Das Deutsche Kinderhilfswerk stellt Hamburg im Hinblick auf die Kinderrechte ein schlechtes Zeugnis aus. Rund ein Viertel der Kinder sei armutsgefährdet. Im Vergleich zu den anderen Bundesländern liege Hamburg im unteren Bereich. 

Am Mittwoch präsentierte das Deutsche Kinderhilfswerk das zentrale Ergebnis des Kinderrechte-Index 2019 für die Bundesrepublik Deutschland. Hamburg schneidet zusammen mit Hessen, Saarland und Sachsen-Anhalt unterdurchschnittlich ab. Nach der Studie seien rund ein Viertel der Kinder in Hamburg armutsgefährdet. Niedersachsen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz konnten in der Statistik glänzen.

„Wir hoffen sehr, dass Hamburg den Kinderrechte-Index zum Anlass nimmt, von den Stärken anderer Bundesländer zu lernen, die Verbesserungsbedarfe ihrer Kinder-und Jugendpolitik zu überprüfen und diese gezielt anzugehen“, sagt Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes. Derzeit leben in Deutschland rund 13,6 Millionen Kinder. Gemeint sind alle Personen unter 18 Jahren.

Der schlechteste Wert im Ländervergleich

In der Studie werden fünf Bereiche betrachtet: das Recht auf Beteiligung, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf unangemessenen Lebensstandard, das Recht auf Bildung und das Recht auf Ruhe und Freizeit, Spiel und Erholung. In vielen Bereichen gebe es in Hamburg großen Handlungsbedarf, etwa bei den Rechten auf Bildung, auf einen angemessenen Lebensstandard sowie auf Ruhe und Freizeit, Spiel und Erholung.

Laut der Studie sind Zuschüsse für Familienerholungsmaßnahmen notwendig und Kinder bewerten Rückzugsräume in der Pause und den Zustand von Toiletten an ihrer Schule im Ländervergleich im Durchschnitt am schlechtesten. Hamburg habe außerdem bei der wahrgenommenen Häufigkeit der Mitbestimmung von Kindern in der Schule den drittniedrigsten Wert.

Die Armutsgefährdungsquote für Hamburger Kinder liegt laut Studienergebnissen für das Jahr 2018 bei 25,4 Prozent. Das ist der zweithöchste Wert im Ländervergleich. Als arm gilt man in Deutschland dann, wenn das Einkommen nicht für den Erwerb aller lebensnotwendigen Ressourcen ausreicht.

In der Wahrnehmung bezüglich der Medienbildung im Unterricht habe Hamburg den schlechtesten Wert im Ländervergleich und gemessen an der Wirtschaftsleistung gebe Hamburg zu wenig Geld für die Kindertagesbetreuung aus. Außerdem habe Hamburg den dritt-niedrigsten Bekanntheitsgrad der Kinderrechte bei Kindern und Eltern. Zudem gebe es kein einkommensunabhängiges Nahverkehrsticket.

Gute Bewertung im Bereich Gesundheit

Nicht in allen Bereichen gibt es Grund zur Sorge. In Hamburg gebe es 11,5 Kinderärztinnen und Kinderärzte pro 100.000 Einwohner*innen in der vertragsärztlichen Versorgung. Im Ländervergleich sei dies der zweithöchste Wert.

Und auch die Digitalisierung im Gesundheitswesen werde in Hamburg vorangetrieben. Ab 2021 sollen bundesweit Diagnosen, Röntgenbilder und Rezepte digital erfasst werden und in die elektronische Krankenakte eingehen. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks startet für Hamburg eine entsprechende Initiative.

lr/dpa