Miniaturfiguren spielen mit Euromünzen. Zwei Figuren heben eine Centmünze hoch, eine sitzt auf einem Stapel Münzen. Auf dem roten Boden unter den Münzen steht „Hartz 4“. Das Bild steht symbolisch für Menschen, die Sozialhilfe beziehen.
2021 waren weniger Menschen auf Sozialhilfen wie Hartz IV angewiesen als im Vorjahr. Foto: wir_sind_klein / Pixabay.

2021 bezogen in Hamburg weniger Menschen Hartz IV als noch im Vorjahr. Das teilte das Jobcenter am Mittwoch mit. Die Zahl der Bezieher:innen von Sozialhilfe ist damit fast auf dem Stand wie vor der Pandemie.

Viele Menschen zwang die Pandemie in die Sozialhilfe. Ob in Kunst, Gastronomie oder der Eventbranche – vor allem Selbstständige trafen die Lockdowns hart. Sie verloren ihre Jobs, bekamen keine Aufträge mehr und konnten die Miete, die Stromrechnung oder den Einkauf nicht mehr bezahlen. 2020 mussten deshalb viele Hamburger:innen Sozialhilfen beantragen. Doch im vergangenen Jahr kehrten einige in den Arbeitsmarkt zurück. Rund 27.000 Hamburger:innen fanden eine neue Arbeit. Jeder zweite Selbstständige meldete sich 2021 aus dem Hartz-IV-Bezug wieder ab.

Pandemie sorgt für unsicheren Arbeitsmarkt

Das teilte das Jobcenter Hamburg am Mittwoch in seiner Statistik für 2021 mit. Damit beziehen noch immer mehr Menschen Sozialhilfe als vor der Pandemie. Doch der pandemiebedingte Anstieg konnte zu 90 Prozent abgebaut werden. Allerdings bleibt der Arbeitsmarkt unsicher: Die Omikron-Variante lässt die Infektionszahlen aktuell so hoch steigen wie noch nie in Hamburg. Es ist ungewiss, welche Maßnahmen die Politik in den nächsten Wochen beschließen wird und wie sich diese auf den Arbeitsmarkt auswirken werden. Gut möglich also, dass die Zahl der Sozialhilfebezieher:innen 2022 wieder steigen.

Fast jeder zehnte Haushalt auf Sozialhilfe angewiesen

Insgesamt sind aktuell mehr als 183.000 Hamburger:innen auf Sozialhilfe angewiesen. Sie sind arbeitlos, verdienen zu wenig oder ihre Rente reicht nicht zum Überleben. Diese rund 95.000 Haushalte benötigen finanzielle Hilfe, um die grundlegenden Dinge des täglichen Lebens bezahlen zu können: Wohnung, Wasser, Strom und Lebensmittel. Das betrifft fast jeden zehnten Haushalt in Hamburg. Dafür zahlte das Jobcenter Hamburg 2021 rund 1,4 Milliarden Euro, das Meiste davon für Hartz-IV-Bezüge.

Sozialhilfe reicht für steigende Energiepreise oft nicht aus

Doch immer öfter reichen diese Hilfen nicht aus, um die Kosten zu decken. Ende Dezember wies die Präsidentin der Caritas, Eva Maria Welskopp-Deffaa, auf die drohende Energiearmut vieler Menschen hin. Durch die steigenden Energiepreise könnten immer weniger Bezieher:innen von Hartz IV ihre Rechnungen bezahlen. Eine Umfrage habe ergeben, dass 88 Prozent der Hartz-IV-Bezieherinnen in Deutschland Schulden durch Energiekosten hätten. Zudem leben einkommenschwache Menschen oft in schlecht sanierten Wohnungen mit veralteten Heizsystem. Energieffiziente Geräte oder Umbauten könnten sich viele nicht leisten. Das treibe ihre Energiekosten zusätzlich in die Höhe.

lau/dpa