Anlässlich der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung mehrere Videos mit dem Hashtag #besondereHelden geteilt. Das Ziel: Vermitteln, wie wichtig es gerade ist, zu Hause zu bleiben. Über die Videos wird heftig diskutiert. Dabei ist die Message eigentlich simpel.

Ein älterer Herr sitzt auf einem Stuhl, zeitlich ist die Szene etwa in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts zu verorten. Er erzählt von seinem Studentendasein während der Corona-Pandemie. Der Mann berichtet darüber, dass er ganz leicht zum Helden wurde einfach, indem er faul auf der Couch liegen durfte. Das ist eines der Videos der Bundesregierung die derzeit für Aufruhr in der Twittergemeinschaft sorgen. 

Zugegeben: Die heroische Musik unter dem Video ist etwas viel, diesen Humor muss nicht jede*r teilen. Dass die Bundesregierung manchmal fragwürdige Projekte umsetzt und in den sozialen Medien teilt, hat die Vergangenheit mit #Ehrenpflegas gezeigt.

Diese Corona-Videos sind an sich aber gut gemacht. Und die Message dahinter (eigentlich) klar: Ihr jungen Leute, bleibt verdammt nochmal zu Hause! Das sehen viele aber anders. Twitteruser*innen diskutieren heftig, die Meinungen schwanken zwischen “gute Arbeit” und “Sagt mal, habt ihr sie noch alle?!”.

Die Message ist klar

Unter den Videos häufen sich Nutzer*innen, die sich über den Spot aufregen. Denn er bilde nicht den Alltag ab. Was gefordert wird, sei unrealistisch, denn viele können nicht „nur faul rumliegen“. Dabei wird einfach – mal wieder – viel zu viel reininterpretiert. 

Es geht mit einehumoristischen Unterton um die Freizeitgestaltung junger Menschen. Den Pfleger*innen wird nicht ihre Wichtigkeit und Müttern und Vätern wird nicht die Belastung durch Homeschooling und Co. abgesprochen. Die Message ist schlicht und einfach: Die meisten von uns, gerade die jüngere Generation, können etwas für die Gesellschaft tun, indem sie nichts tun.

Dass viele mit Existenzängsten und einer hohen psychischen Belastung zu kämpfen haben, ist schrecklich, aber eine ganz andere Baustelle. Trotzdem  müssen wir unseren Part übernehmen. Denn nicht die Regierung überträgt das Virus, das sorgt auch nicht alleine für seine Verbreitung. Wir alle sind potenzielle Überträger.

Anders gesagt: Wir haben es in der Hand. Wir können dafür sorgen, dass die Zahlen nicht noch weiter ansteigen. Und dass wir nicht noch länger als nötig unseren Liebsten fernbleiben müssen.  

Nicht meckern, sondern einfach mal zu Hause bleiben

Und ja, in so einem kurzen Video muss verallgemeinert und zugespitzt werden. Es kann nicht jede (Berufs-)gruppe einzeln aufgelistet werden, die nicht zu Hause bleiben kann. Richtig ist auch: In vielen Bereichen, wie der Pflege oder bei den Künstler*innen, muss die Regierung definitiv noch nachbessern. Aber es gibt genug Beispiele, die zeigen, dass dieser Appell notwendig ist, auch in Hamburg. Die Querdenken-Demo am Jungfernstieg etwa, aber auch illegale Partys, sei es auf dem Kiez oder in Privatwohnungen.

Klar, es muss erlaubt sein, über Auflagen und deren Sinnhaftigkeit zu diskutieren. Aber es muss allen auch klar sein: Jede*r Einzelne, der oder die momentan keine Verantwortung mitträgt und sich aus Trotz gegen Auflagen wehrt, sorgt dafür, dass die Gesellschaft als Ganzes die Konsequenzen länger trägt.

Und dabei geht es nicht darum, sich vollkommen abzuschotten. Aber jede*r muss sich fragen: Ist der Spaziergang um die volle Alster gerade wirklich nötig? Ist es angebracht, jede*n Bekannte*n zu umarmen? Oder doch noch heimlich eine Party zu feiern? Wer sich das herausnimmt, tut das auf Kosten aller. Und gerade jetzt ist Solidariät wichtiger denn je.

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