„Aufbruch zum Mond“ erzählt, wie Neil Armstrong zum ersten Mann auf dem Mond wurde. Kann ein Film, dessen Ende jeder kennt, trotzdem spannend sein? Kann er – allerdings nicht ohne die Hilfe typischer Hollywood-Tricks.

Es ist dunkel. Lautes Dröhnen wird abgelöst von maschinellem Surren. Der Zeiger des Thermometers wandert in den roten Bereich. Es zischt und jemand atmet schnell. Plötzlich ist alles still. Für ein paar Sekunden herrscht Schwerelosigkeit. Dann beginnt der Höhenmesser sich immer schneller zu drehen: 427.000 Meter, 350.000 Meter, 15.000 Meter. Nach einem Abprall von der Atmosphäre bruchlanden wir gemeinsam mit Neil Armstrong in der Mojave-Wüste im Südwesten der USA. Es ist 1961 – acht Jahre, bis zu Armstrongs berühmtester Reise.

Der Film „Aufbruch zum Mond“ erzählt, wie aus den Testpiloten Neil Armstrong, gespielt von Ryan Gosling, der erste Mann auf dem Mond wurde und damit das Wettlauf ins All zwischen den USA und der Sowjetunion entschied. Regisseur Damien Chazelle, bekannt für seine oscarprämierten Filme „Whiplash“ und „La La Land“, verfilmte mit „Aufbruch zum Mond“ die gleichnamige Biografie über Neil Armstrong, geschrieben von James R. Hansen.

Ein Schritt zurück für die Menschheit

Bereits im Vorfeld gab es Aufrufe, den Hollywood-Film, der beim 26. Filmfest Hamburg Deutschlandpremiere feierte, zu boykottieren. Twitter-Nutzer prangerten an, dass eine entscheidende Szene fehle: Die Platzierung der US-Amerikanischen-Flagge auf dem Mond.

Wer den Film tatsächlich gesehen hat weiß: Mangelnden Patriotismus kann man ihm wirklich nicht vorwerfen. Jedes Mal, wenn ein Meilenstein in Armstrongs Weg zum Mond geschafft ist, sieht man wenig subtil eine US-Flagge in der nächsten Einstellung. Das reicht vom Flaggen-Aufnäher auf dem Raumanzug nach erfolgreichem Dock-Mannöver bis hin zum Fahnenmast, an dem Armstrongs Sohn im Garten die Flagge hisst, nachdem sein Vater das erste Mal das All erreicht.

Aufbruch zum Mond

Es ist 1969 – nur noch wenige Minuten, bis zu Armstrongs Aufbruch zum Mond. Die Besatzung von Apollo 11 tritt in voller Astronautenmontur ihren Weg zur Rakete an. Die Menge klatscht und jubelt. Das sieht man, hört es aber nicht. Den gesamten Weg und die nicht enden wollende Aufzugfahrt zur Spitze der Rakete wird ausschließlich von einem orchestralen Soundtrack untermalt. Diese verstummt erst, als Apollo 11 das All erreicht und völlige Stille an ihre Stelle tritt. Man hat das Gefühl, die Anspannung der Crew zu spüren.

Zuschauer erfahren nicht nur, welches schwierige Training Armstrong durchlaufen musste was für Entbehrungen damit einher gingen, sondern erleben es mit ihm. Nicht zuletzt wegen der grandiosen Kameraarbeit von Linus Sandgren, der für seine Arbeit an „La La Land“ 2017 einen Oscar erhielt. Zeitweise scheint die Kamera wie schwerelos gemeinsam mit den Astronauten durch das All zu schweben.

Die Kamera ist den gesamten Film über sehr nah an Armstrong: Gemeinsam mit ihm wird man vom Multi-Axis-Trainer um die eigene Achse gewirbelt und steigt ins Cockpit. Man isst aber auch mit ihm und seiner Familie zu Abend, lauscht, wenn er seiner todkranken Tochter vorsingt und steht hilflos daneben, wenn er um verstorbene Kollegen trauert. Gosling schafft es, Armstrong in all diesen Facetten glaubhaft zu verkörpern.

Nicht von dieser Welt

Der ein oder andere Hollywood-Moment darf jedoch nicht fehlen – es handelt sich schließlich nicht um eine Dokumentation. Und so bleibt es dann trotz allseits bekanntem Ende weiter spannend, wenn Apollo 11 beim Landeanflug auf den Mond der Treibstoff auszugehen droht. Wie schaffen sie es, sicher zu landen? Wird Ryan Gosling nach etwas mehr als zwei Stunden Film endlich den Satz sagen, auf den alle warten? Und noch viel wichtiger: Weht auf dem Mond nun eine Flagge der Vereinigten Staaten oder nicht? Eine Frage, um die sich bis heute Verschwörungstheorien drehen.

Die Fernsehübertragung der echten Mondlandung verfolgten 1969 knapp 600 Millionen Menschen weltweit. Ob der Film über Neil Armstrong genauso viele Zuschauer haben wird, steht noch in den Sternen.

Der Deutsche Kinostart ist der 8. November.

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Melina Deschke, geboren 1992, kommt aus dem Pott. In Hamburg hat sie sich schon 2013 verliebt, während einer Hospitanz bei der Gaming-Sendung „Reload“, die vom ARD-Digitalkanal „Einsplus“ ausgestrahlt wurde. Dort sammelte sie ihre ersten Erfahrungen im Videoschnitt. Bereits zuvor spielte sie bei einem Praktikum in der Redaktion von „Vorzocker“ beruflich Videospiele. In Düsseldorf studierte sie Kommunikationsdesign und fand heraus, dass sie lieber kommuniziert als designt. Für den Hochschulsender „Paradise Park“ berichtete sie von Kunst- und Kulturveranstaltungen. Im Falle einer Zombie-Apokalypse wird Melina zu den wenigen Überlebenden gehören: Für ihre Bachelorarbeit schaute sie mehr als 100 Zombie-Filme. Kürzel: meld

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