Februar bedeutet für die meisten Studierenden: Prüfungsphase. Und obwohl sich der neue Lockdown schon abzeichnete, fahren Hochschulen bei den Prüfungen keine einheitliche Linie. Auch die HAW Hamburg muss umplanen.

Wie wollen Hochschulen während des aktuellen Lockdowns mit ihren Prüfungen umgehen? Die meisten Studierenden haben in den vergangenen beiden Semestern fast ausschließlich digitale Lehrveranstaltungen besucht. Nach wie vor gelten im ganzen Land strenge Regeln für Treffen im Privaten. Wäre es da nicht naheliegend, dieses Semester auch Prüfungen ausschließlich digital abzuhalten?

Vielerorts planen Universitäten und Hochschulen nach wie vor mit Präsenzprüfungen. Vergangene Woche sagte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz im Interview mit „Zeit Campus“, dass Prüfungen in Präsenz bei größeren Studiengängen wie Jura, Psychologie oder BWL nach Möglichkeit nach wie vor stattfinden werden, „unter Wahrung des notwendigen Abstands in entsprechenden Hochschulräumen“. Bei digitalen Prüfungen bestehe neben datenschutzrechtlichen Bedenken das Risiko, dass unerlaubte Mittel eingesetzt würden.

Auf Social Media, besonders in der App „Jodel“, äußern Studierende ihren Unmut. Studierendenverbände fordern dazu auf, Präsenzprüfungen abzusagen. Kritik regt sich daran, dass Universitäten sich erst jetzt, kurz vor den Prüfungen, mit der Problematik auseinanderzusetzen scheinen. Schließlich seien die Probleme absehbar gewesen.

HAW Hamburg: Departements entscheiden

Wie handhabt es die HAW mit den Prüfungen für das Wintersemester? Von einer einheitlichen Lösung wurde abgesehen. Es liegt in der Hand der einzelnen Fakultäten, eigene Lösungen zu finden. Grundsätzlich gilt: Prüfungen sollen nicht verschoben werden. Studierende sollen trotz Lockdown die Chance bekommen, erfolgreich Prüfungen abzulegen und die damit verbundenen Credits zu erreichen, teilt die Pressestelle der HAW auf Anfrage von FINK.HAMBURG mit.

Die letzten Prüfungen des auslaufenden Wintersemesters 20/21 sollen demnach trotz der angespannten pandemischen Lage Ende Februar stattfinden. Das Sommersemester beginnt an der HAW Hamburg bereits am 1. März. In einzelnen Fällen könne es aber vorkommen, dass „Prüfungen in den Beginn des Sommersemesters hineinreichen werden“. Diese Prüfungen sollen aber möglichst vor Vorlesungsbeginn des Sommersemesters am 22. März abgelegt werden können.

Zwei HAW-Fakultäten verschieben Präsenzprüfungen

„In der Fakultät Wirtschaft und Soziales ist die Prüfungsphase durchgeplant und in größeren Teilen schon abgeschlossen“, sagt Professor Dr. Birgit Menzel, Prodekanin für Studium und Lehre der Fakultät gegenüber FINK.HAMBURG. Präsenzprüfungen finden vorerst keine mehr statt. Weniger als fünf Klausuren, die Präsenz erfordern, seien verschoben worden. „Sehr viele Prüfungen wurden in verschiedenen digitalen Formaten abgenommen“, so Menzel.

Die Fakultät Technik und Informatik hat alle Präsenzprüfungen bis zum 20. März 2021 abgesagt. Trotzdem sollen diese noch vor dem Beginn der Vorlesungszeit im Sommersemester am 22. März nachgeholt werden. „Gegebenenfalls ist damit auch eine Verlängerung des Prüfungszeitraums verbunden“, so Professor Dr. Christoph Großman vom Department Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau.

Alternative Prüfungsformen seien vom Präsidium schon seit dem Sommersemester 2020 zugelassen worden, sagt auch Dr.-Ing. Anna Usbeck, Prodekanin der Fakultät Technik und Informatik. Die jetzt kurzfristig abgesagten Präsenzprüfungen könnten prüfungskonform noch in alternative Prüfungsformen umgewandelt werden. „Bei den Professor*innen ist jetzt Kreativität gefragt, die Gefahr des Shutdowns der Hochschule stand ja schon lange im Raum“, so Usbeck.

