Wegen Corona findet der Unistart im Wintersemester vor allem digital statt. Wir haben Erstsemesterstudierende an der HAW Hamburg gefragt, wie sie den Studienstart erlebt haben.

Neue Stadt, neue Uni, neue Leute: Das bedeutet eigentlich auch gemeinsame Vorlesungen und Seminare, Barabende und Campusrallys. Vieles davon ist wegen der Pandemie momentan nicht möglich. Unistart im Wintersemester 2020/21 heißt, meist digital unterwegs zu sein.

An der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) gibt es immerhin eine Mischung aus digitaler und Präsenzlehre. Zum Semesterstart begrüßte der Präsident der HAW, Prof. Dr. Micha Teuscher, die Erstsemesterstudierenden per Videoansprache. Darin sagte er: „Wir werden die Laborveranstaltungen und Kleinstgruppenveranstaltungen, das was für uns als Angewandte Hochschule wichtig ist, aufrecht erhalten.“ Er bat eindringlich darum, dass sich alle an die Hygieneregeln halten, um gemeinsam und gesund durch die Krise zu kommen – so wie im letzten Semester auch.

Doch wie erlebt man den Studienstart, wenn man vorher noch nie in einem Hörsaal saß? Wir haben Erstsemesterstudierende zu ihrem Start an der HAW befragt:

„Ohne meine Mitbewohner würde ich es hier nicht aushalten“

Küchentisch statt Hörsaal – um an den Vorlesungen teilzunehmen, muss Christoph Major nicht mehr in die Uni fahren. Er darf es aber auch gar nicht: Sein Studiengang „Hazard Control“ wurde nämlich erstmal komplett auf digitale Lehre umgestellt.

Eigentlich sollten – trotz Corona – auch Präsenzveranstaltungen angeboten werden. Das wurde jedoch kurzfristig gekippt. „Das ist sehr ärgerlich, da ich knapp drei Monate eine Wohnung in Hamburg gesucht habe und sie nun gar nicht brauche“, sagt Christoph, der für das Studium von Bayern nach Hamburg gezogen ist.

Soziale Kontakte hat er in Hamburg noch wenige. Durch die Orientierungswoche habe er zwar Kontakte finden können, „ohne meine zwei Mitbewohner würde ich es hier aber nicht aushalten“, sagt er. Hätte er vorher gewusst, dass er digital studieren wird, wäre er wohl gar nicht umgezogen.

Dennoch findet er auch positive Worte. Im Studiengang habe er sich beispielsweise gut organisieren können und die Orientierungseinheit sei ebenfalls sehr gut strukturiert gewesen. Auch der Spaß bleibt nicht ganz auf der Strecke. In einem großen digitalen Kennenlernabend konnte er an vielen Veranstaltungen teilnehmen – von Botanik bis zu Trinkspielen war alles dabei.

„Die Orientierungswoche war sehr gut strukturiert“

Von diesem digitalen Get-together berichtet auch Kevin Janzen sehr positiv: Teilweise sei es sogar bis drei Uhr nachts gegangen. Auch er hat sich seine Orientierungswoche anders vorgestellt, ist aber dennoch zufrieden. „Es war wirklich toll: gut organisiert, strukturiert und auch lustig.“

Kevin studiert im ersten Semester Umwelttechnik an der HAW Hamburg, momentan rein digital. Für das Studium fühlt er sich durch die Orientierungseinheit gut vorbereitet: „Ich hatte immer die Gelegenheit, jemanden zu fragen und habe mich nie alleingelassen gefühlt.“

Das bestätigt auch Dorsa Askari. Dorsa hat nach ihrem Abitur in Hamburg ihr Studium der Medizintechnik begonnen und sagt „Ich bin sehr gut durch die Tutoren informiert worden und dafür sehr dankbar.“ Bei ihr werden auch einige Kurse in Präsenz angeboten. Insgesamt lief der Unistart gut für sie, auch wenn es mit größeren Präsenzphasen natürlich „viel schöner“ gewesen wäre.

