Kinderzimmer statt Großraumbüro: Felix absolviert sein Praktikum im Homeoffice und ist dafür wieder zu seinen Eltern gezogen. Wie funktioniert das Arbeiten von zuhause, und wie geht er damit um?

Felix Ferk sitzt am Schreibtisch in seinem alten Kinderzimmer und bearbeitet eine Excel-Datei. Auf dem Schreibtisch liegen Kopfhörer und ein Taschenrechner. Ein Früchtetee zieht in einer weißen Tasse. An der Wand gegenüber dem Schreibtisch hängt ein selbstgebasteltes Plakat, das Freunde ihm nach seinem Auslandsaufenthalt in Australien geschenkt haben. Darauf steht in Großbuchstaben: „WELCOME HOME“. Das passt jetzt wieder: Denn eigentlich sollte Felix nicht am Schreibtisch im alten Kinderzimmer, sondern in einem Großraumbüro in Regensburg sitzen. Homeoffice wurde angeordnet – für einen Praktikanten nicht gerade dankbar.

Gestartet ist sein Praktikum bei dem Maschinenbauunternehmen Krones Anfang Februar. Das Unternehmen ist bekannt für seine Getränkeabfüllanlagen. In der Abteilung „Fabrikplanung“ lernt er, wie Fabriken neu entstehen oder modifiziert werden. Er arbeitet an Machbarkeits- und Konzeptstudien. Dabei findet er konkrete Lösungen für Fragen wie: „Ist es für den Kunden günstiger im Lager selbstfahrende Stapler für den Palettentransport einzusetzen oder lohnen sich eher händisch steuerbare Stapler?“

Sobald Felix über technische Hintergründe spricht, flammt Begeisterung bei ihm auf. Er erklärt gerne, umfassend und schlüssig. In seinem Maschinenbau-Studium an der HAW Hamburg kann er damit punkten. Es liegt in der Familie: Sein Großvater war Ingenieur, sein Vater ist Ingenieur, Felix wird Ingenieur.

Homeoffice in der Heimat

Knapp die Hälfte seines Praktikums konnte Felix im Büro bei Krones in Regensburg verbringen. Um die Gesundheit der Mitarbeiter zu schützen, ordnet das Unternehmen Homeoffice auf unbestimmte Zeit an. Alleine in Regensburg ohne einen wirklichen Bekanntenkreis beschließt Felix, zu seiner Familie nach Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein zu fahren.

Geschichten einer Krise
FINK.HAMBURG hat 24 Menschen gefragt, wie sich ihr Leben durch die Corona-Krise verändert hat. Geführt haben wir die Gespräche via Skype, Zoom, im engsten Bekanntenkreis, denn wir mussten Abstand halten. Herausgekommen sind dennoch Nahaufnahmen von Hebammen, Lehrkräften, Krankenpflegerinnen, Studierenden. Sie zeigen, wie herausfordernd das Virus für den beruflichen und privaten Alltag ist und wie Neuanfänge gelingen.

Hier ist Felix aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seitdem er 2016 ausgezogen ist -Australien, Hamburg und Hong Kong kann Felix als Stationen aufzählen- war er jedoch nie länger als drei Tage am Stück wieder in Bad Bramstedt. Wie ist es, auf einmal wieder für so lange Zeit wieder in der Heimat zu sein?

„Echt ungewohnt. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt. Objektiv ist es die beste Lösung. Hier habe ich zumindest ein wenig Kontakt und bin nicht ganz allein.“ Auch seine Schwester, ebenfalls Studentin in Hamburg, ist für die Krisenzeit wieder nach Bad Bramstedt gekommen.

Sport als Ausgleich

Auch wenn der enge Raum in der Ausnahmesituation durchaus Spannungen provoziert, schätzt Felix die Zeit in der Heimat. Besonders gefällt es ihm in diesen Tagen, gemeinsam mit seiner Familie Rennrad zu fahren. 2019 radelten sie sogar bei den Hamburger Cyclassics um die Wette. Auch für dieses Jahr hatten sie sich bereits angemeldet. „Das Rennen wäre mein sportliches Highlight dieses Jahr gewesen“, sagt Felix. „Schade, dass es ausfällt.“

Sport ist für Felix ein wichtiger Ausgleich. Ähnlich wie in der Universität ist er auch hier ehrgeizig. Würde er ansonsten auf dem Fußballplatz stehen, so geht er in diesen Tagen gerne laufen. Seine Zeiten schicken seine Fußballkollegen und er sich gegenseitig zu. „Kein Wettkampf, aber ein Ansporn“, wie er sagt. Ganz ohne Leistungsorientierung geht es bei Felix nicht.

Angst vor dem Corona-Virus?

Als sein Vater mit Corona-Verdacht im Bett liegt, muss die Familie noch enger zusammenrücken. Physisch wie psychisch. Die Doppelhaushälfte gibt zum Glück genug Platz her, um ausreichend Abstand zu halten. Nach dem negativen Testergebnis legt sich auch die aufgekommene Sorge und Ungewissheit.

Hast du Angst vor dem Virus, Felix? „Nein. Am Anfang dachte ich mir sogar, es wäre gut das Virus jetzt zu bekommen, um dann schnell eine Immunität aufzubauen.“ Diese Einstellung hat sich bei ihm nun etwas geändert. Fernsehbilder von Kühlcontainern vor Krankenhäusern in Italien hinterlassen auch bei ihm ein mulmiges Gefühl.

Vorfreude auf Normalität

Mittlerweile hat sich bei Felix in Bad Bramstedt ein Rhythmus eingestellt. Der Wecker klingelt um 6:30 Uhr. Nach einem kurzen Frühstück geht es an die Arbeit. Seine Kollegen geben sich große Mühe, das Praktikum auch von zuhause lehrreich zu gestalten. Aktuell arbeitet er an einem Excel-Tool, das schnellere Lösungen für die Lagertechnik berechnen soll.

Trotz der Vorzüge im Homeoffice freut Felix sich, wieder ins Büro in Regensburg zu kommen. Besonders die „kleinen Gespräche mit den Kollegen zwischendurch“ vermisst er. Da sein Praktikum bereits bald endet, wird er diese Gespräche dann in einer neuen Funktion führen. Wegen seiner guten Leistungen im Praktikum ermöglicht es ihm das Unternehmen, seine Bachelorarbeit dort zu verfassen.

Wenn diese Normalität wieder einkehrt und er das nächste Mal in Bad Bramstedt ist, wird in seinem Zimmer immer noch das Plakat mit der Aufschrift „WELCOME HOME“ hängen – wahrscheinlich wird Felix dann aber nur für ein Wochenende bleiben.

 

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Bennet Möller, Jahrgang 1995, stand schon mal im Finale einer Deutschen Meisterschaft – im Futsal, einer besonders schnellen Form des Hallenfußballs. Das war 2019, als Bennet noch mit dem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg beschäftigt war. Beim Unternehmen Jungheinrich, berühmt für seine Lagertechnik, arbeitete er in der Kommunikationsabteilung – er saß auch schon mal selbst auf einem Gabelstapler. Für das politische Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte er Veranstaltungen mit Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsleuten. Yuval Noah Hararis „Kurze Geschichte der Menschheit“ ist sein Lieblingssachbuch, und überhaupt liest er lieber, als Fernzusehen. Auch Fußball spielt er lieber selbst, als es auf einem Bildschirm zu verfolgen. Kürzel: bem

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