Fast 20 Mal erobert Aschenbrödel ihren Prinzen an Weihnachten im deutschen Fernsehen. Wir haben skurrile Fakten zur Produktion gesammelt. Wusstest du etwa, dass der Kunstschnee am Set aus Fischmehl bestand?

Libuše Šafránková und Pavel Trávníček – auch wenn euch diese Namen nichts sagen, stehen die Chancen gut, dass ihr die Beiden kennt. Es handelt sich nämlich um die beiden Hauptrollen in einem der beliebtesten Märchenfilme zur Weihnachtszeit: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Der Film stammt aus dem Jahr 1973 und ist eine Co-Produktion der damaligen ČSSR und DDR. Bis heute ist er einer der beliebtesten Weihnachtsfilme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Das Waisenmädchen Aschenbrödel lebt als Magd auf dem Gutshof ihrer Stiefmutter und erobert im Laufe der Erzählung selbstbewusst das Herz des Prinzen. Die Geschichte beruht auf dem gleichnamigen Märchen der Schriftstellerin Božena Němcová, sowie dem „Aschenputtel“ der Gebrüder Grimm. Die Handlung des Filmes ist allgemein bekannt – die Hintergründe der turbulenten Produktion aber vermutlich nicht.

FINK.HAMBURG hat die spannendsten Fakten über „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ recherchiert:

Der falsche Ballsaal

Aus über 20 Vorschlägen hat Regisseur Václav Vorlíček das Schloss Moritzburg bei Dresden als Szenerie gewählt. Das ehemalige Jagdschloss von August dem Starken wurde aber tatsächlich nur als Außenkulisse verwendet. Die Szenen im Inneren des Schlosses, wie beispielsweise die Ballnacht, entstanden in den Filmstudios Babelsberg.

Ein Ensemble mit Sprachbarriere

Libuše Šafránková (heute 67) und Pavel Trávníček (heute 70) standen am Beginn ihrer Schauspielkarriere, als Regisseur Vorlíček sie für die Hauptrollen des Films engagierte. Besonders die Wahl der richtigen Prinzessin war für ihn von großer Bedeutung: Für die Rolle des Aschenbrödels wurden über 2.000 junge Frauen gecastet, die alle ausnahmslos abgelehnt wurden. Der Regisseur erinnerte sich letzlich an einen Fernsehfilm mit Libuše Šafránková, und bot ihr daraufhin die Rolle an. Sie ist bis heute eine bekannte Schauspielerin in Tschechien.

Das Ensemble bestand sowohl aus tschechischen, als auch aus deutschen Schauspieler*innen. Der Umgang und die Atmosphäre am Set sollen durchweg freundlich gewesen sein – sprachliche Hürden wurden angeblich mit Händen und Füßen überwunden. Die deutschen Schauspieler*innen wurden in der tschechischen Fassung des Films synchronisiert. Zudem musste auch der Prinz (Pavel Trávníček) aufgrund seines starken Akzents neu vertont werden. Mittlerweile ist er selbst als Synchronsprecher tätig, und verleiht Hollywood-Stars wie Jeff Goldblum oder Alec Baldwin eine tschechische Stimme.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel – am Donnerstag (24.12.20) um 12:25 Uhr im ERSTEN.
Wird der Prinz (Pavel Trávnícek, Mitte) die Schöne wiedersehen, der dieser Schuh gehört? Bild: WDR/DRA

Liebesgeschichte ohne Kuss

Im Film geht es um die große Liebe – die wurde allerdings 1973 noch deutlich verhaltener  im Fernsehen gezeigt: In den 82 Minuten ist kein einziger Kuss zwischen Aschenbrödel und dem Prinzen zu sehen. Elf Jahre später drehten die beiden erneut zusammen als Prinz und Prinzessin im Film „Der dritte Prinz“ – diesmal inklusive inniger Kussszenen.

Ein Sommermärchen im Winter

„Drei Haselnüsse für Aschenbröbel“ ist vor allem als Wintermärchen bekannt. Dabei sollte die Filmkulisse ursprünglich keine schneebedeckten Wälder, sondern blühende Sommerwiesen zeigen. Die deutsche Film AG (DEFA) bestand allerdings auf einen Dreh im Winter, da die Schaupieler*innen im Sommer bereits ausgebucht waren. Es folgte ein neues Problem: Um ein Wintermärchen abzubilden, lag nicht annähernd genug Schnee auf Schloss Moritzburg. Notgedrungen wurde Fischmehl als Kunstschnee verwendet, das die Kulisse zwar weiß färbte, aber auch für einen fürchterlichen Geruch am Set sorgte.