„Was wäre ein Studienbeginn ohne eine leichte Überforderung“

Annika Ulmer studiert im ersten Semester Soziale Arbeit an der HAW. Dass die Orientierungstage trotz Corona an der Hochschule stattfinden konnten, hat sie überrascht: „Es war mehr als ich erhofft habe. Ich fühle mich gut vorbereitet und unsere Tutor*innen haben sich wirklich Mühe gegeben.“

Auf ihrem Stundenplan stehen vor allem digitale Lehrveranstaltungen. Einmal die Woche wird es jedoch einen Präsenztag geben, um an Projekten zu arbeiten. „Das ist super schön, wenigstens ab und zu die Menschen zu sehen, die sonst nur in kleinen Kacheln auf dem PC sichtbar sind“, sagt sie. Anfangs hatte Annika angenommen, dass es schwer werden würde, Kontakte zu knüpfen. Doch dank der Präsenzveranstaltungen erkenne man die Gesichter aus den digitalen Veranstaltungen schnell wieder und käme ins Gespräch.

Trotz des guten Einstiegs fühlt sie sich manchmal leicht verloren und überfordert. Extra Angebote wie eine Sprechstunde nach den Seminaren geben ihr dann Sicherheit. Sie sieht es pragmatisch. „Was wäre der Studienbeginn ohne leichte Überforderung?“

Die FINK.HAMBURG Redaktion wünscht allen Erstsemesterstudierenden einen guten Start ins Studium. Gemeinsam meistern wir dieses herausfordernde Semester – mental und digital!

Titelbild: Tim Hoppe

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Es gibt keine Zeile im Film „My Fair Lady“, die Aniko Schusterius, Jahrgang 1996, nicht fehlerfrei mitsprechen kann. Trotz dieses Talents, zehn Jahren Gesangsunterricht und ihres großen Interesses für Musicals hat sich die Berlinerin letztlich gegen eine Bühnen-Karriere entschieden. Nach dem Abitur arbeitete sie als Regie- und Produktionsassistentin in verschiedenen Kindertheatern. Dort musste sie unter anderem lernen, dass Luftballons auf einem Straßenfest eine hochkomplexe bürokratische Hürde darstellen können. Während ihres Bachelors in Theaterwissenschaften und Niederlandistik lebte sie ein halbes Jahr in Groningen. Dort fühlte sie sich wegen des entspannten Lifestyles wohl, und auch, weil sie mit ihren 1,82 Meter das erste Mal nicht auffiel. Für die „Berliner Zeitung“ veröffentlichte sie erste Kolumnen. Auch mit Radio kennt sie sich aus: An der „Frankfurter Hörfunkschule“ lernte sie texten und einsprechen. Vor dem Start an der HAW sammelte Aniko noch mehr Medien-Erfahrung durch Praktika bei „Radioeins“ und beim Fernsehkanal der „Welt“ in Berlin. Dort lauerte sie auch schon mal frühmorgens vor einem Hotel, um Gesundheitsminister Jens Spahn einen O-Ton zu entlocken. Kürzel: ans
Bennet Möller, Jahrgang 1995, stand schon mal im Finale einer Deutschen Meisterschaft – im Futsal, einer besonders schnellen Form des Hallenfußballs. Das war 2019, als Bennet noch mit dem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg beschäftigt war. Beim Unternehmen Jungheinrich, berühmt für seine Lagertechnik, arbeitete er in der Kommunikationsabteilung – er saß auch schon mal selbst auf einem Gabelstapler. Für das politische Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte er Veranstaltungen mit Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsleuten. Yuval Noah Hararis „Kurze Geschichte der Menschheit“ ist sein Lieblingssachbuch, und überhaupt liest er lieber, als Fernzusehen. Auch Fußball spielt er lieber selbst, als es auf einem Bildschirm zu verfolgen. Kürzel: bem

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