Eine von 1001 Delegierten beim CDU-Parteitag war Antonia Haufler, Landesvorsitzende der Jungen Union Hamburg. Sie stimmte in der Wahl zum neuen Parteivorsitz mit ab. Wie war der Parteitag für sie und wie geht es nun weiter?

Schuhe auf dem CDU-Parteitag.
Schuhe auf dem CDU-Parteitag. GIF: Pia Siber

Schwarz-rot-gold sind die vorherrschenden Farben in der Messehalle A3 in Hamburg. Teppichboden in diesen Farben leitet in die große Halle, in der die 1001 Delegierten und die Presse Platz finden. Schon früh morgens ist hier viel los. Die Journalist*innen bauen Kameras und Mikrofone auf. Am Ende der Halle sind Arbeitsplätze eingerichtet, hier klappen sie Laptops auf und versuchen eine WLAN-Verbindung herzustellen.

Antonia Haufler will ihre Partei verändern

Umrahmt von den Tribünen für mehr als 1000 Journalist*innen sind in der Mitte der Halle lange, schmale Tischreihen aufgebaut. Jeder Landesverband schmückt seinen Bereich mit kleinen lokalen Tischflaggen. Der Landesverband Hamburg sitzt ganz vorne. Mit dabei: Antonia Haufler, die Vorsitzende der Jungen Union Hamburg. Rechts neben ihr Paul Ziemiak, der neugewählte Generalsekretär der Union. Haufler selbst wird am Samstag einen Antrag der Jungen Union vorstellen. Die Forderung: Koalitionsverträge müssen immer von einem Bundesparteitag bestätigt werden. Diesen Antrag vor so vielen zu verteidigen macht sie jetzt schon nervös, auch wenn sie nicht auf der großen Bühne steht, sondern über ein Saalmikrofon zu den Delegierten sprechen wird.

Diese Anträge bestimmen die Politik der Partei. Die verschiedenen Landesverbände stellen sie vor und dann wird darüber entschieden, ob sie umgesetzt werden oder nicht. Die Junge Union Hamburg hat vier Anträge beim Bundesparteitag eingereicht. Einer davon fordert einen „Tag der Bundeswehr“  für mehr Solidarität mit den Soldat*innen. Außerdem fordern sie, dass präventiv etwas gegen die psychische Belastung von Ärzt*innen und Pflegepersonal getan wird.

Antonia Haufler, Landesvorsitzende der Jungen Union Hamburg, auf dem CDU-Parteitag. Foto: Antonia Haufler.
Antonia Haufler, Landesvorsitzende der Jungen Union Hamburg, auf dem CDU-Parteitag. Foto: Antonia Haufler

Die wichtigste Entscheidung an diesem Parteitag: Die Wahl zum neuen Parteivorsitz. Das Rednerpult an dem die drei Kandidat*innen für den Parteivorsitz um die Gunst der Delegierten werben, ist vom Ende der riesigen Messehalle kaum zu sehen. Alle die dort sprechen, verschwinden vor der riesigen LED-Rückwand der Bühne. Auf diesen Bildschirmen, werden die Redner*innen gezeigt und ihre Worte simultan auf Gebärden übersetzt.

Eine CDU ohne Merkel kennt sie nicht

In den Genuss der freien Sicht auf die Bühne kommt man selbst in der ersten Reihe nur selten. Die meiste Zeit konkurrieren Fotografen um das beste Bild von den Redner*innen und versperren auch Antonia Haufler den Blick. Die 26-Jährige ist aufgeregt. Es ist ihr erster Bundesparteitag als Delegierte und ihre Stimme ist Teil dieses „historischen Tages.“ Sie selbst kennt eine CDU ohne Angela Merkel nicht. Als Merkel Parteivorsitzende wurde, war Antonia acht Jahre alt. Nun ist sie mit 26 Jahren die jüngste Delegierte, die mitbestimmt, wie es mit der Union weitergeht.

„Ich bin schon aufgeregt, es ist ja ein historischer Tag.“

Mit 17 Jahren ist sie der Jungen Union beigetreten und seit eineinhalb Jahren deren Landesvorsitzende in Hamburg. Sie kommt aus Altona, hat Biochemie studiert und ist seit zehn Jahren politisch aktiv ein Leben ohne Politik kann sie sich nicht mehr vorstellen. Sie will etwas verändern, mit und in ihrer Partei. Digitalisierung ist ihr wichtig, auch deshalb fühlt sie sich politisch von Jens Spahn repräsentiert. Sie sind in ähnlichen Belangen konservativ und in anderen liberal. „Dass homosexuelle Paare Kinder adoptieren dürfen, ist für mich kein Problem“, sagt Haufler. „Aber ich bin auch für eine strenge Migrationspolitik.“

Jens Spahn steht für die Junge Union

Für sie ist Jens Spahn die richtige Wahl. Er stehe für die junge Generation und habe den Mut, neue Themen anzusprechen. Aber in der Stichwahl zum Parteivorsitz muss sie sich zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Merz entscheiden. Sie wählt Merz. Weil er die bessere Rede gehalten habe, nicht weil er ihr sympathischer sei.