Das planen die HAW-Fakultäten Life Science und DMI

Auch die Fakultät Life Science setzt auf alternative Prüfungsformen und lässt bis Ende Februar keine Präsenzprüfungen stattfinden. Aber: „Sollte es entgegen dieser Vorgabe begründete Ausnahmefälle geben, kann es vorkommen, dass einzelne Prüfungen unter Berücksichtigung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln in Präsenz stattfinden,” sagt Prof. Dr. Marion Siegers, Prodekanin für Studium, Lehre und Akkreditierung. „Dies wären dann aber absolute Ausnahmen und keinesfalls die Regel.” Prüfungen sollen nicht verschoben, jedoch zusätzliche Prüfungstage eingeplant werden. Auch Abgabetermine für Hausarbeiten können laut Siegers nach hinten geschoben werden. 

Die Fakultätsleitung von Design, Medien und Information (DMI) teilt mit: Präsenzprüfungen seien prinzipiell zwar noch möglich (Stand 28. Januar), das Department Information hat aber einstimmig beschlossen, alle Prüfungen online stattfinden zu lassen. Im Department Information seien alle Professor*innen der Bachelorstudiengänge einzeln angefragt worden, inwiefern Präsenzprüfungen notwendig sind. Alternativen zu einer Prüfung vor Ort seien Open Book-Klausuren oder mündliche Online-Vorträge. 

Bei Redaktionsschluss lagen noch keine Informationen zu den Departments Design und Medien vor.

Fristverlängerung bei den Abschlussarbeiten

Seit Beginn des Lockdowns sind auch die Bibliotheken geschlossen. Das trifft vor allem Studierende, die wissenschaftliche Abschlussarbeiten schreiben. Die Entscheidungsgewalt liegt hierbei bei den einzelnen Gremien und steht in vielen Fällen noch aus (Stand 3. Februar). Einzelne, wie der Prüfungsausschuss des Departments Information, haben den Studierenden die Bearbeitungszeit um die gesamte Länge des Lockdowns verlängert. In diesem Fall gilt das für Arbeiten, die vor dem 14. Dezember angemeldet wurden. 

Titelfoto: HAW Hamburg

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Wenn man Maximilian Kaiser, Jahrgang 1992, in der Bahn mit Kopfhörern trifft, nickt sein Kopf und die Lippen singen mit. Aber bloß keinen Schlager, denn obwohl er am 11.11. geboren ist, hasst er Fasching. Eigentlich wollte er nach seinem Abitur zum Film. Nach abschreckenden Einblicken in die Branche entschied er sich jedoch dafür, in seiner Heimatstadt München Mediadesign zu studieren. Während seines Studiums entdeckte er seine Liebe für die Fotografie, gerne schön nostalgisch analog. Nach seinem Bachelor bereiste er als Junior-PR-Manager einer Firma für Kommunikationstechnologie afrikanische Länder wie den Sudan und Ghana. In Hamburg will er wieder kreativer werden – für FINK.HAMBURG aber auch privat, wenn er mit Kopfhörern und Kamera die Stadt erkundet. Kürzel: mak
Christina Göhler, 1996 im Emsland geboren, weiß alles über Bier, denn ihr Studium in Siegen - Medienwissenschaft, Literatur, Kultur und Medien - finanzierte sie mit Führungen durch eine Brauerei. Als Praktikantin in einer Produktionsfirma schrieb sie Drehbücher für ein Trash-TV-Format von Sat.1. Für die „Hamburger Morgenpost“ produzierte sie Videos – unter anderem eines, in dem sie gegen einen „Ninja Warrior“-Finalisten antrat und krachend verlor. Schon auf sechs Kontinenten hat Christina mittlerweile ihren Campingkocher aufgestellt, nur die Antarktis fehlt ihr noch. Trotz dieses Freiheitsdrangs lässt Christina sich gerne einsperren – bislang hat sie aber noch jeden Escape-Room geknackt. Kürzel: cgö

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