Abstandsregeln und geschlossene Sportstätten: Während des Corona-Lockdowns suchten Sportvereine und Hobbysportler*innen nach Alternativen. Im Stadion Hammer Park haben viele diese Alternative gefunden sogar eine Weltmeisterin.

Die Abstandsregeln müssen auch beim Sport im Hammer Park Stadion eingehalten werden. Foto: Jonathan Schanz
Die Abstandsregeln müssen auch beim Sport im Hammer Park Stadion eingehalten werden. Foto: Jonathan Schanz

Am Eingang des Hammer Park Stadions müssen alle ihren Namen und ihre Telefonnummer hinterlegen, mit Absperrgittern und Pfeilen ist ein getrennter Ein- und Ausgang eingerichtet. Der Sportplatzwart empfängt die motivierten Sportler*innen und teilt ihnen freundlich aber bestimmend mit, auf welcher Bahn gelaufen werden darf. Bahn eins und drei sind für Vereinsgruppen reserviert, Bahn fünf und sieben privat Personen.

Das Stadion am Hammer Park ist eine der wenigen Freizeitanlagen, die aktuell für motivierte Sportler*innen geöffnet ist. Seit Mitte Mai können sich diese wieder im Leichtathletik-Stadion Hammer Park austoben. Handballteams der Hamburger Turnerschaft und des Turnerbund Hamburg-Eilbek trafen sich vor der Öffnung der Sporthallen zum Athletik-Training, Hobbyläufer*innen drehen auf der 400-Meter-Bahn ihre Runden. Bis zu 200 Personen kommen täglich auf die Anlage.

Karte Stadion Hammer Park

Der Hammer Park liegt fünf Kilometer östlich des Hamburger Zentrums – wie der Name schon sagt im Stadtteil Hamm. Das Stadion grenzt zur einen Seite an die Grünanlage des Hammer Parks, auf der anderen Seite steht eine große überdachte Tribüne. Auf den Bänken können 1000 Personen einen Platz finden, dahinter ist eine Straße mit Parkplätzen.

Weltmeisterin trainiert im Hammer Park Stadion

Eine Handballtruppe mit 16 Jungs zwischen 13 und 15 Jahren versammelt sich vor dem Stadion, der Trainer klärt mit dem Sportplatzwart ab, wo er mit seinen Jungs hin kann. Hintereinander mit ausreichend Abstand geht es ins Stadion, eine Läuferin lässt die Gruppe vor sich über die Bahn, dann setzt sie zum Sprint an. Scheinbar ohne große Anstrengung zieht sie die 100 Meter durch, trabt locker aus. Es ist Malaika Mihambo, die amtierende Weltmeisterin im Weitsprung. „Ich bin zu Besuch in Hamburg und möchte trotzdem trainieren, deshalb bin ich hier im Hammer Park“, erklärt die 26-Jährige und genießt die lockere Atmosphäre mit „den vielen Bäumen hier.“

Auf den Hammer Park kam Mihambo über den Bundestrainer der Herren. Deutschlands Sportlerin des Jahres 2019 durfte eine Stunde vor den restlichen Gästen auf die Anlage. Sie ist bei weitem nicht die erste Weltmeisterin auf der Hammer Bahn, bis 2003 trug die damalige LG Hammer Park das Leichtathletik-Abendmeeting aus. Dort traten zahlreiche nationale und internationale Stars, wie die Deutsche Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss oder der Sprinter Frankie Frederick aus Namibia an. Gerüchten zufolge sollen im Hammer Park auch schon zahlreiche Fußball-Bundesligisten ihr Abschlusstraining vor einem Duell mit dem Hamburger SV abgehalten haben.

