Auf der Intensivstation des UKE in Hamburg Eppendorf reagiert das Personal auf die Überbelastung: Die Pflegekräfte wollen ab diesem Freitag bis zum neuen Jahr nicht mehr einspringen, wenn Kolleg:innen krank werden.

Die Pfleger:innen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wollen ab Freitag nur noch Dienst nach Vorschrift zu machen. Bereits im November schrieben die Pflegekräfte einen Brandbrief an die Leitung der Universitätsklinik, um aufzuzeigen, dass die Belastung für die Mitarbeitenden zu groß ist. 

In einem weiteren Schreiben an den Vorstand machten die Pfleger:innen am Montag deutlich, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen, also das Sperren von Betten, noch nicht ausreichend sind, um für Entlastung zu sorgen. Sie fordern eine regelhafte und verbindliche Eins-zu-Eins-Betreuung – so wie es die Pflegepersonaluntergrenzenverordnung seit Februar 2021 vorschreibt: eine Pflegekraft für höchstens zwei Patient:innen. Andernfalls könne eine Gefahr für die Erkrankten nicht ausgeschlossen werden.

Das soll aktuell nicht der Fall sein, wie aus dem Schreiben der Pfleger:innen hervorgeht. Die Konsequenz daraus: Ab Freitag wollen die Pleger:innen nur noch „Dienst nach Vorschrift“ machen. Kathrin Restorff von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) erklärt im Gespräch mit FINK.HAMBURG, dass die Pfleger:innen an ihren freien Tagen also nicht mehr einspringen, wenn ihre Kolleg:innen krank sind.

Die Arbeit im Dienst soll nicht betroffen sein und Pfleger:innen werden in Notfällen weiterhin länger bleiben und nicht am Ende ihres Dienstes auf die Minute pünktlich nach Hause gehen, so Restorff weiter. Das neue Vorgehen soll vorerst bis Ende dieses Jahres gelten.

Die Aktion der Pflegekräfte sei keine Überraschung

„Die Forderung der Pflegekräfte kommt nicht überraschend“, so Stefanie Ullmann. Sie ist bei Verdi in Hamburg für die Krankenhäuser zuständig. „Aus dem UKE berichten uns viele Kolleg*innen von einer immer stärkeren Belastung.“ Beim Vorstand seien stetig Überlastungsanzeigen eingegangen. „Als Konsequenz ziehen Pflegekräfte immer häufiger die Flucht aus dem Beruf in Betracht“, so Uhlmann weiter. Der Vorstand des UKE sei in der Verantwortung, diesen Trend zu stoppen.

Auch der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sagt, dass es aktuell große Probleme in der Pflege gibt. Auf Anfrage von FINK.HAMBURG heißt es: „Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass Pflegende des UKE Alarm schlagen. Was wir […] bestätigen können, ist die Wahrnehmung, dass sehr viele Intensivpflegende einfach am Limit oder schon darüber hinaus sind nach den Dauerbelastungen durch die Pandemie – ohne Ruhepause zum Durchschnaufen und Krafttanken.“ Kurzum: Die Lage sei gerade auf den Intensivstationen extrem angespannt, und ein Brandbrief absolut plausibel.

Gespräche mit der Klinikleitung

Das UKE setzt auf den weiteren Austausch mit den Pfleger:innen: „Wir befinden uns seit längerer Zeit mit allen Beteiligten weiterhin in intensiven Gesprächen. Auch konkret zum Thema Entlastung haben bereits Gespräche stattgefunden. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und die Versorgung unserer Patient:innen stehen dabei klar im Vordergrund.“

uhl

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1997 bekam Google seinen Namen – so auch Simon Uhl. Eine weitere Gemeinsamkeit: die Informatik. Aber Google liebt Big Data, Simon setzt sich aktiv dagegen ein. Seine Bachelorarbeit schrieb der gebürtige Stuttgarter über Datenjournalismus und baute ein Google-Street-View für das Stuttgart im Jahr 1942. Die schwäbische Kehrwoche lässt der selbsternannte Chaosmensch lieber ausfallen. Er versichert, dass sein Chaos einer eigenen Ordnung folgt. Simon liebt internationale Filme und geht mehrmals in der Woche ins Kino – für Film- und Musikfestivals reist er überall hin. Seinen Namen konnte er auch schon einmal auf der Leinwand bewundern: Bei einer Fußball-Dokumentation, für die er Kamera und Schnitt gemacht sowie zahlreiche Interviews geführt hat. Sonst schreibt er für nischige Online-Magazine über In-Vitro-Fleisch, Start-ups oder Computer-Hardware. (Kürzel: uhl)