Klimapaket, Fridays for Future, UN-Gipfel: Die 11. Hamburger Klimawoche findet in einer Zeit statt, in der die ganze Welt über das Klima spricht. Mitzureden lohnt sich hier auf jeden Fall. Und zuzuhören – zum Beispiel Boris Herrmann, der mit Greta Thunberg nach New York segelte.

Die See ist das Leben und der Tod. Wegen des steigenden Meeresspiegels sei auch Hamburg bedroht, sagt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) auf dem Rathausmarkt, als die Hamburger Klimawoche am vergangenen Mittwoch hier eröffnete. Mit einer Liveschalte nach Monaco, wo der Weltklimarat IPCC den neuesten Sonderbericht zum Thema Ozeane und Polargebiete präsentierte, startete das Programm im großen Kuppelzelt. 

Klimawoche 2019 Rathausmarkt
Frank Schweikert (links), Beirat der Klimawoche, bei der Eröffnung auf dem Rathausmarkt, gemeinsam mit den Paten Birte Lorenzen (Mitte) und Boris Herrmann vom Hamburger Segelteam Malizia.

In vier Iglus, die auf dem Rathausmarkt stehen, und an anderen Orten in der Innenstadt finden eine Woche lang 250 Veranstaltungen statt, in denen es ums Klima geht. Der Besuch der Veranstaltungen ist kostenlos. Der Verein Klimawoche e.V. organisiert sie, unterstützt von 200 Unternehmen und Verbänden.

Die Klimawoche in Zahlen

- 22.-29. September
- Mehr als 250 Veranstaltungen
- 14 Orte
- Mehr als 200 Akteur*innen
- Paten: Segler Boris Herrmann, Birte Lorenzen und Holly Cova (Segel-Team Malizia)
- Finanziert durch EU, Sponsoren und Spenden
- Team besteht aus ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen
- Webseite: https://www.klimawoche.de/

Ziele nachhaltiger Entwicklung

Am Rathausmarkt hängen bunte Fahnen. Sie zeigen 17 Entwicklungsziele: ökologische, soziale und ökonomische. Die Vereinten Nationen haben diese Sustainable Development Goals, kurz SDG, formuliert. Die Klimawoche schließt an diese Ziele an. Es sollen möglichst viele Menschen überzeugt werden: von der Notwendigkeit und dem Nutzen der SDGs für jeden Einzelnen und die Welt. Experten aus Wirtschaft, Politik, Umwelt und Gesellschaft stehen dafür Rede und Antwort. 

Sustainable Development Goals
Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs), Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen

Programmhighlights am Rathausmarkt

Donnerstag

13:00 – 13:45 | 360-Grad-Film Unsere Erde und Energiewelten
Das Planetarium Berlin zeigt die Geschichte vom Ursprung unseres Planeten und veranschaulicht die komplexen Zusammenhänge vom „System Erde“. Welche Veränderungen sind auf der Erde direkt oder indirekt auf den Menschen zurückzuführen?

17:30 – 22:00 |  Diskussion Maritime Startup-Night auf der MS Stubnitz
Schwimmende Gründer*innen: Wer erfahren will, welche Ideen es rund um den Klimasünder Schifffahrt gibt, besucht das alte Marineschiff in der HafenCity. Lasst euch inspirieren von Jungunternehmern und André Wiersing, der als erster Deutscher durch die sieben Weltmeere schwamm. Freitag gibt es eine Konferenz und eine Ausstellung auf der MS Stubnitz.

20:00 – 22:00 |  Diskussion 17 Nachhaltigkeitsziele der UN
Die Bedeutung der SDGs für Hamburg – Schwerpunkt Energie

Freitag

9:30 – 11:00 | Geschlossenes Event Ozean-Klimakonferenz für Schüler*innen
Junge Menschen diskutieren übers Klima und darüber, wie sie sich in Zukunft fortbewegen könnten. Sie präsentieren ihre Visionen für die Stadt und die Welt von morgen – vor Stadtentwickler*innen und Verkehrsplaner*innen. Das Bildungsprogramm der Edmund Siemers Stiftung soll 3000 jungen Menschen den Klimawandel näherbringen.

15:00 – 17:00 | Planetariumsshow „Geheimnis der Bäume“ und „Das Zauberschiff“

18:00 – 22:00 | Vortrag, Film European Researchers’ Night
An diesem Abend sprechen die Klimaforscher. Keine Angst, es gibt keine Vorlesungen. Die Experten präsentieren Ergebnisse unterhaltsam und für alle zu verstehen mit Kurzfilmen und Animationen. Doch es geht nicht nur um Wissenschaft: Schiffskapitänin Carola Rackete spricht darüber, wie sie Menschen aus dem Meer rettete. Weltweit gibt es 70 Millionen Geflüchtete, knapp 20 Millionen entfliehen Klimaveränderungen in ihrer Heimat. Motto der Nacht: „Future Life“.

Samstag

10:00 – 12:00 | Diskussion Was können wir gemeinsam gegen den Klimawandel tun? Mit anschließender Fragerunde zur EU-Klimapolitik

16:00 – 17:00 | Erfahrungsbericht So brachte ich Greta Thunberg nach New York.
Boris Herrmann ist professioneller Segler. Er steuerte Greta Thunberg diesen Sommer zur UN-Vollversammlung nach New York – ihr Boot geriet in acht Stürme. Was er dabei über die junge Schwedin und den Klimawandel lernte, verrät der Schirmherr der Klimawoche in seiner Rede.

