Wir haben ein Müllproblem – und das schon eine ganze Weile. Wir kaufen, konsumieren, verpacken und entsorgen. Diese Hamburger Unternehmen nutzen unseren Müll und recyceln ihn.

Städte und Straßen sind verschmutzt, öffentliche Mülleimer überfüllt und auch in der Natur, landen immer mehr Abfälle. Im Ozean bilden sich riesige Müll-Inseln, deren Fläche die Größe Deutschlands deutlich überschreitet. Vögel, Fische und Säugetiere halten unseren Müll für Nahrung oder verfangen sich in Plastikabfällen. Die Folgen unseres Mülls sind also gewaltig – für Mensch, Tier und Umwelt.

Diese Hamburger Unternehmen haben das Problem erkannt und wollen etwas daran ändern. Sie nutzen unsere Abfälle und recyceln sie, um daraus neue Produkte herzustellen.

Wildes Plastik für den Müll

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„Wir haben eine klare Mission: Den Planeten vom Plastikmüll befreien.“ Das Hamburger Start-up Wildplastic sammelt Plastikmüll ein, der die Natur bereits verschmutzt und verwerten ihn. Dabei kooperiert das Unternehmen mit Organisationen in Ländern ohne funktionierende Müllverwertung. Nachdem die Kunststoffe vor Ort gesammelt, sortiert und gereinigt wurden, können sie eingeschmolzen und als Granulat neu verwertet werden.Die Verwertung findet hier in Deutschland statt. Was daraus entsteht? Müllbeutel. Wie passend. Ein besonderes Merkmal von Wildplastic: Das Unternehmen ist ein sogenanntes „Purpose Unternehmen“. Das bedeutet, dass alle Entscheidungen im Unternehmen getroffen werden und nicht von potentiellen Gründer*innen oder Investor*innen. Im Mittelpunkt der Entscheidungen steht immer, was das Beste für das gesamte Unternehmen ist. Die Überlegungen orientieren sich nicht an einer Gewinnmaximierung.

Gestern ein Schlauch – heute ein Rucksack

Seit fast zehn Jahren verwandelt das Hamburger Label Taschendealer alte Schläuche, LKW-Planen oder Luftmatratzen in Rücksäcke und Taschen. Dabei kann das Design und Material ganz individuell gewählt werden. In dem kleinen Atelier in der Schanze könnt ihr euch inspirieren lassen und euren persönlichen Rucksack oder eine Tasche planen. Auch während des corona-bedingten Lockdowns, könnt ihr im Onlineshop stöbern und eure Tasche in dem Atelier Kleiner Schäferkamp 44 abholen.

Aus Lieblingsjeans wird Lieblingstasche

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„Wir möchten Brücken in den ersten Arbeitsmarkt bauen“. Bei Bridge&Tunnel erhalten nicht nur die Materialien eine echte Chance, sondern vor allem auch Menschen. Das Unternehmen beschäftigt voranging gesellschaftlich benachteiligten Menschen sowie Geflüchtete. Ihr Motto: “Talents over diploma”.

Bei Bridge&Tunnel werden Taschen, Rücksäcke oder Kissen aus alten Jeans gefertigt. Aus Alttextilien und Materialüberschüssen nähen qualifizierte Menschen, unter anderem aus Nigeria, Russland, Afghanistan oder dem Irak, echte Hingucker. Hier ist alles aus Denim. Materialkooperationen mit Hanseatic Help und der Kleiderkammer Wilhelmsburg ergänzen die privaten Jeans-Spenden.

Accessoires mit Meer-wert

Geisternetze sind ausrangierte oder verloren gegangene Fischernetze, die in unseren Meeren umhertreiben. Die synthetischen Netze verrotten auf dem Meeresgrund erst nach 400 bis 600 Jahren und werden bis dahin unzähligen Meeresbewohnern zum Verhängnis. Bracenet holt umhertreibende Fischernetze aus den Ozeanen direkt nach Hamburg. Fünf Tonnen alte Fischer- und Geisternetze haben sie, laut eigenen Angaben, schon in neue Produkte recycled. Aus den Netzen werden Schlüsselanhänger, Armbänder oder Hundeleinen.

Fernab vom Mainstream

Möbel und Wohnaccessoires, fernab vom Ikea-Mainstream – die gibt es bei Lockengelöt. Das Unternehmen feierte vor Kurzem sein 15-jähriges Bestehen. „Wir möchten Gewöhnliches in einen ungewohnten Kontext stellen und so etwas Neues schaffen, das überrascht und an dem man lange Freude hat“, heißt es auf der Website. Im Hamburger Karoviertel recyceln die Geschäftsführer Carsten Trill und Dennis Schnelting gemeinsam mit ihrem Team alte Ölfässer, Schallplatten oder Skateboards. Die Manufaktur verkauft Schallplatten aber nicht nur in Form von Eierbechern und Obstschalen, sondern ebenfalls ganz klassisch mit Musik. Zwischen Möbeln und Dekoration finden auch regelmäßig Ladenkonzerte statt.

Recyceln ist also nicht nur gut für die Umwelt, sondern kann auch ziemlich cool aussehen. Wenn ihr das nächste Mal etwas Neues braucht, schaut doch, ob ihr etwas Recyceltes findet.

Titelillustration: Paula Wiedeking

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Wo Paula-Lu Wiedeking, Jahrgang 1994, aufgewachsen ist, gibt es mehr Bäume als Menschen. In ihrem kleinen Dorf am Niederrhein musste sie drei Kilometer mit dem Fahrrad fahren, um eine Bushaltestelle zu erreichen. Ihr Fahrrad begleitete sie auch auf allen weiteren Stationen: zum Mode- und Textil-Studium in die Niederlande, zum Praktikum in eine Modefirma nach Berlin und dann nach Hamburg. Dort hat sie bei Otto in der Social-Media-Abteilung und im Online-Marketing gearbeitet. In ihrer Freizeit engagiert sie sich ehrenamtlich und hat beispielsweise Geflüchtete in Deutsch unterrichtet und bei Behördengängen begleitet. Ihre große Leidenschaft: das Zeichnen und Malen mit digitalen Tools. Wenn sie dem mal nicht nachgeht, findet man sie auf Flohmärkten oder im Café mit einem Hafer-Latte. Kürzel: pal

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