Leere Cafés, geschlossene Geschäfte, abgesagte Veranstaltungen – und das über Wochen. Die Coronakrise hinterlässt bei vielen Unternehmen einen großen wirtschaftlichen Schaden. Doch nicht jede Firma leidet. Für manche wird die Krise zur Chance.

Entspannt durch die Quarantäne

Bei YogaEasy kann man unter mehr als eintausend Videos auswählen.
Bei YogaEasy kann man unter mehr als eintausend Videos auswählen. Foto: YogaEasy

Tantra-Yoga, Ashtanga oder Yin-Yoga ­– die Corona-Quarantäne ist offenbar die perfekte Gelegenheit, um all das zu testen. Das Hamburger Online-Yogastudio YogaEasy bietet bereits seit zehn Jahren Yogakurse fürs eigene Wohnzimmer an. Jetzt, zu Zeiten des Abstandhaltens, sind die Online-Kurse besonders gefragt.

„YogaEasy boomt, wir haben fünfmal so viele Neukunden wie sonst“, sagt Gründerin Henrike Fröchling. Das Unternehmen profitiert zwar von der Krise, engagiert sich aber auch für Yogastudios, die aufgrund der Corona-Maßnahmen schließen mussten und kein Online-Standbein haben. Für jeden neu registrierten Kunden werden unter #Yogamachtstark 16 Euro an ein in Not geratenes Yogastudio gespendet.

Nachfrageboom bei Frischepost

Frischepost liefert als Online-Hofladen direkt vom regionalen Bauern an die Haustür.
Die Gründerinnen von Frischepost: Jule Willing (links) und Eva Neugebauer. Foto: Frischepost

„Plötzlich ist die Nachfrage extrem hochgeschnellt“, sagt Jule Willing, Mitgründerin von Frischepost. Das junge Unternehmen erlebt durch die Coronakrise gerade eine Veränderung. Frischepost liefert  als „Online-Hofladen“ frische Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch oder Eier vom Bauernhof direkt an die Haustür. Das Motto: „Power to the Bauer.“

„Am Anfang fielen die Anfragen von Kitas und Firmen weg“, berichtet Willing. Die Bestellung von Privatkunden habe sich hingegen versechsfacht. Willing spricht von einem „Nachfrageboom“. Die Mitgründerin bezeichnet ihren Betrieb ungern als Gewinner der Coronakrise. Vielmehr betrachtet sie die Krise als Chance: „Der Konsument hinterfragt mehr: Wen will ich unterstützen? Wie schütze ich das Klima und die Umwelt?“ Das Frischepost-Team hofft, dass dieses Umdenken weiter anhält.

Zwar sei es anfangs nicht leicht gewesen, alle Sicherheitsmaßnahmen umzusetzen. Trotzdem blieben Lieferengpässe aus, obwohl die Nachfrage kurzfristig in die Höhe schoss. Vor allem, weil es sich bei den Produzenten um kleine Familienbetriebe aus der Region handele, „die nicht auf 100 Erntehelfer angewiesen sind“, sagt Willing.

Klopapier hamstern und Gutes tun

Goldeimer produziert recyceltes Klopapier und unterstützt weltweit sanitäre Projekte.
Das Goldeimer-Team produziert als soziales Unternehmen recyceltes Klopapier. Der Erlös fließt in weltweite Sanitärprojekte. Foto: Goldeimer

Davon, dass Klopapier in den Supermärkten ein knappes Gut war, profitierte das soziale Unternehmen Goldeimer. „Wir hatten im März einen ziemlichen Ansturm“, sagt Geschäftsführer Malte Schremmer. Goldeimer stellt recyceltes Toilettenpapier her und unterstützt mit den Erlösen weltweite Sanitärprojekte. Wer dieses Toilettenpapier kauft, hilft also beim Bau von Klos. Die Hamsterkäufe waren daher sogar gemeinnützig. Aber der Ansturm konnte nicht komplett abgefangen werden: „Seit April liegt kein Goldeimer Klopapier mehr in den meisten Supermarktregalen, da erst vergangenes Wochenende nachproduziert wurde“, sagt Schremmer.

Neben Toilettenpapier stellt Goldeimer auch Komposttoiletten für Festivals her. Hier muss das Team kreativ werden: „Durch den weggefallenen Festivalsommer werden wir uns in diesem Jahr vermehrt in Richtung Sanitärversorgung in Kleingärten konzentrieren“, sagt der Geschäftsführer. „Zudem versuchen wir, vorrangig digital für unsere gemeinnützigen Ziele zu trommeln.“

Kochtüte statt Supermarktgedränge

Eine Kochtüte für eine Person kostet zwischen 6,90€ und 7,90€.
Eine Kochtüte für eine Person kostet zwischen 6,90 Euro und 7,90 Euro. Foto: Chris Kochtüte

Eine Tüte mit Rezepten und allen Zutaten, die man für die Zubereitung benötigt: manchmal vegan, oft vegetarisch, gerne regional und vermehrt auch plastikfrei. 2015 hat Christoph Zettler begonnen, seine Kochtüten in U-Bahn-Stationen zu verkaufen. Heute kann man die Tüte an verschiedenen Abholstationen bekommen oder man lässt sie sich von Mitarbeiter Torsten mit dem Lastenrad bringen ­– der kommt auch bei Regen oder Sturm. Mit der Tüte spart man sich nicht nur die Planung des Abendessens, sondern auch den Einkauf im Supermarkt. Das ist wahrscheinlich auch einer der Gründe warum Chris‘ Kochtüte zurzeit besonders beliebt ist.

„Dass wir kontaktlos bis zur Haustüre liefern, kommt uns jetzt sogar entgegen“, sagt Zettler. Und über Aufträge kann er sich nicht beschweren: Ein Hamburger Unternehmen habe seinen Mitarbeiter*innen eine kleine Freunde im Home-Office machen wollen und gleich 1000 von Chris‘ Kochtüten bestellt.