Filmmusik feat. Karel Gott

Eines der markantesten Merkmale des Films ist die Musik – komponiert von Karel Svoboda und gespielt vom Symphonieorchester Prag. Der 2007 verstorbene Tscheche verfasste unter anderem die Musik zu bekannten Zeichentrickserien wie „Wickie und die starken Männer“, „Biene Maja“, „Pinocchio“ und „Nils Holgerson“. Wie auch schon für zahlreiche andere Projekte, arbeitete Svoboda für den Sound von „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ mit Karel Gott zusammen. In der tschechischen Version des Films sind einige Gesangsbeiträge von dem Schlagerstar enthalten, die deutsche Fassung hingegen ist rein instrumental.

Betrug der Prager Behörden

Um die Produktion überhaupt zu ermöglichen, mussten die Prager Behörden in gewisser Weise hintergangen werden. Der Grund: Beim Autor des Drehbuchs handelte es sich um den politisch-oppositionellen František Pavlíček. Da er aufgrund von Protesten gegen das Regime nach 1968 auf der schwarzen Liste stand, konnte er unmöglich als offizieller Urheber genannt werden. Er übergab das Drehbuch an die Dramaturgin Bohumila Zelenkova, die als offizielle Autorin eingetragen wurde, und ihm sämtliche Honorare zukommen ließ.

Die drei magische Haselnüssen enthalten Gaben, mit denen Aschenbrödel ihren Prinzen erobert: ein Jagdgewand, ein Ballkleid und ein Hochzeitskleid. Illustration: Victoria Szabó

Einreiseverbot für Schimmel Nikolaus

Eine weiteres markantes Element des Wintermächens sind die Reitszenen. Fast alle Schaupieler*innen wurden hierfür von Doubeln ersetzt – außer die Prinzessin selbst. Libuše Šafránková ritt in beinahe allen Szenen selbst. Doch nicht nur für viele Darsteller*innen, sondern auch für den Schimmel Nikolaus musste schlussendlich ein Double einspringen. Aufgrund des Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche durfte der Original-Nikolaus nämlich nicht mehr in die DDR einreisen.

Vom Mythos zum Hype

Der Schuh, den Aschenbrödel auf der Treppe des Schlosses verliert, ist heute als Messingstatue auf den Stufen des Schloss Moritzburg verewigt. Außerdem gibt es jedes Jahr eine Ausstellung, in der Originalkostüme und Szenennachbildungen gezeigt werden. Der Hype ist groß: Laut einer Pressemitteilung des MDR hätten seit der Ersteröffnung 2011 bereits über eine Million Menschen die Ausstellung auf Schloss Moritzburg bei Dresden besucht. In diesem Jahr musste sie allerdings corona-bedingt ausfallen.


Sendetermine 2020

Wie gewohnt, kommt man auch dieses Jahr kaum an „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ vorbei – fast 20 Mal wird der Märchenklassiker rund um die Weihnachtsfeiertage im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gezeigt. Laut des MDR ist der Kultfilm in diesem Jahr erstmals auch mit Deutscher Gebärdenspreche (DGS) in der ARD-Mediathek abrufbar. Wir haben alle TV-Sendetermine 2020/21 für euch zusammengefasst:

  •  Donnerstag, 24. Dezember, 12.25 Uhr: Das Erste
  •  Donnerstag, 24. Dezember, 16.05 Uhr: NDR
  •  Donnerstag, 24. Dezember, 18.50 Uhr: ONE
  •  Donnerstag, 24. Dezember, 20.15 Uhr: WDR
  •  Donnerstag, 24. Dezember, 22.30 Uhr: SWR
  •  Donnerstag, 24. Dezember, 23.15 Uhr: RBB
  •  Freitag, 25. Dezember, 11.25 Uhr: Das Erste
  •  Freitag, 25. Dezember, 20.15 Uhr: NDR
  •  Samstag, 26. Dezember, 16.05 Uhr: MDR
  •  Samstag, 26. Dezember, 16.40 Uhr: ONE
  •  Sonntag, 27. Dezember, 12.00 Uhr: KiKA
  •  Freitag, 1. Januar, 16.30 Uhr: RBB
  •  Mittwoch, 6. Januar, 08.05 Uhr: BR

Ein skurriles Highlight ist übrigens auch diese MDR-Doku aus dem Jahr 2013, die die Geheimnisse des Films hinter den Kulissen bis ins kleinste Detail ergründet. In 59 Minuten wird fast jede Person interviewt, die damals auch nur einen einzigen Knicks im Film gemacht hat. Außer Libuše Šafránková – sie gibt generell keine Interviews.

Titelbild: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Am Donnerstag (24.12.20) um 12:25 Uhr im Ersten © WDR/DRA

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