Trauriger Rekord: Am Hamburger Hauptbahnhof haben im letzten Halbjahr 2020 verglichen mit anderen Bahnhöfen Deutschlands die meisten Gewaltdelikte stattgefunden.

Mit insgesamt 300 Gewaltdelikten liegt der Hamburger Hauptbahnhof im deutschlandweiten Vergleich vorne. Das geht aus einer Auskunft des Bundesinnenministeriums an die AfD-Fraktion hervor. Der Bahnhof ist zugleich der meistfrequentierte in Deutschland, nach Bahn-Angaben passieren ihn täglich 537.000 Reisende oder Besucher*innen.

Der Frankfurter Hauptbahnhof folgt bei den Gewaltdelikten mit 238 Fällen. Am Nürnberger Hauptbahnhof sind 189 Delikte erfasst worden. Schon im Zeitraum von Mitte 2019 bis Mitte 2020 stand der Hamburger Hauptbahnhof in dieser Statistik an erster Stelle.

Bei Delikten wie Taschendiebstahl hält der Frankfurter Hauptbahnhof mit 744 Vorfällen die Spitzenposition. Hamburg liegt hier mit 572 Taten an zweiter Stelle, gefolgt vom Kölner Hauptbahnhof mit 504 Straftaten. Es wurden außerdem insgesamt 198 Bundespolizist*innen in Bahnhöfen und Zügen bei gewaltsamen Auseinandersetzungen im Dienst verletzt. 35 von ihnen waren zunächst dienstunfähig.

Mehr Kameras an Bahnhöfen geplant

Sicherheit sei für die Deutsche Bahn „oberstes Gebot“, betonte eine Sprecherin des Unternehmens. „Bundesweit investieren wir jährlich mehr als 170 Millionen Euro für die Sicherheit unserer Mitarbeitenden und Reisenden.“ 4000 Sicherheitskräfte der Bahn unterstützten die mehr als 5000 Beamten der Bundespolizei in Zügen und an Bahnhöfen. Zudem soll gemeinsam mit dem Bund die Videotechnik ausgebaut werden: „Wir erhöhen die Anzahl der aktuell 8000 Kameras an Bahnhöfen in den nächsten vier Jahren um rund ein Drittel auf circa 11.000 Kameras.“

Orte mit „Sogwirkung auf Kriminelle“

Auf die Frage nach Gemeinsamkeiten zwischen den genannten Bahnhöfen und nach Ursachen für das Auftauchen in der Statistik schreibt das Bundesministerium, es handele sich um „Großbahnhöfe in urbanen Ballungszentren mit Anbindung auch an Schienennetze benachbarter Länder“. Große Bahnhöfe in städtischen Ballungszentren entfalteten eine „Sogwirkung auf Kriminelle“. Das liege vor allem an der durchgehenden Betriebsamkeit an Bahnhöfen. In Bahnhofsnähe befänden sich außerdem Omnibusbahnhöfe, Sozialstationen und Drogenkonsumräume.

Die AfD fragte außerdem explizit nach den Staatsangehörigkeiten der tatverdächtigen Personen, wie aus der kleinen Anfrage hervorgeht. Demnach haben 40 Prozent der Tatverdächtigen bei Gewaltdelikten nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Bei Drogendelikten liegt der Anteil bei rund einem Drittel, bei sogenannten Eigentumsdelikten wie Diebstahl verfügt mehr als die Hälfte nicht über die deutsche Staatsangehörigkeit.

In Hamburg insgesamt ist die Kriminalitätsrate laut Kriminalstatistik 2020 um 3,5 Prozent gesunken.

Der Verfassungsschutz hat vor Kurzem den vierten AfD-Landesverband als rechtsextremen Verdachtsfall eingestuft. Als rechtsextreme Verdachtsfälle gelten damit die Landesverbände in Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Der Hamburgische Landesverband wurde bislang nicht als Verdachtsfall eingestuft. Kleine Anfragen der Partei in Hamburg, wie die vom 25. Januar 2021 zum Thema „Deutschfeindlichkeit und deutschfeindliche Straftaten 2019 und 2020“ oder vom 13. Januar 2021 zu „Auswirkungen der Migration auf den Sozialstaat“ weisen oft Fragestellungen auf, die das Thema Zuwanderung problematisieren sollen.

esk/dpa

Titelbild: Daniel Reinhardt/dpa

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