Kaufen aus zweiter Hand ist gut fürs Bank- und Karmakonto. Warum? Das erfahrt ihr in Teil zwei der Reihe „Karma-Shopping“. Und wo? Der FINK-Guide zeigt euch die besten Second-Hand-Läden in Hamburg.

Nichts ist nachhaltiger als Second Hand

Die Karma-Shopping-Reihe

Shoppen ohne das Karmakonto zu belasten, geht das? In der Reihe „Karma-Shopping“ beschäftigen wir uns mit (nachhaltiger) Mode. Erfahrt, was Fast Fashion für Mensch und Umwelt bedeutet, wie eure Kaufentscheidungen die Modeindustrie beeinflussen und welche Alternativen es gibt, um umweltbewusst und fair einzukaufen.

Die Fashionindustrie ist die zweitgrößte Umweltverschmutzerin der Welt, lediglich übertrumpft von der Erdölindustrie. Die Produktion und der Transport von Bekleidung verursachen acht Prozent der globalen CO2-Emissionen. Tagtäglich lassen Modekonzerne Chemikalien, Pestizide sowie Düngemittel von Baumwollfeldern und aus Textilfabriken in Flüssen, Seen und Grundwasser versickern. Während ganze Landstriche kaum Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, zehren Textilunternehmen an den globalen Frischwasserreserven. Ein Beispiel: Für die Herstellung einer Jeans werden circa 7.500 Liter Wasser benötigt. Genug, um den Durst eines Menschen über sieben Jahre zu stillen.

Für die Herstellung einer Jeans werden etwa 7.500 Liter Wasser benötigt.

Die Bekleidungsindustrie bedroht Leben – indem sie Boden, Luft und Gewässer vergiftet, Wasser verschwendet und Arbeiter*innen ausbeutet. Dennoch: Bekleidung gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Und dass Shoppen einigen Menschen Spaß macht, lässt sich schwer abstreiten. Eine Alternative ist es, Kleidung und Co. aus zweiter Hand zu kaufen. Denn diese Waren wurden bereits produziert und transportiert. So sparen sie Ressourcen, Produktionswege und Verpackungsmaterial.

FINK.HAMBURG zeigt euch, wo ihr die besten Trödelläden und Second-Hand-Shops der Stadt findet.

Schnäppchen bei Schneppchen in Wandsbek

Der Laden Schneppchen ist unter Hamburger Trödelliebhaber*innen ein Geheimtipp. In der ehemaligen Schlecker-Filiale an der Wandsbeker Chaussee gibt es vor allem gut erhaltene Möbel und Haushaltswaren zu fairen Preisen. Mit etwas Glück ergattert ihr auch mal Designklassiker.

Auf 400 Quadratmetern Ladenfläche findet ihr etwa Klamotten, Accessoires, Schränke, Sofas, Tische, Geschirr und Deko. Einzelne Regale mit Handarbeitsware, Spielzeug, Büchern und Schallplatten ergänzen das Sortiment.

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Ladeninhaber Sönke Stehnken spendet regelmäßig einen Teil seines Gewinns an lokale soziale Projekte – die Käufer*innen stimmen ab, an welche Organisation der Schneppchen-Spendentopf gehen soll. Mit dabei waren schon die Alzheimer Gesellschaft Hamburg, das Kinderhospitz Sternenbrücke oder die Hamburger Tafel.

Schneppchen Hamburg – Wandsbeker Chaussee 189, 22089 Hamburg, Mo – Sa 10-19 Uhr


Shoppen zu Füßen des Michels bei Jack un Büx

Etwas versteckt im Krayenkamp, gegenüber der historischen Krameramtsstuben, liegt Jack un Büx, der Second-Hand-Store der evangelischen Hauptkirche St. Michaelis. Hier könnt ihr gut erhaltene Kleidung, Schuhe und Accessoires für wenig Geld kaufen. Kein Stück kostet mehr als 15 Euro.