Nur die Calisthenics-Anlage ist noch gesperrt

Nur jede zweite Bahn im Hammer Park Stadion darf benutzt werden. Foto: Jonathan Schanz
Nur jede zweite Tratanbahn im Hammer Park Stadion darf benutzt werden. Foto: Jonathan Schanz

Obwohl hier keine internationalen Wettkämpfe mehr ausgetragen werden, befindet sich die Anlage auch heute noch in einem fantastischen Zustand: Perfekt gezogene Linien und Markierungen, keine Löcher oder andere Hindernisse auf der roten Tartanbahn. Alle Leichtathletik-Disziplinen können im Hammer Park trainiert werden; neben einer Einstichstelle für den Stabhochsprung gibt einen Wassergraben für den 3000 Meter Hindernislauf und einen Wurfkäfig für den Hammer- und Diskuswurf. Ein weiteres Highlight für alle Hobbysportler*innen ist eine Calisthenics-Anlage. Sie ist in Nicht-Corona-Zeiten ein Magnet und zieht täglich rund 100 Leute an. Aktuell sind die Stangen und Geräte aber noch in rot-weißes-Absperrband gehüllt, die Benutzung dieser Sportgeräten ist aktuell noch nicht erlaubt. Calisthenics bedeutet „schöne Kraft“, das Training besteht fast ausschließlich aus Eigengewichtsübungen an den verschiedenen Geräten.

Dominik sprintet, Matthew (ganz links) schaut zu. Foto: Patrick Nägele
Dominik sprintet, Matthew (ganz links) schaut zu. Foto: Patrick Nägele

Die Calisthenics-Anlage vermissen auch Dominik und Matthew. Sie spielen American Football und halten sich im Hammer Park fit. „Das besondere hier im Hammer Park ist für mich die Umgebung und dass die Anlage immer so gut gewartet ist im Vergleich zu anderen Sportplätzen im Hamburg“, schwärmt Dominik. Er hat früher bei den Hamburg Huskies gespielt, für das kommende Semester hat er ein Football-Stipendium an der University of Massachusetts bekommen. Am amerikanischen College will er sich weiter verbessern, damit irgendwann sein Traum in Erfüllung geht: In der US-Profiliga NFL spielen. Sein Trainingspartner Matthew ist Quarterback bei den Huskies Juniors in der Nachwuchsbundesliga. „Ich bin auch öfter privat hier, normalerweise ist das Stadion ja rund um die Uhr offen“, erklärt er. Das Stadion Hammer Park ist auch die Heimspielstätte der Hamburg Huskies in der zweiten Bundesliga Nord. Auch die Fußballer von Hamm United tragen ihre Heimspiele in der Oberliga Hamburg hier aus.

Boxen im Stadion

Es sind die unterschiedlichen Sportler*innen und ausgeübten Sportarten, die das Stadion so lebendig machen: Da sind zum einen ambitionierten Athlet*innen, die ihre Matten und Sportgeräte von zu Hause mitbringen. In den neusten Sport-Outfits spulen sie zu motivierenden Bässen aus ihren Boxen ihr vorgeplantes Programm ab. Im Gegensatz dazu gibt es Läufer*innen, die einfach ihre Runden auf der Tartanbahn drehen – im 0815-Jogginganzug. Der Sport draußen an der frischen Luft verbindet sie alle. Endlich wieder sporteln, endlich wieder schwitzen.

Auch Okan und Soner sind zur Zeit regelmäßige Gäste im Hammer Stadion. Sie trainieren hier ihre Boxübungen. Okan schlägt immer wieder rhythmisch mit seinen Handschuhen auf die Pads von Soner. Ihre eigentliche Trainingsstätte ist geschlossen, hier im Freien sind beiden Freunde aber auch glücklich. „Wir sind definitiv nicht zum ersten Mal hier, die Klimmzugstangen nutzen wir häufig. Wir waren vor Corona schon oft im Stadion, jetzt sind wir noch öfter hier“, erzählt Okan. Soner begründet seine Motivation so: „Ich möchte mich bei der Polizei bewerben, dafür muss ich noch ein bisschen fitter werden. Hier ist die ideale Möglichkeit dazu.“

Auf der Tartanbahn des Stadions trainieren Okan (links) und Soner ihrer Boxtechnik. Foto: Patrick Nägele
Auf der Tartanbahn des Stadions trainieren Okan (links) und Soner ihrer Boxtechnik. Foto: Patrick Nägele

