Von faul bis fragwürdig: Die USA haben die wohl ungewöhnlichsten Wahlwerbespots weltweit. FINK.HAMBURG hat für euch die lustigsten, patriotischen und merkwürdigsten Werbespots zur US-Wahl gesammelt.

Warum haben die USA so verrückte Wahlwerbespots?

In den USA gibt es, wie auch in Deutschland, Vorschriften und Auflagen für Wahlwerbung. Allerdings ist es seit dem Urteil des Obersten Gerichtshofes im Fall “Citizens United v Federal Election Commission” im Jahr 2010 für Privatleute und Konzerne erlaubt, unbegrenzt Gelder in den Wahlkampf pumpen.

Nicht nur, dass Lobbyisten hier häufig versuchen, mit Spenden das Wahlprogramm der Kandidat*innen zu beeinflussen: Die Ausgaben für den Wahlkampf sind seitdem explodiert. Knapp 14 Milliarden US-Dollar wurden im Jahr 2020 in den Wahlkampf um das weiße Haus sowie um den Kongress gesteckt – ein neuer Rekord. Damit wurden natürlich auch viele Wahlwerbespots finanziert, die teils unterschiedlicher nicht sein könnten, häufig aber in eine bestimmte Kategorie fallen. FINK.HAMBURG hat stellt hier einige der skurrilsten Spots vor – sowohl von dieser Wahl als auch von vergangenen Wahlperioden.

1. Der Klassiker

Joe Exotic ist Vielen ein Begriff, auch wenn er es damals verpasst hat, Gouverneur in Oklahoma zu werden. Der waffenliebende Amerikaner hat durch die Netflix Dokutainment-Show „Tiger King“ Bekanntheit erlangt. In der Serie präsentiert er seine Tiger, seine Männer, aber auch seine Liebe zur Selbstbestimmung. Mittlerweile ist Joseph Allen Maldonado-Passage, so sein richtiger Name, zu 22 Jahren Haft verurteilt worden. Er soll jemanden engagiert haben, um seine Erzfeindin Carole Baskin zu ermorden.

2. Latinos for Trump 

Die Stimmen der Latinx-Bevölkerung haben die Wahl zugunsten Donald Trumps im Bundesstaat Florida entschieden. Vor allem Amerikaner*innen mit kubanischen Wurzeln ließen sich von seiner Wahlwerbung beeinflussen, in denen er den moderaten Joe Biden als trojanisches Pferd für die sozialistischen Strömungen seiner Partei bezeichnete. Immerhin war die radikale Auslegung der sozialistischen Idee in Kuba für Viele ein Grund, warum sie oder ihre Eltern ihre ursprüngliche Heimat verlassen mussten. Doch Trump hatte auch Wahlwerbespots für die Latinx-Community im Programm, in denen weniger Angst und mehr gute Laune verbreitet wird. In diesem Clip, der das vermeintliche lateinamerikanische Lebensgefühl zeigt, taucht Trump selbst nur kurz auf. Genau dieser Moment bleibt im Gedächtnis, beweist der sonst eher steife Präsident hier dank cleverer Schnitttechnik doch plötzlich Rhythmusgefühl.

3. Die Faulen

Den Trump- und Biden-Kampagnen gelang es, jeweils knapp eine Milliarde US-Dollar an Spendengeldern zu sammeln. Auch wenn natürlich nur einen Bruchteil des Geldes in die Produktion der Wahlwerbespots gesteckt wurde, sollten die Spots einem gewissen Qualitätsanspruch gerecht werden, oder? Zumindest diese beiden Spots erwecken hier nicht den Eindruck einer aufwändigen Produktion. In Trumps Spot zu Ehren des Nationalfeiertags scheint man Material seiner diesjährigen Rede vor dem Mount Rushmore ganz einfach mit Stock-Footage zusammengeschnitten zu haben. 

Für Joe Bidens Clip, der während der „World Series“ lief, hat man immerhin Hollywood-Schauspieler Sam Elliott als Sprecher engagiert. Knapp 4 Millionen Dollar soll der einminüntige Clip gekostet haben. Obwohl der Spot durchaus hochwertig aussieht, hat man auch typisch amerikanische Stock-Aufnahmen mit Material aus Bidens vergangenen öffentlichen Auftritten zusammengeschnitten. Innovativ geht anders.

