Siegfried Lenz, Heidi Kabel und Gustaf Gründgens: Eine Kommission der Kulturbehörde soll Hamburger Straßennamen prüfen, die nach berühmten Personen benannt sind. Es geht dabei um die NS-Vergangenheit der Frauen und Männer.

In Hamburg sind rund 33 Prozent der Straßen nach berühmten Personen benannt. Jetzt will die Stadt bestimmte Straßen genauer überprüfen, die den von bekannten Frauen und Männern tragen. Dafür will die Kulturbehörde eine Kommission einsetzen, die untersucht, welche Rolle die Personen im Nationalsozialismus gespielt haben. Zuvor hatte NDR 90,3 darüber berichtet.

Mitläufer*innen werden stärker untersucht

“Während man früher nur auf große Verbrechen im Bereich des Nationalsozialismus geachtet hat, geht es jetzt auch zunehmend um die Frage, ob jemand weggeschaut oder sich nicht ausreichend engagiert hat”, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Demnach sollen beispielsweise auch Mitgliedschaften in der Hitlerjugend in den Fokus rücken.

Die Kommission soll im Laufe des Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Ziel sei es, gemeinsam Kriterien zu entwickeln, die über Benennung oder Umbenennung von Straßen entscheiden.

Anlass für die erneute Aufarbeitung ist eine Studie von 2018, die das Staatsarchiv in Auftrag gegeben hatte. Darin untersuchten Historiker*innen 60 Straßennamen in Hamburg. Erklärtes Ziel der Studie war “eine systematische Auswertung der unterschiedlichen Verstrickungen in das nationalsozialistische System”.

Hamburger Straßennamen: Prüfung von Lenz, Kabel und Gründgens

Innerhalb der Studie arbeiteten die Historiker*innen unter anderem die NS-Vergangenheit von Siegfried Lenz, Heidi Kabel und Gustaf Gründgens auf. Schauspielerin Kabel war in der NS-Frauenschaft, Schriftsteller Lenz in der Hitlerjugend. Schauspieler und Theaterintendant Gründgens war laut Studie zwar nie Parteimitglied oder teilte die Ideologie des NS-Regimes. In der Studie heißt es allerdings auch: “Er versuchte sich der expliziten ideologischen Vereinnahmung zu entziehen, konnte dies aber nicht vollständig durchhalten.”

mas/dpa

Titelbild: Kim Staudt

Max Schulte, Jahrgang 1993, steht auf komplexe Zusammenhänge. Seine Lieblingsserie ist “Mad Men” - trotzdem gendert er seine Texte und raucht nicht. Bei einem Besuch in Bologna entdeckte der gebürtige Hammer seine Vorliebe für ungewöhnliche Arrangements, als er die Eiscremesorten Erdnuss-Karamell mit Pistazie kombinierte. Dieser Neigung blieb er bei seinem Bachelor treu und studierte Journalismus und Unternehmenskommunikation in Köln. Nebenbei arbeitete er in der PR-Abteilung des psychologischen Marktforschungsinstituts Rheingold und pendelte für ein Praktikum bei der Deutschen Post DHL Group nach Bonn. Dort brachte er ITlerinnen und ITlern das Kommunizieren bei. Das Studium der Digitalen Kommunikation an der HAW Hamburg ist da doch nur logische Konsequenz.
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