Das Jahr ist noch jung. Dennoch verstarben bereits mindestens elf obdachlose Menschen auf den Straßen Hamburgs. Nicht nur die Stadt steht da in der Verantwortung. Wir alle können Obdachlosenhilfe leisten – etwa so.

„Entschuldigen Sie die Störung“, hört man regelmäßig in U- und S-Bahnen. Bedürftige Menschen laufen immer wieder durch die Abteile und bitten um ein wenig Aufmerksamkeit, Kleingeld oder etwas zu essen. Diese Passagiere steigen nicht in die Bahn, um von A nach B zu kommen, sondern weil sie auf Hilfe hoffen.

Nicht immer hat man Kleingeld dabei, oder die Zeit und Lust auf ein Gespräch. Das ist auch ok. Wer trotzdem helfen möchte, vielleicht auch mit kleinen Gesten, findet hier ein paar Vorschläge:

1) Pfand daneben stellen

„Weil man Geld nicht einfach wegwirft“, lautet der Slogan des Hamburger Projektes Pfand gehört daneben. Ziel des Projektes ist es, dass Pfandflaschen nicht einfach im Müll landen und so unverwertet entsorgt, sondern daneben gestellt werden. Pfandsammler*innen wird so der Zugang zu den Flaschen erleichtert und sie umgehen das Risiko, beim Suchen in Mülleimern verletzt zu werden.

Der Hamburger Getränkehersteller Fritz Kola ist der erste, der den Slogan auf jedes seiner Getränke-Etikette druckt. Pfandflaschen solltet ihr also nicht in den Müll werfen, sondern daneben stellen, in einen Pfandring stecken oder direkt an Sammler*innen weitergeben.

2) Gebt weiter, was ihr selbst nicht braucht

Schaut in eure Taschen: Wenn euch Menschen um Geld bitten, freuen sie sich auch häufig über etwas zu essen oder ein Getränk. Fragt sie einfach mal. Noch gültige Bustickets, Gutschein-Coupons oder Pfandbons sind eine gute Alternative zu Geldgeschenken. Oft tragen wir diese ewig mit uns rum und vergessen dann doch sie einzulösen. Verschenkt sie lieber.

3) „Kennst du schon die Hilfsangebote der Stadt?“

Wenn euch Menschen auf der Straße um Hilfe bitten, fragt sie, ob sie die Hilfsangebote der Stadt schon kennen:

  • In der Tagesaufenthaltsstätte Hinrichstraße 4, gibt es jeden Tag von 12-15 Uhr eine warme Mahlzeit.
  • Die Markthalle am Hamburger ZOB hat täglich ab 9:30 Uhr geöffnet.
  • Das Arztmobil ist an Wochenenden auf der Reeperbahn und an der Roten Flora unterwegs.
  • Das Pik As ist eine Übernachtungsstätte an der Neustädter Straße 31a.
  • Bei GoBanyo heißt es: Waschen ist Würde. Sie bieten Obdachlosen Duschmöglichkeiten an.

Hier findet ihr eine Übersicht aller Anlaufstellen der Stadt.

4) Macht einen Abstecher zum Bäcker

Die Innenstädte sind so leer, wie lange nicht, Kieztouren bleiben komplett aus und auch Großveranstaltungen oder Konzerte finden nicht statt. Wenn man darauf angewiesen ist, große Menschenmengen anzutreffen, um Pfandflaschen zu sammeln oder nach Geld zu fragen, stellen die Corona-Beschränkungen eine noch größere Herausforderung dar.

Wenn ihr kein Geld schenken möchtet, und weder etwas zu Essen noch eine Pfandflasche oder ähnliches habt, ladet die Person doch auf einen heißen Kaffee oder ein Brötchen ein. Dabei ist es besonders nett, wenn ihr kurz nachfragt, worauf er oder sie Lust hat oder was eventuell gar nicht schmeckt.

5) Verleiht euer Telefon

Mal kurz etwas googeln, einen Bekannten anrufen oder einen Termin vereinbaren – wie geht das ohne Handy? Wenn euch jemand auf der Straße nach einem Anruf oder einer Wegbeschreibung fragt, nehmt euch eine Minute Zeit. Dabei müsst ihr euer Telefon nicht zwangsläufig aus der Hand geben. Tippt ruhig selbst die Suchanfrage ein oder stellt den Anruf auf Lautsprecher.

6) Wärme verteilen

Besonders im Winter kann die Kälte zum größten Feind auf der Straße werden. Über warme Handschuhe, dicke Socken oder eine Mütze freuen sich die meisten Menschen, die sich dieser Kälte stellen müssen. Der Verein Hanseatic Help sammelt und verteilt Sachspenden. Wenn ihr etwas spendet möchtet, schaut vorher auf der Website vorbei und erkundigt euch, welche Gegenstände gerade benötigt werden.

Die Gründer von Wärmende Hände verteilen USB-Handwärmer in der Stadt. Die sind eine langanhaltende Wärmequelle und können in der Steckdose wieder aufgeladen werden. Meldet euch als freiwillige Helfer*innen und sorgt dafür, dass die Handwärmer desinfiziert und aufgeladen werden.

Das Wichtigste: Wenn euch eine Person begegnet, die der Kälte schutzlos ausgeliefert scheint, ruft den Kältebus (040/401 782 15) oder im medizinischen Notfall die 112.

7) Lesen und Gutes tun

Auf den Straßen sind euch bestimmt schon einmal die Verkäufer*innen des Magazins Hinz und Kunzt begegnet. Die erste Auflage der monatlichen Straßenzeitung erschien bereits 1993. Doch Hinz und Kunzt ist nicht nur ein Magazin, sondern auch Anlauf- und Beratungsstelle für Wohnungslose. Verkäufer*innen können alle Menschen werden, die sich in prekären Lebenslagen befinden oder kein Obdach haben. Wenn ihr das nächste Mal einem Verkäufer oder einer Verkäuferin begegnet, schaut doch mal rein.

Auch wenn ihr nichts geben könnt oder möchtet, ignoriert hilfsbedürftige Menschen nicht, sobald sie euch ansprechen. Ein Lächeln, ein Nicken oder einen „angenehmen Tag“, könnt ihr ihnen in jedem Fall schenken.

1 KOMMENTAR

  1. […] Neben dem regulären Winternotprogramm stehen ab Montag weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Obdachlose bereit: Bis zu 35 Personen mit starken psychischen und körperlichen Einschränkungen können am neuen Standort einzeln untergebracht werden und soziale Beratung erhalten. Dies teilte die Sozialbehörde am Sonntag mit. Das Angebot soll insbesondere denen helfen, die aufgrund ihrer Beeinträchtigungen trotz der Kälte weiter auf der Straße leben. […]

Comments are closed.