Bis zur Bekanntgabe des Wahlergebnisses redet Haufler schnell, ihr Blick durchstreift die Reihen der anderen Delegierten. Während sie mit jemandem spricht, hört sie den Reden auf der Bühne zu, um nichts zu verpassen.

Fotografen vor der Bühne beim CDU-Parteitag in Hamburg. Foto: Amelie Rolfs
Fotografen vor der Bühne beim CDU-Parteitag in Hamburg. Foto: Amelie Rolfs

Gemeinsam die Zukunft der CDU gestalten

Neue Parteivorsitzende ist jetzt doch Kramp-Karrenbauer. Nach der Wahl spricht Haufler leiser. Die große Entscheidung ist gefallen vom Ergebnis ist sie enttäuscht. Ihre aufrechte Haltung und ihr fokussierter Blick weichen für einen kurzen Moment Resignation. Sie hätte sich Merz als Parteivorsitzenden gewünscht und hofft nun, dass Kramp-Karrenbauer den Job ordentlich ausführt. Hauflers politische Positionen unterscheiden sich von denen Kramp-Karrenbauers. „Aber wir sind in der gleichen Partei“, sagt Haufler. „Jetzt ist es wichtig, gemeinsam die Politik der CDU zu gestalten.“

Viel Zeit, um über das Wahlergebnis nachzudenken, bleibt nicht. Der Parteitag läuft weiter, Pausen sind nicht eingeplant. Den Rest des Tages werden Anträge verteidigt und Ämter neu besetzt. Dann wird gefeiert  Zeit, um Freunde wiederzusehen und die Ereignisse durchzuquatschen. Nicht allzu lang, denn am Samstag geht es weiter und Antonia Haufler stellt den Antrag der Jungen Union vor. Nach einer kurzen Diskussion wird er angenommen. Außerdem wird Paul Ziemiak, ehemaliger Vorsitzender der Jungen Union, zum Generalsekretär der CDU gewählt. Daran sehe man, dass die Junge Union ernst genommen werde, so Haufler: „Das ist ein Ritterschlag für die JU“.

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Amelie Rolfs, Jahrgang 1993, hat einen speziellen Literaturgeschmack: Sie verschlingt Liebesgeschichten, bei denen sich die Protagonisten nach langer Trennung im Alter wiedertreffen. Zum Lesen nimmt sie sich aber gerade wenig Zeit – lieber frühstückt sie sich durch die besten Cafés Hamburgs und stöbert auf Flohmärkten nach alten Schallplatten. Ihr liebstes Fundstück ist eine Cat Stevens Platte von 1970, die älteste, die sie besitzt. Ihre Bachelorarbeit hat sie in Politikwissenschaften über feministische Instagrammerinnen geschrieben und zuvor beim Kindermagazin „Dein Spiegel“ gelernt, wie man Dinge einfach erklärt. Außerdem organisierte sie beim NDR die Sendung „Wahlarena“ zur Bundestagswahl 2017 mit – und machte dabei natürlich ein Selfie mit Martin Schulz. Angela Merkel war leider zu gut abgeschirmt. Kürzel: ar
Pia Siber, Jahrgang 1992, hat schon einmal einem Huhn das Radfahren beigebracht. Geboren ist sie in Bremen, aufgewachsen aber auf dem Dorf. Ihre Schule ging pleite, aufs Abitur hat sie sich deshalb zu Hause vorbereitet. In Bremen hat sie Politikwissenschaft studiert, machte währenddessen PR für ein Wissenschaftskolleg und arbeitete für die „taz“, Radio Bremen und „Bento“. Ihr größtes Opfer: Nachdem sie einen Bulli ein halbes Jahr lang zum mobilen Heim ausgebaut hatte, entließ sie ihre Hündin Nala damit hinaus in die Welt – in menschlicher Begleitung. Jetzt wohnt sie in einer WG in Hamburgs Dorf: Altona. Vielleicht findet Pia hier endlich Zeit zum Akkordeonspielen oder zum Boxen. Priorität hat aber erstmal die Suche nach den besten Pommes der Stadt. Kürzel: ps