Ein besonderes Semester an der HAW Hamburg geht zu Ende – für Studierende hieß es zumeist Homeoffice statt Hörsaal. FINK.HAMBURG blickt zurück: Wie lief die digitale Umstellung? Welche Probleme und Chancen gab es?

Studienbeginner*innen hatten exakt eine Woche lang Zeit, um ihre neuen Mitstudierenden in der Universität kennenzulernen – danach mussten sie erst einmal von zu Hause aus studieren. Um den steigenden Infektionszahlen entgegenzuwirken, schloss die HAW Hamburg am 16. März 2020 ihre Türen und stellte auf Homeoffice um. Lehrveranstaltungen mussten sich in kürzester Zeit neu erfinden. Dazu gehörte auch die Umstellung vom Präsenzunterricht auf digitale Lehre. 

Rund 17.000 Studierende und 1.300 hauptamtlich Beschäftigte mussten daraufhin ihren Alltag umstrukturieren. Das warf Probleme auf, bot aber auch Chancen. Wir blicken zurück: Was ist im digitalen Semester passiert? 

Sich vor die Kamera setzen? Mittlerweile Alltag

Die Vizepräsidentin der HAW Hamburg, Prof. Dr. Monika Bessenrodt-Weberpals, ist mit der Umstellung zufrieden: „Die kurzfristige Umstellung auf digitale Lehre hat viel besser geklappt, als ich das zu Beginn eingeschätzt hatte“, sagt sie zu FINK.HAMBURG.

Studierende und Lehrende haben sich schnell an die neue Situation gewöhnt. Sich vor die Kamera zu setzen, gehört mittlerweile zum Alltag. Das geht aber natürlich nur, wenn es im Haushalt auch einen Computer gibt, der das zulässt.

Die Pandemie hat Missstände aufgezeigt: Im Bildungswesen ist vor allem die soziale Ungleichheit zum Vorschein gekommen. Eine ruhige Arbeitsumgebung, schnelles Internet und gute Computer sind keine Selbstverständlichkeit. Auch die Bibliotheken als möglicher Arbeitsplatz fielen weg. Ein Ausleihbetrieb war zwar über das Semester eingeschränkt möglich, Arbeitsplätze in den Bibliotheken dürfen aber erst seit dem 1. Juli in begrenzter Kapazität wieder besetzt werden.

Mit Mund-Nasen-Schutz in die HAW Hamburg

In dieser Phase des nahezu vollständigen Lockdowns bezog der ASTA bereits Stellung und kritisierte, dass „digitale Alternativen ein Semester mit Anwesenheit nicht ersetzen können“. Finanziell schlechter gestellte Student*innen würden durch die digitale Lehre massiv benachteiligt werden. Auch Prof. Dr. Bessenrodt-Weberpals sieht Grenzen der digitalen Lehre. Man habe die intensive Interaktion in Präsenz vermisst.

Seit dem 18. Mai dürfen Studierende wieder in die Uni. Mund-Nasen-Schutz, weniger Studierende in den Veranstaltungen, Hände desinfizieren und Abstand gehören allerdings ab jetzt zum Alltag. Schilder an den Türen zeigen, wie viele Personen sich gleichzeitig in den jeweiligen Räumen aufhalten dürfen. Praxisorientierte Fächer können Studios und Labore wieder nutzen.

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Foto: Bennet Möller

Prüfungen auch in der Mensa

Auch die Frage, wie Prüfungen mit Abstand realisiert werden können, war lange offen. Onlineprüfungen wurden diskutiert, alternative Prüfungsformen wie Hausarbeiten oder mündliche Prüfungen vermehrt durchgeführt. Präsenzprüfungen fanden in der zweiten Semesterhälfte unter Gewährleistung des Mindestabstands wieder statt – wenn nötig, auch mal in der Mensa.

Die Pandemie wirkt sich auch auf das Wintersemester aus: Dieses verschiebt sich nach hinten. Erstsemester starten erst am 2. November ins Studium. Grund dafür sind die verspäteten Abiturprüfungen. Für höhere Semester startet der Lehrbetrieb bereits früher. Am 12. Oktober soll die Vorlesungszeit wieder starten. Gelehrt und gelernt werden soll dabei mit stärkerem Fokus auf Präsenzlehre, so das die Pandemie zulässt, ergänzt durch digitale Angebote.

„Mir ist wichtig, dass wir dieses Semester nicht einfach abhaken“

Prof. Dr. Bessenrodt-Weberpals zeigt sich denoch zufrieden: „Insgesamt bin ich auf die Leistungen unserer Lehrenden, der Beschäftigten in Forschung, Verwaltung und Management und der Studierenden in diesem Semester sehr stolz.“ Durch eine hochschulweite Befragung erhofft sie sich, dass die Hochschule „dieses Semester nicht einfach abhakt“, sondern sich dort weiterentwickelt und verbessert, wo es nötig ist.

Wie wir als Magazin FINK.HAMBURG das digitale Semester erlebt haben, erfahrt ihr in unserem Podcast.

Titelbild: Maximilian Kaiser

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Luisa Werntges, Jahrgang 1994, ist abgefahren. Einmal sogar versehentlich nach Luxemburg, statt nach Frankfurt in die Luxemburger Allee. Halb so wild - sie ist gerne unterwegs. Vor allem auf Konzerten, am liebsten Indie, aber auch der Eurovision Song Contest begeistert sie. Auf Sri Lanka hat sie am Goethe-Institut Deutsch unterrichtet. Zwischen Rhein und Ruhr fühlt sich die gebürtige Essenerin so richtig wohl, vor allem im familieneigenen Café “Werntges Traumtorten”. Studiert hat Luisa English Studies und Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Beim WDR war sie für den Teletext, die Website und Instagram verantwortlich und in Bonn hat sie das Campus TV mit gegründet. In ihrer Freizeit steht Luisa gern vor der Kamera: als Statistin bei Netflix für “How to sell drugs online (fast)”. Kürzel: luw
Bennet Möller, Jahrgang 1995, stand schon mal im Finale einer Deutschen Meisterschaft – im Futsal, einer besonders schnellen Form des Hallenfußballs. Das war 2019, als Bennet noch mit dem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg beschäftigt war. Beim Unternehmen Jungheinrich, berühmt für seine Lagertechnik, arbeitete er in der Kommunikationsabteilung – er saß auch schon mal selbst auf einem Gabelstapler. Für das politische Bildungsforum der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte er Veranstaltungen mit Politikern, Wissenschaftlern und Wirtschaftsleuten. Yuval Noah Hararis „Kurze Geschichte der Menschheit“ ist sein Lieblingssachbuch, und überhaupt liest er lieber, als Fernzusehen. Auch Fußball spielt er lieber selbst, als es auf einem Bildschirm zu verfolgen. Kürzel: bem

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