Nur ein kleiner Gefallen. Foto: Studiocanal Germany
Die beiden Hauptcharaktere Stephanie (links) und Emily (rechts) Foto: Studiocanal Germany

„Nur ein kleiner Gefallen“, sie soll den Sohn einer Freundin von der Schule abholen. Kurz darauf wird Emilys Leiche in einem See gefunden. Regisseur Paul Feig lässt in seinem schwarzhumorigen Psychothriller zwei Frauen miteinander konkurrieren. 

Im Regen steigt eine Frau in Zeitlupe aus ihrem schwarzen Sportwagen aus. Sie hat lange blonde Haare, trägt High Heels und einen Nadelstreifenanzug. Das Gesicht der mysteriösen Dame im Dandy-Look wird von einem dunklen Regenschirm verdeckt. Die Szene hat etwas von einem Western, in dem sich ein Cowboy zum Duell vorbereitet. Pistole und Pferd werden durch Regenschirm und Porsche eingetauscht. 

Chaosküche vs. Luxusvilla 

Mit seinem Film „Nur ein kleiner Gefallen“ von Paul Feig, der für Komödien wie „Brautalarm“ und „Taffe Mädels“ bekannt ist, setzt der Regisseur einen Psychothriller um, der voller schwarzen Humor steckt. Darin mixen Mütter Martinis auf Grabsteinen und führen starke Wortgefechte.

Man lernt die Frau im Anzug, gespielt von Blake Lively, nur langsam kennen. Emily arbeitet in der PR-Abteilung einer Modefirma. Ihr Sohn Nicky besucht die selbe Klasse, wie der Sohn von Stephanie.

Stephanie, gespielt von Anna Kendrick, ist so ziemlich das genaue Gegenteil von Emily: Die alleinerziehende Mutter lebt von der Lebensversicherung ihres verstorbenen Mannes und stellt in ihrem Blog „Hey Mums“ Videos übers Backen online. Auf den Aufnahmen sieht man ihre vollgestellte Küche, in der Kinderzeichnungen hängen und sich Cupcake-Förmchen stapeln.

Emily wohnt dagegen in einer Luxusvilla, in dem jedes Kissen seinen Platz hat. Neben der Couch hängt ein Gemälde ihres nackten Körpers. Ihr Mann beschreibt sie als „wunderschönen Geist“, der nie wirklich vollkommen anwesend sei. Ihrer unnahbaren Ausstrahlung können sich viele Menschen nicht entziehen. Auch Stephanie bewundert sie.

Nach einigen Martinis freunden die beiden Mütter sich an. Doch  Emily verschwindet und ihr Mann identifiziert wenig später ihre Leiche. Als Stephanie einige Wochen nach der Beerdigung bereits Emilys Kleider trägt und eine Affaire mit ihrem Mann beginnt, spielt die tot geglaubte Freundin plötzlich wieder eine Rolle in ihren Leben.

Martinis mixen auf Grabsteinen 

In „Nur ein kleiner Gefallen“ geht es um Manipulation und Konkurrenz, Intrigen und Lügen – vor allem spielt der Film aber mit Rollenklischees. Die backende Vollblut-Mama, die ständig die Kamera parat hat, um ihren Sohn für die Nachwelt festzuhalten steht der luxusverwöhnten Rabenmutter gegenüber, die mehr mit sich selbst als ihrem Sohn beschäftig ist.

„Das beste für Nicky wäre, wenn ich mir eine Kugel geben würde“, sagt Emily treffend und zeigt, dass sich die Hauptcharaktere durchaus kritisch selbst reflektieren. Die Überzeichnung der Rollen bringt den Zuschauer immer wieder zum Lachen. So weiß man am Ende den Film nicht eindeutig zu verorten: Psychothriller? Krimikomödie? In jedem Fall steht hier der Stil über der Aussage: schnell, jung – und ein bisschen oberflächlich. Und die französischen Chansons begleiten einen noch bis nach Hause.

Der Film läuft ab dem 8. November in den deutschen Kinos.

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Für Sophie Schreiber, Jahrgang 1994, beginnt ein gemütlicher Morgen nicht nur spät, sondern auch mit einem Frühstück im Bett. Auf Reisen sucht sie hingegen das Abenteuer: Nach dem Abitur durchquerte sie Australien und machte einen Roadtrip durch Deutschland. In Hamburg ist sie allerdings fest verwurzelt. Selbst während ihres Studiums der Kulturwissenschaften in Lüneburg pendelte sie. Ihr Faible für das Schreiben entdeckte sie während eines Praktikums in der Hamburger Redaktion von „Kulturnews“. Dort sammelte Sophie erste Erfahrungen im Lokaljournalismus, führte Interviews und berichtete über Festivals. Ihr Wissen kann sie nun bei FINK.HAMBURG anwenden und vertiefen. Das Pendeln hat damit auch ein Ende und Sophie bleiben morgens ein paar Minuten länger unter der Bettdecke. Kürzel: sch

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