Corona-Warn-App wird auf dem Smartphone gezeigt
Foto: Chiara Schenk

In den ersten drei Wochen ist die Corona-Warn-App der Bundesregierung knapp 15 Millionen Mal heruntergeladen worden. FINK.HAMBURG hat nachgefragt: Wie geht die App mit Daten um und wie zufrieden sind die Hamburger*innen mit dem Dienst?

Seit dem 16. Juni 2020 ist die Corona-Warn-App der Bundesregierung kostenlos erhältlich. Sie soll im Kampf gegen das Corona-Virus helfen: Menschen, die Kontakt mit einer infizierten Person hatten, sollen frühzeitig über das Risiko einer Ansteckung informiert werden. Damit die App diese Information verlässlich liefern kann, werden von den jeweiligen Personen Daten benötigt. Das schreckte zuerst einige Bürger*innen ab.

Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit , Martin Schemm, versichert, dass die Daten geschützt sind. „Bei der Konzeption der Corona-Warn-App wurden Aspekte wie Datenschutz und Datensicherheit angemessen berücksichtigt“, sagt er. Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz sei von Anfang an am Entwicklungsprozess beteiligt gewesen. „Es wurde eine vollständig dezentrale App konzipiert und auf eine zentrale Speicherung von Daten verzichtet“, so Schemm.

Dr. Siegfried Pongratz, Abteilungsleiter Smarte Technologien und Industrie beim VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut, hat die App selber getestet. Er schätzt die App in Bezug auf Datenschutz als sicher ein und hat „keine Datenschutzbedenken“. Bei Facebook oder Google würden Nutzer*innen viel mehr Daten freigeben.

Doch wie funktioniert die Corona-Warn-App genau? Wir haben beim Bundespresseamt nachgefragt:

Die mit der App aufgefassten IDs werden mit anderen Geräten in der Nähe ausgetauscht und beinhalten keine Informationen zur Person, so die Behörde. Namen oder Telefonnummern, die eine Identifizierung möglich machen, würden nicht verarbeitet. Ein Standort werde durch die App ebenfalls nicht erfasst.

„Alle Daten – beispielsweise zu Begegnungen mit anderen Personen, die die App nutzen – werden verschlüsselt und ausschließlich auf dem eigenen Smartphone gespeichert“, so Sebastian Gülde, ein Sprecher des Bundespresseamtes gegenüber FINK.HAMBURG.

„Es werden kurzlebige Zufallscodes von anderen Smartphones, auf denen die App installiert ist, gespeichert, wenn dabei die epidemiologischen Kriterien des Robert Koch-Institut (RKI) nach Nähe und Dauer der Begegnung erfüllt sind. Im Falle einer Infektion können dann freiwillig die eigenen Zufallscodes freigegeben werden, welche es anderen App-Nutzer*innen erlauben, dass auf ihren Smartphones ihr Risiko berechnet wird“, so Gülde weiter.

Ein Datenaustausch fände ausschließlich mit staatlich betriebenen Servern statt, die zur Unterstützung der Corona-App eingerichtet wurden. Erfasste Daten auf den jeweiligen Geräten würden zudem nicht mit den Technologieunternehmen Google oder Apple geteilt, die die App zum Download bereitstellen.

„Weder die Bundesregierung, noch das Robert Koch-Institut, noch andere Personen, die die App nutzen oder die Betreiber der App-Stores können erkennen, ob diese selbst eine Ansteckung mit dem Corona-Virus melden oder ob Sie mit einer positiv getesteten Person Kontakt hatten“, so das Bundespresseamt.


„Ich hatte keinen Platz auf dem Handy“

FINK.HAMBURG hat in der Hamburger Innenstadt einmal nachgefragt, wie die Corona-Warn-App ankommt.


Alte Smartphones, keine App

Damit die Corona-Warn-App funktioniert, mussten die Betriebssysteme zunächst notwendige Schnittstellen schaffen. Die Unternehmen Apple und Google haben sich entschieden, diese mit einem Update des Betriebssystems zur Verfügung zu stellen. Die meisten der eingesetzten Smartphones erfüllten die technischen Voraussetzungen für die Corona-Warn-App, wie Gülde erklärt. „Nach Berechnungen des Bitkom e.V. können mehr als 50 Millionen Menschen in Deutschland die Corona-Warn-App installieren und problemlos nutzen“, sagte Gülde.