Im Stadion trainieren jung und alt zusammen

Vor allem aber sind Leichtathletik-Gruppen auf der Anlage. Madeleine und Ben trainieren Kinder und Jugendliche zwischen acht und 13 Jahren vom Turnerbund Hamburg-Eilbek. Endlich geht das Training wieder los, die Pause von rund zwei Monaten merkten die beiden den Kindern sofort an: „Alle waren sehr unfit, aber der Bewegungsdrang ist bei ihnen immer da“, erklärt Ben. Zwei Mal in der Woche trainieren sie hier. „Wir haben noch Corona-Regeln, müssen Abstand halten und können keine Spiele mit der Gruppe machen“, sagt Ben. „Aber wir sind natürlich froh, dass wir wieder auf die Anlage dürfen“, ergänzt Madeleine. Mittlerweile sind in Hamburg auch wieder Spielformen im Sport erlaubt.

Auch Kugelstoßen trainiert die Betriebssportgruppe im Stadion. Foto: Patrick Nägele
Auch Kugelstoßen trainiert die Betriebssportgruppe im Stadion. Foto: Patrick Nägele

Deutlich älter ist eine andere Gruppe: Sechs Senioren und eine Seniorin springen in die Weitsprunggrube, stoßen die Kugel und sprinten über die Tartanbahn. „Wenn alle da sind, ist unser Altersschnitt über 80 Jahre“, sagt ein Senior stolz. Die Sportbegeisterten haben sich damals bei den Hamburger Elektrizitätswerken (HEW) kennengelernt. Seit den 70er Jahren machen sie gemeinsam Leichtathletik, erklärt Heinz Reichel, der die Organisation der Gruppe übernommen hat. Damals waren sie mit über 60 Leuten im Hammer Park Stadion, aber schon seit Jahren sei niemand nachgekommen. Mittlerweile sind sie über den Energie SV Hamburg organisiert, ein Verein für Betriebssportgruppen. Der Jüngste in der Gruppe ist 75 Jahre, der Älteste 91. „Ich habe letztes Jahr zum fünfzigsten Mal das Sportabzeichen gemacht“, erzählt Herr Lüders.

Im Winter in der Halle – im Sommer im Stadion

Auf die Plätze, fertig, los: 50-m-Sprint zum Abschluss der Trainingseinheit im Stadion. Foto: Patrick Nägele
Auf die Plätze, fertig, los: 50-m-Sprint zum Abschluss der Trainingseinheit im Stadion. Foto: Patrick Nägele

Auch heute noch werden die Leistungen gemessen und notiert, neben dem Sportabzeichen wollen sie die Leichtathletik Mehrkampfnadel erreichen. „Deshalb habe ich auch zum Ende noch den Sprint gemacht“, so Reichel, „aber da habe ich die lange Pause gemerkt – das waren Welten zwischen letztem Jahr und diesem Jahr“. Normalerweise trainiert die Gruppe von April bis September im Hammer Park, im Winter sind sie in der Halle. Alle sind froh, wieder gemeinsam Sport zu treiben. Auch sie loben die Anlage in den höchsten Tönen.

Neben den Sportvereinen sind weitere Betriebssportgruppen auf der Anlage. Seit der Öffnung ist das Stadion für alle von Montag bis Donnerstag zwischen 16 und 20 Uhr geöffnet, seit den Lockerungen am 1. Juli darf man schon um 15 Uhr auf die Anlage. Freitags ist das Stadion für die Hamburger Berufsfeuerwehr reserviert und für alle anderen geschlossen. Dafür ist samstags von 11 bis 14 Uhr die Bahn für alle frei. Eine Viertelstunde vor Schluss kündigt der Sportplatzwart das Ende an, fünf Minuten später kommt nochmals eine freundliche Aufforderung. Die Sportler*innen gehen erschöpft zum Ausgang. Die meisten haben ein strahlendes Gesicht, sind glücklich über das geschaffte Training und die Möglichkeit, endlich wieder zu sporteln. Dazu im Freien auf einer perfekt gewarteten Anlage im Grünen.

Titelbild: Jonathan Schanz

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