Museen: ja, Clubs: nein – Die umfangreichen Lockerungen der Coronamaßnahmen kurbeln das Kulturangebot in Hamburg wieder an. Wir haben Menschen in Hamburg gefragt, wie sie mit dieser Situation umgehen.

Das kulturelle Leben in Hamburg hat sich seit der Ausbreitung des Coronavirus nur noch digital abgespielt. Am 13. Mai hat die Stadt nun Lockerung der Coronamaßnahmen beschlossen. Hafenrundfahrten oder der Besuch von Museen und Ausstellungen sind wieder erlaubt – allerdings unter Auflagen. Wie geht die Bevölkerung damit um? FINK.HAMBURG hat nachgefragt: Im Stadtpark wollten wir von Hamburger*innen wissen, wie sie zu den Lockerungen stehen und ob sie momentan Kulturangebote nutzen.
 
 

Ich warte lieber und starte dann durch

Philip Podoga aus Barmbek-Nord ist froh über die Lockerungen. Dennoch ist ihm etwas mulmig, wenn er sich jetzt wieder im Stadtpark mit seinen Kumpels trifft. Er überlegt, ob die Maßnahmen zu früh gelockert wurden. Deshalb nimmt er auch vorerst keine kulturellen Angebote in Hamburg wahr. Auch Livestreams von DJs und DJanes ersetzen für Philip keine Party im Club. Bis alle sich draußen bedenkenlos bewegen können, ist seine Devise: „Ich warte lieber noch und starte dann wieder richtig durch!“

 
 

Für die Kultur ist das eine Katastrophe

Gerlinde Mesenholl aus Wilhelmsburg und Monika Adelt aus Winterhude begrüßen die Lockerungen. Man müsse natürlich weiterhin vorsichtig sein. Bei ihrem Spaziergang durch den Hamburger Stadtpark halten die beiden deshalb noch Abstand. Einen Abstecher ins Museum vermeiden sie aber noch. „Es ist komisch, in Museen eine Maske aufzusetzen. Das ist dann nicht der gleiche Eindruck wie sonst“, sagt Monika. „Für die ganze Kultur ist das natürlich eine Katastrophe.“

 
 

Man sollte die Gefahr nicht unterschätzen 

Für Axel Zimmermann aus Winterhude kam die neue Freiheit ziemlich plötzlich. Natürlich wünsche man sich, dass schnell alles wieder beim Alten sei. Aber das Risiko eines erneuten Anstiegs der Corona-Fälle sollte man nicht unterschätzen. “Wenn da noch Gefahr besteht, dann dürfte es wieder explodieren”, sagt er. Hamburgs Kulturszene genießt er höchstens digital. Er empfiehlt das Online-Angebot der Elbphilharmonie. Im Prinzip habe er schon Interesse an digitalen Formaten. “Ich habe aber momentan anderes zu tun.”

 
 

Es ging alles so schnell

„Die Leute verlieren die Geduld und ich habe das Gefühl, dass das jetzt nur gemacht wird, weil die Menschen da sowieso nicht mehr mitspielen“, sagt Miri. „Niemand kann einschätzen, ob das jetzt das Richtige ist.“ Ihre Freundin Anni gibt ihr recht: „Es überrascht mich ein bisschen. Der Lockdown kam so schnell und dann war es so schnell wieder vorbei.“ Die Sorge, dass die Menschen zu übermütig werden, teilen die beiden. Ein Besuch im Autokino oder in einer Ausstellung könnten sich die Freundinnen aus Winterhude vorstellen. „Ich weiß nicht, ob man jetzt unbedingt in Restaurants gehen muss, nur weil man es so lange nicht gemacht hat“, sagt Miri.

 
 

Endlich ist in der Stadt wieder mehr los

Die gelockerten Coronamaßnahmen machen den Kumpels und Mitbewohnern Florian Hartz und Dean Mederake aus Farmsen wieder Hoffnung. Sie wollen als Straßenmusiker auftreten, „deswegen gefällt es uns schon, dass jetzt alles gelockert wird“, sagt Dean. Sorgen wegen des kursierenden Virus’ machen sich die beiden nicht. „Die Leute versuchen schon darauf zu achten, ihre Masken zu tragen und Abstand zu halten“, sagt Dean. Florian ergänzt: „In der Bahn trägt jetzt jeder eine Maske und das läuft alles.“ Kulturangebote haben die beiden seit den Lockerungen nicht genutzt. Vielmehr warten die Musiker darauf, ihren geplatzten Auftritt vom März bald nachholen zu können.


Fotos: Linda Proske, Sarah Seitz

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Bei einem Dreh schlug Profi-Boxer Axel Schulz die geballte Faust in ihre Kameralinse – während Sarah Seitz sie auf der Schulter trug. Trotzdem blieb sie der Medienbranche treu. In der Nähe von Winnenden in Baden-Württemberg wurde sie 1994 geboren, in Furtwangen im Schwarzwald studierte sie Online-Medien und arbeitete unter anderem für das Mitarbeiterfernsehen von Porsche in Stuttgart. 2018 zog Sarah nach Hamburg. Erste Großstadterfahrungen machte sie bei Spaziergängen mit Hund Siva im Park: „Hey“ flüstern nur Dealer, gegrüßt wird mit „Moin“. Sarah liebt Spinning zu Clubbeats und schlürft gerne Moscow Mule im Landgang auf St. Pauli. Auf die Entschuldigung von Axel Schulz wartet sie bis heute vergeblich.
Wenn sie etwas sagt, hören Schauspieler ganz genau zu: Linda Proske, Jahrgang 1995, rettet im Theaterverein regelmäßig als Souffleuse den Abend. Herausforderungen nimmt sie an: Eigentlich trainierte sie auf einen Halbmarathon, da waren die Startplätze allerdings vergeben. Daher lief sie gleich den Hamburger Marathon. Für ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaft zog sie von Rostock an der schönen Ostsee quer durch Deutschland in den Kessel nach Stuttgart. Mit einem Praktikum bei ProSiebenSat.1 erfüllte sich für Linda ein Kindheitstraum. Dort textete sie für „Galileo“ die Werbetrailer. Im Studio traf sie Bully Herbig, der grüßte sie zwar nicht, Thore Schölermann aber schon. Zurück im Norden schrieb sie Werbetexte für Kühne, „die mit den Gewürzgurken“. Die Unterscheidung zwischen Salat- und Gewürzgurken ist ihr daher besonders wichtig. Ihr Lieblingsdrink ist naheliegend: Gin Tonic. Kürzel: lip

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