Boris Herrmann
Der Profisegler Boris Herrmann segelte Greta Thunberg emissionsfrei zum Klimagipfel nach New York.

17:30 – 19:30 | Filmdokumentation Meeresschutz ist Klimaschutz
Wenn wir die Meere retten, retten wir das Klima, sagt Hartmut Graßl, der erste deutsche Wissenschaftler im Weltklimarat. Warum eigentlich? Die Meeresschützer*innen von Sea Shepherd gehen das Thema in einer Film-Dokumentation an. Sie erzählen die Geschichte einer engagierter Schiffscrew und von der Überfischung der Meere. Der Regisseur ist vor Ort. Vier weitere Filme werden gezeigt.

20:00 – 22:00 | Mode Green Fashion Show
Auf dem Catwalk der Fair Fashion Show gibt es nur klimaverträgliche Klamotten und Accessoires. Modemacher*innen, Künstler*innen und Umweltschützer*innen reden über Alternativen zu Billigkleidern und darüber, wie Klimaschutz beim Shoppen klappt. Schick! 

Sonntag

10:00 – 12:00 | Vortrag Klima und Gerechtigkeit
Das Thema am Sonntagmorgen: Gerechtigkeit. Wenn der Meeresspiegel weiter steigt, drohen etwa die Fidschi-Inseln im Wasser zu versinken. Für das Jahr 2050 prognostiziert die Weltbank knapp 140 Millionen Klimaflüchtlinge. Auch in Deutschland wird es heißer und das Wetter extremer. Höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Rechtsanwältin Roda Verheyen vertritt drei Landwirtsfamilien, die die Bundesregierung verklagen, um einen besseren Klimaschutz zu erwirken. Sie berichtet von ihren Erfahrungen.

13:00 – 15:00 | Vortrag Schutz unserer Hochsee

16:00 – 18:00 | Vortrag Solarstrom in Hamburg
Der Meeresspiegel steigt und Hamburg ist in Gefahr. “Wenn wir nicht zwei Drittel des Stadtgebiets aufgeben wollen, müssen wir eine Schleuse bauen”, sagt Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Was das für die Wirtschaft bedeutet und wieso Kerstan jeden Bauherrn verpflichten will, Solarstrom zu nutzen, erfahrt ihr bei dieser Veranstaltung.

Alle Veranstaltungen sollen klimaneutral sein.

Ausblick FINK For Future

Die FINK.HAMBURG-Redaktion schaut genau hin und fragt nach: In den nächsten Tagen beschäftigen wir uns mit dem Ozean-Sonderbericht des Weltklimarats und dem Einfluss der Weltmeere auf das Klima. Wir zeigen in einem Video die Iglus und andere Schauplätze der Klimawoche und lassen ihre Protagonist*innen zu Wort kommen, wie Umweltsenator Jens Kerstan, Klimaforscher Hartmut Graßl und Segler Boris Hermann. Auch nach der Klimawoche bleibt der Klimawandel ein wichtiges Thema in der Redaktion und wir untersuchen, was Hamburger Entscheider*innen gegen ihn unternehmen.

Vorheriger ArtikelKennst du diese Film-Zitate?
Nächster ArtikelFilmfest Hamburg: Was bisher geschah
Für Tobias Bug, Jahrgang 1993, kann ein Fußballspiel nur dann ein Erfolg werden, wenn er den linken Schuh zuerst anzieht. Seinen eher unsportlichen Bachelorabschluss hat er an der TU München in Wirtschafsingenieurwesen gemacht. Nicht nur den ersten akademischen Erfolg verbindet er mit der bayerischen Hauptstadt: Beim Oktoberfest wurde er unschuldig für drei Stunden in Haft genommen. Journalistisch hat Tobias unter anderem bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ im Politik- und im Wirtschaftsressort gearbeitet. Beim Reisen lässt er sich gerne die Geschichten anderer Menschen erzählen, in Norwegen hat er eineinhalb Jahre gelebt. Am glücklichsten ist er, wenn er schreibt oder am DJ-Pult House auflegt. (tob)
Nikolas Baumgartner, Jahrgang 1993, ist ein Draufgänger. Selbst mit wütenden Büffeln hat er sich in Kalifornien bereits gemessen. Schon früh zog es ihn in die Welt: Nach dem Abitur tauschte er die Weinregion Hohenlohe für ein halbes Jahr gegen Australiens Ostküste. Seine GoPro-Aufnahmen von Kängurus oder Koalas inspirierten ihn zu einem Auslandssemester an der Universität in Long Beach, Steven Spielbergs Alma Mater. Die Sauna ersetzt die kalifornische Sonne in seiner Wahlheimat Hamburg, wo er nach seinem Medientechnik-Studium als Fotograf, Videoproduzent und Veranstaltungstechniker tätig ist. Gerne besucht er Musik- und Kulturveranstaltungen oder organisiert sein eigenes Open Air auf der Veddel. Er baut selbst Gemüse an und unterstützt mit seinem Verein "damnit e.V." Fairtrade. Kürzel: nik