Mario und Leon posen für ein Selfie im Film
Mario (l.) und Leon posen für ein Selfie im Film "Mario". Foto: Pro Fun Media

Homosexualität im Fußball ist immer noch ein Tabuthema. Der Regisseur Marcel Gisler möchte das mit seinem Spielfilm „Mario“ ändern. Darin geht es um die tragische Liebesgeschichte der Mannschaftskollegen Mario und Leon.

Mario starrt auf den Fernseher, er will das Autorennen auf der Konsole gewinnen. Leon hat hingegen nur noch Augen für seinen Mitbewohner. Er kitzelt Mario, neckt ihn, fummelt mit seinem feuchten Finger an Marios Ohr, bis dieser sich empört umdreht. Es folgt ein intensiver Blick, Leon küsst Mario. Erschrocken wendet sich Mario ab und verschwindet in seinem Zimmer.

Mario Lüthi ist Stürmer bei der Jugendmannschaft des Schweizer Spitzenvereins Young Boys Bern. Als Neuzugang Leon Saldo zum ersten Mal in der Kabine auftaucht, wird er von den meisten Mitspielern nicht gerade freundlich empfangen: Der talentierte Spieler könnte den bisherigen Stürmern den Stammplatz wegnehmen. Mario freundet sich mit Leon an. Berater und Verein schlagen ihnen vor, zusammenzuziehen. Sie sollen sich besser kennenlernen und so auf dem Platz besser harmonieren. Aus der Freundschaft wird Liebe, bis die Mitspieler von dem Verhältnis erfahren.

Leon schaut traurig, weil er sich als Homosexueller im Fußball verstecken muss.
Leon Sadlo (Aaron Altaras) möchte sich als Homosexueller im Fußball nicht mehr verstecken. Foto: Pro Fun Media

Nach einem langatmigen Einstieg nimmt der Film endlich Fahrt auf. Nach endlos wirkenden Alltagsszenen rückt die Gefühlswelt der Protagonisten Mario, gespielt von Max Hubacher, und Leon, gespielt von Aaron Altaras, in den Vordergrund. Diese Szenen zeigen den Kern der Problematik: Mit einem anderen Mann als Paar in der Öffentlichkeit gesehen zu werden, verstößt gegen den Kodex im Profifußball.

Mario und Leons Dilemma

Der Verein wird unruhig, die Berater legen den beiden nahe, das Verhältnis zu dementieren. Sie sollen sich mit Frauen in der Öffentlichkeit zeigen. Nicht nur die Liebe zwischen Mario und Leon leidet, sondern auch die Leistung auf dem Platz. Das Paar scheint sich entscheiden zu müssen: Ist ihnen ihre Beziehung oder ihre Karriere wichtiger?

Regisseur Marcel Gisler wagt sich nach seinem Film „Electroboy“ – in dem er einen ehemaligen Sportler porträtiert, der unter einer Angststörung leidet – wieder an ein sportliches und gesellschaftliches Tabuthema heran: Homosexualität im Männerfußball.

Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger outete sich im Jahre 2014, allerdings erst nach dem Ende seiner Profikarriere. Verständnis für Homosexualität wird in der Fußballwelt nach wie vor nur zurückhaltend geäußert. Als Vorreiter gilt da Ewald Lienen, technischer Direktor des FC St. Pauli, der für einen offenen Umgang wirbt.

Filmemacher Marcel Gisler legt in „Mario“ den Fokus auf den Druck, der auf schwulen Spielern lastet. Sie stehen vor dem Dilemma, sich entscheiden zu müssen – Fußball oder Liebe. Der Film lässt die berechtigte Frage zu, warum Liebe zwischen Männern als Schwäche betrachtet wird, während im Frauenfußball Spielerinnen in der Öffentlichkeit zu ihrer Homosexualität stehen. Ist die Sportwelt da wirklich so rückständig?

„Mario“ könnte Türöffner für einen offenen Umgang sein. Allerdings liegt es an den Spielern selbst, die Initiative zu ergreifen. Ohne mutige Entscheidungen wird es keine Bewegung geben und schwulen Profifußballern wird es wohl auch abseits der Leinwand wie Mario in der Schlussszene gehen. Sie feiern ein wichtiges Tor nicht mit einem Lächeln, sondern mit einem ausdruckslosen Gesicht.

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Ted Koob, Jahrgang 1991, ist ein Kind Europas: Mit acht Jahren nahm der Luxemburger am Gesangswettbewerb „Zecchino d’Oro“ im italienischen TV teil. Außerdem spricht er luxemburgisch, deutsch, französisch, englisch und italienisch und hat in Belgien Musik studiert. Ted ist nicht nur ein Sprach-, sondern auch ein musikalisches Talent (Geige, Schlagzeug, Klavier). Deswegen arbeitete er nach dem Studium zunächst als Musiklehrer, entdeckte dann aber den Journalismus für sich. Ein zweites Bachelorstudium in Journalistik sowie Praxiserfahrung beim „Luxemburger Tageblatt“, dem ZDF und „11 Freunde“ bestärkten ihn im Berufswunsch. Nach der Arbeit lässt er den Tag gerne auf dem Rasen ausklingen und kickt in einer Hobby-Mannschaft. tek