Eine ungewöhnliche Herausforderung: Am 27. Januar findet zum 19. Mal die Marmstorfer Teichwette statt. Schützenkönig Torsten Czerner fordert die Harburger Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard heraus, sich auf dem Wasser zu treffen.

Ein altes Bauernhaus mit Strohdach und roten Ziegelsteinen, davor ein kleiner Teich. Der Feuerteich in Hamburg-Marmstorf im Bezirk Harburg liegt normalerweise still und unspektakulär dar. Doch jedes Jahr am letzten Sonntag im Januar ändert sich das. Denn dann lockt der idyllische Stadtteil, 20 Kilometer vom Hamburger Zentrum entfernt, bis zu 3.000 Zuschauer an. Der Grund: die Marmstorfer Teichwette. In diesem Jahr findet sie zum 19. Mal statt.

Eine Wette für den guten Zweck

Jedes Jahr fordert der amtierende Marmstorfer Schützenkönig eine mehr oder weniger bekannte Persönlichkeit aus der Umgebung heraus. Sie wetten, dass sie beide auf selbstgebauten Flößen in die Mitte des Teiches gelangen, um sich dort die Hand zu schütteln.

Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard und Marmstorfs Schützenkönig Torsten Czerner stehen sich am Sonntag, 27. Januar auf der 19. Marmstorfer Teichwette gegenüber. Foto: Johannes „Jojo“ Tapken
Die Wettpaten: Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard und Marmstorfs Schützenkönig Torsten Czerner. Foto: Johannes „Jojo“ Tapken

Im Jahr 2011 fordert der Marmstorfer Schützenverein beispielsweise Uwe Seeler heraus. Moderator und Fernsehkoch Rainer Sass war 2014 Teilnehmer. In diesem Jahr wagt sich Dr. Melanie Leonhard auf einem Floß über den Teich.

Was Außenstehenden ulkig erscheint, ist für die Marmstorfer eine wichtige Tradition. Organisiert wird das Event vom Schützenverein Marmstorf. „Schon im Spätsommer beginnen die Vorbereitungen“, sagt Johannes Tapken, Pressesprecher des Schützenvereins.

Zusammen mit circa 30 Schützen organisiert er das Spektakel: Planung, Aufbau, Abbau, Verkauf und Logistik. „Es ist eine schöne Sache, als ganzes Dorf – obwohl wir ja eigentlich ein Stadtteil sind – etwas für den guten Zweck zu tun. Und es stärkt unsere Gemeinschaft“, sagt Tapken.

Team-Werft baut die Flöße

Fünf Wochen vor der Teichwette beginnt das Werkeln: Zehn Schützen bilden das Werft-Team, konzipieren und bauen zwei Flöße. Diese sind optisch immer an die Hobbies oder die Berufe der Wettpaten angepasst. So schipperte Uwe Seeler zum Beispiel auf einem Fußballplatz mit Tor und Rainer Sass auf einer Küche in Richtung Teichmitte. Das wirft die Frage auf: Was hat das Team-Werft für die SPD-Politikerin in diesem Jahr geplant hat.

Unweit des Teichs befindet sich die Marmstorfer Kirche. Ihre Gemeinde erhielt im vergangenen Jahr den Einsatz der Wettpaten in Höhe von 500 Euro. Denn: Jeder von  ihnen spendet 250 Euro für einen guten Zweck seiner Wahl. Auch die Erlöse des Bier- und Wurststandes werden gespendet.

Taucher der Feuerwehr helfen im Wasser

Bis zu zwei Meter tief und circa 40 Meter lang ist der Feuerteich, der einst das Löschwasser für das Dorf bereit hielt. Der Weg mit dem Floß über das Wasser ist somit überschaubar. Nur kalt wird es: Am Sonntag sollen es nur vier Grad werden. Obwohl in den letzten 19 Jahren noch niemand ins Wasser fiel, sind zur Sicherheit Taucher der freiwilligen Feuerwehr dabei. Sie ziehen die Flöße durchs Wasser und räumen Eisschollen aus dem Weg.

Ob Czerner oder seine Wettgegnerin Dr. Melanie Leonard im Wasser landen, zeigt sich am 27. Januar. Ab 11 Uhr findet die Teichwette statt. Alle Zuschauer sind willkommen – auch Gäste von nördlich der Elbe.

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Als Fitnesstrainerin spornt Thoya Maria Urbach, Jahrgang 1994, mehrmals in der Woche bis zu 30 Leute zu Höchstleistungen an. Studiert hat sie Kulturwissenschaften in Lüneburg und Barcelona und dabei das Schreiben für sich entdeckt. Bei der „Brigitte“ hospitierte sie in der Onlineredaktion. Während eines Praktikums in der Unternehmenskommunikation bei Deutschlands größter Containerreederei faszinierte sie die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus der ganzen Welt. Die Hamburgerin schippert in ihrer Freizeit gerne mit der Fähre über die Elbe, ist aber auch in anderen Städten unterwegs – etwa in St. Petersburg. Denn etwas Russisch kann sie auch. Kürzel: tmu