es zahlreiche Gefahrenhotspots in Hamburg.

Nachdem im Mai 2018 eine Fahrradfahrerin bei einem Unfall an der Osterstraße getötet wurde, hat FINK.HAMBURG dazu aufgerufen, weitere Gefahrenstellen zu melden, die RadfahrerInnen auf ihren täglichen Strecken ertragen. In kurzer Zeit wurde unser Postfach geflutet: Zugewachsene Wege, schlecht beleuchtete Ecken, aufgesprungenes Pflaster – die Liste wurde länger und länger.

„Sucht doch lieber die Strecken, die gut zu fahren sind. Das ist einfacher und dauert aufgrund der geringen Anzahl nicht so lange.“ – Facebook-Nutzerin Clau Di

Zuvor hatte FINK.HAMBURG gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die riskantesten Stellen der Hansestadt für Radfahrer ermittelt. An vielen hat sich bis heute nichts geändert. Sichtbar werden alle Gefahrenpunkte auf dieser Karte:

Mit einem Klick auf die Punkte, können die Kommentare der RadfahrerInnen gelesen werden. Organgefarbene Punkte zeigen Gefahrenmeldungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) an, blaue Punkte wurden uns von Lesern auf Facebook gemeldet.

Was der ADFC fordert

Insgesamt 7,5 Millionen Euro will die rot-grüne Koalition zur Förderung des Radverkehrs ausgeben, um Hamburg so zur Fahrradstadt zu machen. Bisher schneidet die Stadt allerdings nicht so gut ab. Bei der 2017 veröffentlichten ADAC Verkehrsstudie sind im Durchschnitt nur sechs Prozent der befragten RadfahrerInnen mit der Verkehrssituation in Hamburg weitestgehend zufrieden. Das soll sich ändern. Deswegen fordert der ADFC: „Vorfahrt fürs Rad“. Fahrradfahrende sollten bei allen künftigen Straßenplanungen bedacht werden.

Autofahrer überholen zu knapp, es ist kein Radweg vorhanden oder die Fahrbahnen sind zu eng: Die meisten Unfälle geschehen, weil RadfahrerInnen von AutofahrerInnen übersehen werden. Deswegen fordert der ADFC Radfahrstreifen auf der Fahrbahn, als sicherste Lösung für alle Beteiligten. Sie biete einen abgetrennten Bereich  zum Radfahren und sind trotzdem im Blickfeld des motorisierten Verkehrs. Gemeinsame Rad- und Gehwege lehnt der ADFC ab, da sie oft hinter Bäumen versteckt verlaufen und so an Kreuzungen und Einfahrten zur Gefahr werden.

Eine weitere Forderung wurde im Juni 2018 teilweise umgesetzt: mehr Tempo-30-Zonen in Hamburg. Ein Beispiel ist der Eppendorfer Weg, Hamburgs längste Wohnstraße. Immer wieder kam es hier zu Unfällen. Die Behörde für Inneres und Sport ordnete daraufhin auf der gesamten Länge eine Tempo-30-Zone an. Bis zum Jahreswechsel 2019/2020 sollen 80 Prozent der öffentlichen Einrichtungen (Kitas, Schulen) in Tempo-30-Zonen liegen.Ein erster Schritt, der ADFC fordert jedoch einheitlich eine Richtgeschwindigkeit von 30 km/h in Wohngebieten.

Wie es jetzt weitergeht

Bevor Hamburg sich als Fahrradstadt bezeichnen kann, muss noch viel getan werden. Die gesammelten Gefahrenpunkte reichen wir an die entsprechende Behörde weiter. Deswegen möchten wir die Karte stetig erweitern.

Der Gefahrenhotspot auf deiner Strecke ist in unserer Karte nicht erfasst? Schreibt einen Kommentar, schickt uns eine Facebook-Nachricht oder Mail an cccom-newsroom@haw-hamburg.de.

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Melina Mork, Jahrgang 1996, isst trotz ihrer Leidenschaft fürs Ausschlafen am liebsten Frühstück, auch gerne mal um 16 Uhr. Mit sieben Jahren wollte sie Stadionsprecherin werden, aber als in der Schule die Länge ihrer Essays zunehmend eskalierte, beschloss sie, dass sie lieber Journalistin werden will. Nach dem Abitur zog sie für das Studium in Kulturjournalismus von Salzgitter nach Hamburg. Erste Praxiserfahrungen sammelte Melina beim „Netzpiloten Magazin“ und der „Szene Hamburg“. Wenn sie nicht gerade Video-Essays bingewatched, arbeitet sie beim YouTube-Channel „In Bed with“ mit. Dort lädt sie Musiker ein in verschiedenen Betten Hamburgs Akustik-Sessions zu spielen und fragt sie zu allem aus, was mit Schlafen und Träumen zu tun hat. Kürzel: mrk
Astrid Benölken, Jahrgang 1993, hat als Kind sogar die Erziehungsratgeber ihrer Eltern gelesen, wenn ihr die Lektüre ausging. Zu ihren Lieblingsbüchern zählen Klassiker von Goethe, aber auch neue Werke, wie die des Nobelpreisträgers Ishiguro. Für ihr Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Kultur zog Astrid aus dem kleinen Ort Seppenrade im Münsterland ins bayerische Ansbach. Nach dem Studium reiste sie mit dem Rucksack durch Südamerika, Osteuropa und Indien. Als Journalistin hat sie schon für die „Westfälischen Nachrichten“, „Faz.net“, den „Bayerischen Rundfunk“ und die „Süddeutsche Zeitung“ gearbeitet – am liebsten zu Kulturthemen.