Sultan Al Jaber, Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate übergibt Robert Habeck eine Testlieferung mit Wasserstoff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten
Sultan Al Jaber, Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate übergibt Robert Habeck eine Testlieferung mit Wasserstoff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Foto: Marcus Brandt/dpa

Die erste Lieferung von Wasserstoff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ist in Hamburg angekommen. Das Projekt ist bei Menschenrechts- und Naturschutzaktivist*innen umstritten.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat am Freitag die erste Wasserstoff-Lieferung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) in Hamburg in Empfang genommen. Auf dem Gelände des Hamburger Kupferherstellers Aurubis öffnete er symbolisch den Gashahn für den achtwöchigen Testlauf.

Der Testlauf bildet den Auftakt für weitere Lieferungen, die Habeck im Frühjahr bei einer Reise in die Golfstaaten vereinbart hatte. Ziel ist der Aufbau einer Wertschöpfungskette zwischen Deutschland und den VAE. In Deutschland werde eine eigene Produktion von grünem Wasserstoff aufgebaut, so Habeck. “Aber natürlich brauchen wir vor allem auch Wasserstoff aus Importen.” Grüner, also mit erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff soll künftig dazu beitragen, dass die Industrie auf fossile Brennstoffe in der Produktion verzichtet.

Der Industrieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Sultan Al Jaber, war ebenfalls anwesend und betonte, dass sein Land viel in die Entwicklung der Wasserstoff-Technologie investiert habe. Zusammen mit den deutschen Partnern soll diese auch weiter vorangetrieben werden. Habeck hatte Mitte März in Abu Dhabi mehrere Kooperationen zur Versorgung mit Wasserstoff unterzeichnet.

Wasserstoff noch nicht klimaneutral

Bei der ersten Testlieferung aus den VAE handelt es sich noch um sogenannten blauen Wasserstoff. Im Gegensatz zu grünem Wasserstoff wird dieser mit Erdgas erzeugt. Bevor Wasserstoff verschifft wird, wird er zusammen mit Stickstoff zu der Verbindung Ammoniak verarbeitet. Ammoniak ist effizienter in Lagerung und Logistik als das Element Wasserstoff. Der von der Abu Dhabi National Oil Company gelieferte Wasserstoff wurde in Form von Ammoniak verschifft und im September in den Hamburger Hafen transportiert.

Den Wasserstoff in Hamburg wird Aurubis für einen ersten Testlauf zur klimaneutralen Umstellung der Kupferdrahtproduktion einsetzen. “Wir wollen klimaneutral produzieren – und das deutlich vor 2050”, sagte Aurubis-Chef Roland Harings.

Der Hamburger Senat will die Hansestadt zu einem Wasserstoff-Hub machen und plant den Aufbau einer eigenen Herstellung. “Hamburg hat das Ziel, ein führender Wasserstoffstandort in Europa zu werden”, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Der Hafen biete beste Voraussetzung für Import und Vertrieb von regenerativen Energieträgern.

Kritik von Umweltschützern und Menschenrechtlern

Kritik an der ersten Ammoniak-Testlieferung äußerte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). “Die Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas verbraucht enorme Mengen an Erdgas nicht nur für das Endprodukt, den Wasserstoff, sondern auch für den Herstellungsprozess unter hohem Druck und hoher Hitze”, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Lucas Schäfer. Dazu komme der Energieverlust für die Umwandlung von Wasserstoff in Ammoniak für den Transport sowie für die CO2-Abscheidung und die unterirdische Speicherung des Treibhausgases. Insgesamt sei blauer Wasserstoff damit um mehr als 20 Prozent klimaschädlicher als die direkte Verbrennung von Kohle oder Erdgas.

Der BUND fordert eine konsequente Beschränkung der Wasserstofftechnologie auf wirklich grünen, aus erneuerbaren Energiequellen hergestellten Wasserstoff. „Aber erst wenn alle Möglichkeiten der Einsparung sowie der effizienten Nutzung ausgeschöpft sind und ausreichend Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht, ist die sündhaft teure Verwendung von Wasserstoff vertretbar“, so Schäfer.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und ihre Mitglieder Abu Dhabi und Dubai stehen auch regelmäßig in der Kritik wegen der Verletzung von Menschenrechten. Im März 2021 kritisierte die Bundestagsfraktion der Grünen in einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung “… dass die Menschenrechtsbilanz des Landes nach wie vor düster und die emiratische Gesellschafts- und Innenpolitik alles andere als fortschrittlich ist. Bürgerliche und politische Rechte sind stark eingeschränkt, und friedliche Andersdenkende werden durch nicht rechtsstaatliche Prozesse häufig zu hohen Haftstrafen verurteilt.”

dpa/jkh

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Julian Khodadadegan, 1993, liebt das Theater. Und wie in jedem guten Theaterstück hat sein beruflicher Werdegang viele Wendungen. Im ersten Akt macht er in Hamburg ein FSJ und will Erzieher werden. Dann wendet sich das Blatt, er vermisst das Schreiben und beginnt in Lingen Kommunikationsmanagement zu studieren. PR soll es werden. Akt drei: Julian entdeckt seine Leidenschaft für den Journalismus. Nach einem Praktikum beim „Stadtblatt Osnabrück“ arbeitet er dort zwei Jahre, interviewt Lokalpolitiker:innen und schreibt Theaterrezensionen. Nebenbei ist er Regieassistent bei einem Amateurtheater. Akt vier spielt, wieder an der Elbe, in der FINK.HAMBURG-Redaktion. Julian widmet sich im Masterstudiengang Digitale Kommunikation voll und ganz dem Journalismus. Vorhang. Pause. Das Ende des Stücks ist noch nicht geschrieben … Kürzel: jkh