4. Die fragwürdige Methode

Fröhliche generische Musik im Hintergrund, mit Hund an der Leine und Kind im Kinderwagen, während man nebenbei erzählt, was man dem Mörder seiner Schwester antun möchte. So wollte der in Iowa ansässige Bob Quast die Wähler*innen 2014 überzeugen in den Senat gewählt zu werden. Seine Hauptmotivation anzutreten schien zu sein, dafür zu sorgen, dass Bruce Braley, ein damals amtierende Senator in Iowa, aus dem Amt geholt wird. Zuvor hatte Quast versucht ein Gesetz durchzusetzen, welches es bis auf lebenslang strafbar macht, nach einem Mord in einen anderen Bundesstaat zu flüchten – ohne Erfolg. Dieses Gesetz sollte ‚Lynettes Law‘ heißen und an seine von ihrem Ehemann ermordete Schwester erinnern.

5. Patriotismus extrem

„America First“ und „Make America Great Again” sind Trumps berühmteste Wahlslogans. Patriotismus spielt auch in seinen Spots eine große Rolle. Doch auch, wenn Joe Bidens Rhetorik bei öffentlichen Reden über die Vereinten Staaten weniger brachial wirkt: Auch er feiert in seiner Wahlwerbung die Vereinigten Staaten und den Patriotismus. In diesem Clip besonders das Militär. Obwohl Biden selbst vom Militärdienst freigestellt wurde, dienten seine beiden Söhne Beau und Hunter. Da Hunter Biden aufgrund eines positiven Drogentests aus seinem Dienst entlassen wurde (und deswegen von Donald Trump öffentlich diskreditiert wird) konzentriert sich dieser Clip auf Bidens Erstgeborenen, den 2015 an Krebs verstorbenen Beau. Ebenfalls präsent sind Bidens Truppenbesuche aus seiner Zeit als Obamas Vizepräsident.

6. Attack Ads

Ein sehr beliebtes Format für Wahlwerbespots in den Vereinigten Staaten sind die sogenannten „Attack Ads“. Hierbei verkauft man sich nicht selbst als guten Kandidaten, sondern liefert den Wähler*innen vor allem gute Gründe den eigenen Rivalen nicht zu wählen. In den USA müssen sich nicht nur Politiker einer Wahl stellen, sondern in vielen Staaten auch Richter und Staatsanwälte, manchmal sogar unter Angabe einer parteilichen Zugehörigkeit auf dem Stimmzettel. Dies ist auch einer der Gründe, warum diese Ämter in den USA stärker politisiert sind als hier und weshalb die Unabhängigkeit von Richtern dort häufig in Frage gestellt wird.

7. Guter Inhalt, schlecht verpackt

Die Intentionen des demokratischen Kandidaten Dan Helmer mögen nobel gewesen sein: In seinem Wahlwerbespot für die Midterm-Wahlen 2018 kritisiert er seine republikanische Konkurrentin Barbara Comstock dafür, dass sie keine „Town Halls“ für ihre Wähler*innen mehr abhält. Town Halls sind kleine öffentliche Versammlungen – meistens im Rathaus – bei der sich die Repräsentanten regelmäßig den Fragen und der Kritik ihrer Wähler*innen stellen. In einer Parodie des Tom-Cruise-Films „Top Gun“ singt Helmer eine umgedichtete Version des Songs „You’ve Lost That LovinFeelin“ für die Abgeordnete, die in dem Spot durch ein Stand-in vertreten ist. Was folgt ist Late-Night-Host Stephen Colbert kürte den Spot zur schlechtesten Wahlwerbung aller Kampagnen im Jahr 2018.

8. Der Vorreiter

Der Wahlwerbespot aus dem Jahr 1964 für den Kandidaten Lyndon B. Johnson hatte damals schon für Wirbel gesorgt; anscheinend war die Strategie erfolgreich, denn Johnson wurde zum 36. Präsidenten der USA gewählt. Damals waren die Spots eher nüchtern mit Informationen und Debatten gefüllt – dieser Spot hingegen spielte mit Emotionen und mit der Angst vor Atomwaffen.