Michel Jack Buex Hamburg Second Hand Fast Fashion Nachhaltigkeit
Zu Füßen der St. Michaelis Kirche liegt der Second Hand Shop Jack un Büx. Foto: Mali Paede

Das Sortiment besteht aus Spenden. Von Opas ausrangiertem Anorak aus den 80ern bis zur fabrikneuen Kinderhose vom Fashion-Store um die Ecke reicht das Angebot. Ladenhüter und gespendete Kleidung, die nicht ins Sortiment passt, gibt das Team weiter an die Kleiderkammer Wilhelmsburg – eine Organisation, die im Hamburger Stadtgebiet Kleidung an bedürftige Menschen ausgibt. Schmutzige oder kaputte Textilien landen im Recyclingcontainer.

Mit eurem Einkauf unterstützt ihr die Gemeindearbeit: Der Gewinn finanziert etwa den Seniorentreff der Kirche. Ihr habt zu viele Klamotten? Die ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen nehmen nicht nur gern euer Geld – auch über Kleiderspenden freuen sie sich.

Karma Shopping Fast Fashion Second Hand Hamburg
Eingang zu Jack un Buex am Michel. Foto: Mali Paede

Jack un Büx – Secondhandkleidung am Michel, Krayenkamp 8, 20459 Hamburg, Mi & Fr 15-18 Uhr


Trödelmarkt-Ambiente bei Stilbruch

Eine Mischung aus sonntäglichem Trödelmarktbesuch und dem Stöbern bei Ebay Kleinanzeigen – so fühlt sich ein Besuch im Secondhand-Kaufhaus Stilbruch an. Die insgesamt drei Standorte findet ihr in den Stadtteilen Harburg, Wandsbek und Altona.

Stilbruch ist ein Tochterunternehmen der Stadtreinigung Hamburg. So landen in den Kaufhäusern unter anderem auch Möbel und Haushaltswaren aus Wohnungsauflösungen oder dem Sperrmüll. Aber auch private Spenden werden, sofern sie unbeschädigt und wiederverwendbar sind, gerne entgegengenommen. Elektrogeräte werden vor dem Verkauf in der Altonaer Werkstatt überprüft und mit einem Siegel versehen.

In den über 3.000 Quadratmeter großen Verkaufsflächen findet ihr neben Einrichtung und Technik auch Fahrräder, Bücher, Kinderspielsachen und auch das ein oder andere Kleidungsstück – Ebay Kleinanzeigen in analog eben.

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Unser Tipp: Bei Stilbruch kann man zwar den ein oder andere Fashion-Liebling finden, wenn ihr allerdings ausschließlich auf Modesuche seid, empfehlen wir euch, einen der anderen Shops anzusteuern.

Stilbruch – Krayenkamp 8, Ruhrstraße 51, Helbingstraße 63, Lüneburger Str. 39, Mo – Sa 10-18 Uhr


Shoppen für den guten Zweck im DRK Kilo Shop

Im Kilo Shop des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) shoppt ihr Gebrauchtkleidung nach Gewicht. Die Stücke sind alle sauber und in gutem Zustand – wer nach besonderen Teilen sucht, braucht aber viel Muße, um sich durch die zahlreichen, eng behängten Kleiderständer und prall gefüllten Körbe für Accessoires zu wühlen. Immerhin: Die großen, bodentiefen Glasfronten des Ladens in Altona sorgen dafür, dass ihr bei eurer Schatzsuche das Tageslicht auskosten könnt.

Es fehlt euch an Geduld und Zeit? Dann weicht aus in den hinteren Teil des Shops: Dort findet ihr besondere Einzelstücke und Markenklamotten. Diese kosten zwar etwas mehr als die Waren im Kilobereich, sind aber im Vergleich zu vielen anderen Second-Hand-Läden immer noch günstig. Wer nach Bettwäsche, Handtüchern und Co. sucht, wird im separaten Ein-Euro-Bereich des Ladens fündig.