Doch einige Bürger*innen hatten Probleme beim Herunterladen, wie in unserer Umfrage bekannt wurde. Die meisten Smartphones erfüllen die technischen Vorraussetzungen, doch nicht jeder hat das neuste Betriebssystem auf dem Handy. Das stellt ein Problem dar. Nur wenn die App auch jeder herunterladen kann, ist sie erst effektiv.

„Die Bundesregierung hat die an der Corona-Warn-App beteiligten Unternehmen gebeten, auf technischer Ebene mit den Herstellern der Betriebssysteme gemeinsam zu prüfen, ob es weitergehende Möglichkeiten gibt, auch ältere Smartphones technisch einzubinden und ihnen die Schnittstelle zu öffnen. Diese Gespräche dauern noch an“, so Gülde.

Die App als eine Maßnahme von vielen

Die App basiert auf einem Freiwilligkeitsprinzip. Keiner ist oder kann gezwungen werden, sie zu benutzen. Dadurch lässt sich der Erfolg schwer bemessen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass bislang rund 300 Covid-19-Infektionen über die Corona-Warn-App gemeldet wurden. Das sagte der CDU-Politiker in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“. Spahn bezieht sich dabei auf die Zahl der Verschlüsselungscodes, die von der zugehörigen Telefon-Hotline ausgegeben wurden. „Mehr wissen wir aus Datenschutzgründen nicht“, so Spahn.

Die App soll vor allem helfen, eine zweite Infektionswelle zu verhindern. „Die App ist ein Werkzeug von vielen, um neue Ausbrüche einzudämmen. Sie ist kein Allheilmittel. Wir müssen trotzdem weiter aufeinander achtgeben, Abstand halten, Alltagsmaske tragen, Hygieneregeln einhalten“, so der Politiker

Titelbild: Chiara Schenk

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Aylin Ergin, Jahrgang 1996, packt regelmäßig die Fluglust - je länger die Strecke, desto besser. Australien wäre noch ein Traumziel. In den USA hat sie fast alle Staaten schon abgeklappert. Auch für die Ausbildung war sie dort und kam mit zwei Bachelorabschlüssen wieder zurück: einen in Broadcasting und einen in Communications. Beim hochschuleigenen TV- und Radiosender war sie unter anderem als Graphic Designer sowie in der Regie tätig und war Mitherausgeberin der Campuszeitung. Ist die Globetrotterin in ihrer Heimat Hamburg, zieht es sie an den Hafen, der Blick auf die Wellen inspiriert sie. Ihre Zukunft sieht Aylin in der PR-Abteilung eines internationalen Industrieunternehmens, am besten eines, das etwas mit Fliegen zu tun hat. Wo auch immer sie landet, Hauptsache ihr Schreibtisch ist aufgeräumt. Bei Chaos kann sie nicht arbeiten. Kürzel: erg
Obwohl Chiara Schenk, Jahrgang 1995, einen italienischen Vornamen hat, italienische Küche liebt und jedes Jahr mindestens einmal nach Italien reist, zog es sie nach dem Abitur aus ihrer Heimatstadt Reutlingen nach Down Under. In Australien versuchte sich Chiara zunächst als Au Pair, bewachte als „traffic controller“ dann aber nach kurzer Zeit schon lieber Verkehrsbaustellen als Kinder. Die Zusage für ihren Bachelor an der Filmuniversität Babelsberg ging auf dem Postweg verloren, und so erfuhr die angehende Rettungsschwimmerin erst drei Tage vor Semesterbeginn von ihrem Umzug nach Berlin. Die ersten Wochen verbrachte sie dann auf der Couch einer freundlichen älteren Dame. Später gab sie in Berlin Kindern Schwimmunterricht – sie hofft auf ähnlichen Bedarf in Hamburg. Kürzel: cis