Der Festivalsommer ist gestartet. Corona-Auflagen gibt es keine mehr. Also alles wie früher? Die Veranstalter vom MS Dockville und Reeperbahn Festival erklären, was sich verändert hat und wie sie die Leute wieder auf und vor die Bühne kriegen wollen.

Text von Mirjam Bär und Laura Reichhart | Foto: Axel Schilling

Corona hat die Veranstaltungsbranche in den vergangenen zwei Jahren – gelinde gesagt – vor große Herausforderungen gestellt. Dauernd stellte sich die Frage neu: Was darf wo stattfinden und wie viele Gäste sind erlaubt? Auch in Hamburg haben sich die Bestimmungen immer wieder geändert. Viele Konzerte und Festivals in Hamburg mussten abgesagt oder verschoben werden – teilweise mehrmals hintereinander. Clubs mussten zeitweise komplett schließen.

Mittlerweile sind alle Restriktionen in Clubs, Bars und bei Open Airs gefallen. Der Festivalsommer 2022 hat begonnen. Was hat sich durch Corona verändert? Und wie geht eigentlich nochmal Festival? Darüber haben wir mit den Veranstaltern des MS Dockville Festivals und des Reeperbahn Festivals gesprochen: Eike Eberhardt und Alexander Schulz.

Pandemiegerechte Festivals in Hamburg

Eike Eberhardt ist im Kommunikationsteam bei der Eventagentur Kopf und Steine für Festivals wie das MS Dockville, MS Artville, Spektrum und das Habitat verantwortlich. Letztes Jahr konnte die Agentur mit staatlicher Unterstützung trotz Pandemie das Fast ein Festival umsetzen.

Alexander Schulz ist Geschäftsführer der RBX GmbH, die das Reeperbahn Festival veranstaltet und Festivalleiter des Elbjazz Festivals. Letzteres fand am 3. und 4. Juni wieder normal statt. In den Jahren 2020 und 2021 fanden außerdem pandemiegerechte Versionen des Reeperbahn Festivals statt.

Alles wie vorher? 

Die Pandemie hat die Eventbranche nachhaltig verändert. Vor allem auf Personalebene kommt es zu Engpässen.

Laut Eike Eberhardt ist davon besonders die Gastronomie betroffen: „Gerade bei den Bars und ähnlichen Gastro-Angeboten merken auch wir, dass gerade weniger Leute in diesem Bereich arbeiten.“ Alexander Schulz vom Reeperbahn Festival wird da deutlicher: „Die Leute sind einfach weg.“

Viele Selbstständige aus Ton- und Lichttechnik, Personaldienstleistung und Security hätten sich während der Pandemie beruflich umorientiert. Beim diesjährigen Elbjazz Festival habe man die Personalengpässe schon deutlich bemerkt. „Wenn die Grönemeyer-Tour nicht abgesagt worden wäre, hätten wir nicht genug Leute gekriegt“, so Schulz.

Neue Anforderungen an das Marketing

Aber nicht nur bei den Veranstalter*innen, auch bei den Gästen stellen sich neue Frage. Etwa: Wie geht eigentlich nochmal Festival? Und will ich jetzt schon wieder auf eine Großveranstaltung?

Viele Menschen halten sich mit Ticketkäufen noch zurück. Das gilt besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Sommerwelle. Für das Elbjazz Festival wurde daher laut Schulz der Outdoorfaktor stärker in den Fokus gerückt. „Wir haben oft darauf hingewiesen, dass wir überwiegend draußen stattfinden – und auf das Besondere eines Konzerterlebnisses. Als müsste man es neu erklären“, sagt Schulz.

Kurzfristiges Booking

Auch das Buchen von Bands habe sich verändert. „Das war ganz schwierig, vor allem mit außereuropäischen Künstler*innen“, so Schulz. Für das Reeperbahn Festival im September 2022 starteten die Bookings bereits im November 2021. „Und da war es eigentlich unmöglich, vernünftige Aus- oder gar Zusagen zu bekommen.“ Künstler*innen würden jetzt viel kurzfristiger gebucht als in den Vorjahren. „Man musste mit viel mehr Unwägbarkeiten rechnen“, sagt auch Eike Eberhardt. „Uns sind auch Bands sehr kurzfristig abgesprungen.“

Festivals in Hamburg: Aus der Krise lernen

Das Team von Kopf und Steine und Reeperbahn Festival haben Erkenntnisse aus der Krise gezogen. Etwa, dass es möglich und wichtig ist, Inhalte digital anzubieten und generell digitaler im Team zusammenzuarbeiten. Trotzdem könnten Livestreams und Zoom-Konferenzen das reale Erlebnis nicht ersetzen. Bei Gesprächen in Präsenz „kommt man zu ganz anderen Ideen“, so Schulz.

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Und jetzt? Auf Los geht’s los!

Mit welchem Gefühl gehen die Veranstalter*innen also jetzt in den Festivalsommer? Bei Eike Eberhardt ist es „eine Mischung aus Ungeduld, Vorfreude und Dankbarkeit: Endlich wieder und endlich wieder so.“ Alexander Schulz freut sich auf „absolute Ausgelassenheit“ und Menschen endlich wieder persönlich zu treffen. „Es ist nun mal ein ‚people’s business'“, sagt er.

Der Sommer: Festivals in Hamburg

17. Juni – 3. Juli: Altonale
1. – 3. Juli: Stamp
6. August: Spektrum
19. – 21. August: MS Dockville
20. August: Elbriot
21. – 24. September: Reeperbahn Festival

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