Das Sortiment des DRK „Kilo Shops“ besteht aus Spenden. Der Verkaufserlös fließt in die zahlreichen sozialen Projekte und Einrichtungen der Institution. Wenn ihr gut erhaltene, saubere Kleidung habt, die ihr loswerden wollt: Ab zum Kilo Shop! Die Mitarbeiter*innen freuen sich über eure Spenden – während der Öffnunsgzeiten könnt ihr Klamotten, Schuhe, Accessoires und Haushaltstextilien abgeben.

DRK Kilo-Shop Altona – Neue Große Bergstraße 4-6, 22767 Hamburg, Mo – Fr 10-17 Uhr, Sa 10-15 Uhr


Kaufen gegen Armut bei Oxfam

Oxfam ist eine internationale Nothilfe und Entwicklungsorganisation. Ihr Ziel: eine gerechte Welt ohne Armut. In insgesamt 90 Ländern ist „Oxfam“ aktiv und setzt sich nicht nur für Gesundheit und Bildung in armen Ländern ein, sondern auch global für eine Verbesserung der Frauenrechte und den Klimaschutz.

Das Angebot in den insgesamt 54 Shops in Deutschland ist riesig. Es reicht von Kleidung über Bücher, Haushaltsware, Instrumente oder Spielsachen bis hin zu Fairtrade-Lebensmitteln. Hier findet ihr vor allem gebrauchte Ware, aber nicht selten hängt auch ungetragene und noch originaletikettierte Ware an den Stangen.

Second Hand Hamburg Ottensen Oxfam
„Oxfam“ Shop in Ottensen. Foto: Stefan Vossemer

Übrigens: Die Shops werden ausschließlich von Ehrenamtler*innen geführt. Hier könnt ihr also nicht nur Kleidung oder Geld spenden, sondern auch eure Zeit.

Oxfam – Hoheluftchaussee 58, Bahrenfelder Straße 130, Wandsbeker Marktstraße 10, Öffnungszeiten variieren. Am besten schaut ihr für den jeweiligen Shop hier nach. 


Vintage Revivals: Keine muffeligen Wühltische 

Vintage Revivals zeigt, dass Second-Hand nicht gleich muffeliger Wühltisch bedeutet. Schrille Neon-Lichter, stylischer Industrial-Look und coole Beats sorgen für ein Shopping-Erlebnis mit Großstadtcharme. Neben dem Shop auf dem Hamburger Schulterblatt findet ihr Vintage Revivals auch in Berlin, München und Frankfurt.

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Hier gibt es sowohl No-Name-Shirts als auch Vintage-Schätze. Durch die Kombination aus Designerstücken und Discounter-Kleidung kommt jeder Second-Hand-Fan auf seine Kosten. Die Kleidung ist gut sortiert, ordentlich aufgebügelt und nicht nur thematisch und farblich geordnet, sondern bietet auch jede Menge Outfit-Inspirationen. Einen kuscheligen Pullover oder einen lässigen Oversized-Blazer bekommt ihr hier für circa 30 Euro. Damit liegt der Shop im fairen Mittelfeld.

Falls ihr außerhalb der Öffnungszeiten stöbern und shoppen möchtet: Vintage Revivals hat auch einen Online-Shop.

Vintage Revivals – Schulterblatt 18, 20357 Hamburg, Mo –  Sa 10:00 – 20:00 Uhr


Mehr als nur ein Laden – Humana

Humana ist Kleidersammlung, Second-Hand-Shop und ein Verein für Entwicklungszusammenarbeit. Kleidung, die gesammelt, aber nicht in den insgesamt 38 Shops in Deutschland verkauft wird, spendet die GmbH an den Humana People to People Verein für Entwicklungszusammenarbeit. Der Verein engagiert sich in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Dorfentwicklung in Mosambik, Namibia und weiteren afrikanischen Ländern.

Second Hand_ Humana Gertigstraße
Humana-Store in der Gertigstraße. Foto: Paula Wiedeking

Auch an den vier Humana-Standorten in Hamburg könnt ihr noch tragbare Kleidung unverbindlich und problemlos spenden. Ein Besuch lohnt sich aber auch, wenn ihr euren Kleiderschrank lieber füllen als aussortieren möchtet. Hier findet ihr schlichte Basics, bunte 90er-Jahre-Sportjacken oder saisonale Ware wie Badekleidung oder Wintermäntel. Die Preise sind verhältnismäßig günstig und die Kleidung ist gut sortiert und aufgebügelt. Zahlen könnt ihr bar oder mit der Bankkarte.

Humana – Große Bergstraße 141, Schanzenstraße 24, Gertigstraße 19, Bremer Str. 2, Mo – Fr 10-19 Uhr, Sa 10-18 Uhr 


Alles außer Mainstream bei Mano a Mano

Hinter dem Mercado-Einkaufszentrum, abseits vom Trubel der Ottenser Hauptstraße, liegt Mano a Mano. Hier gibt es neben Damen-, Kinder- und Herrenkleidung auch Schmuck und Deko. Die Artikel sind vor allem eins: Bunt!

Das kleine Souterrain-Lädchen ist liebevoll eingerichtet: Ein Mix aus Boho-Lampen und Omas Messing-Stehleuchte tauchen die Kleiderständer und Regale in warmes Licht. Ihr seid überfordert von all den Farben und Mustern? Kein Problem: Verschnauft kurz auf dem roten Samtsofa unter dem Fenster. Mit neuer Energie shoppt es sich gleich viel besser.

Mano a Mano – Große Rainstraße 41, 22765 Hamburg,  Mo – Fr 11-19 Uhr, Sa 12-18 Uhr


Titelbild: Mali-Janice Paede

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Mali Paede, Jahrgang 1993, streitet oft mit ihrem Vater über Feminismus-Themen. Zum Beispiel bei der gendergerechten Sprache sind die beiden völlig unterschiedlicher Meinung. Ansonsten hat sie von ihm aber auch durchaus wertvolle Dinge gelernt – etwa das Licht nicht unnötig lange brennen zu lassen und den Kühlschrank schnell wieder zu schließen. Die gebürtige Hamburgerin studierte Nachhaltigkeitshumanwissenschaften und Kulturwissenschaften in Lüneburg. Zurück in ihrer Heimatstadt interviewt sie für die Hamburg Kreativ Gesellschaft gerade am liebsten bildende Künstler, Theaterbetreiber und neulich auch den Inhaber eines Indieverlags. Ausgleich findet sie beim Vinyasa Yoga. Das hilft ihr auch, ihre Tollpatschigkeit in den Griff zu kriegen: Mali fällt oft etwas aus der Hand. Ihre Teetasse fängt sie mittlerweile schon wieder auf. Kürzel: maj
Wo Paula-Lu Wiedeking, Jahrgang 1994, aufgewachsen ist, gibt es mehr Bäume als Menschen. In ihrem kleinen Dorf am Niederrhein musste sie drei Kilometer mit dem Fahrrad fahren, um eine Bushaltestelle zu erreichen. Ihr Fahrrad begleitete sie auch auf allen weiteren Stationen: zum Mode- und Textil-Studium in die Niederlande, zum Praktikum in eine Modefirma nach Berlin und dann nach Hamburg. Dort hat sie bei Otto in der Social-Media-Abteilung und im Online-Marketing gearbeitet. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich und hat beispielsweise Geflüchtete in Deutsch unterrichtet und bei Behördengängen begleitet. Ihre große Leidenschaft: das Zeichnen und Malen mit digitalen Tools. Wenn sie dem mal nicht nachgeht, findet man sie auf Flohmärkten oder im Café mit einem Hafer-Latte. Kürzel: pal