Das Bild zeig ein Schild am inoffiziellen Semra-Ertan-Platz auf St. Pauli.
Das Schild am inoffiziellen Semra-Ertan-Platz auf St. Pauli. Foto: Luise Beyer

Die türkische Schriftstellerin Semra Ertan ist vor 44 Jahren in Hamburg verstorben. Am Wochenende findet eine Gedenkfeier auf St. Pauli statt.

Semra Ertan war eine türkische Schriftstellerin, die sich am 26. Mai 1982, ihrem 25. Geburtstag, in Hamburg aus Protest selbst verbrannt hat. Sie wollte damit auf den wachsenden Rassismus in Deutschland aufmerksam machen. Heute wäre ihr 69. Geburtstag, am Wochenende wird es eine Gedenkfeier geben.

Semra Ertan zog im Alter von 15 Jahren nach Kiel zu ihren Eltern, die als Arbeitsmigrant*innen nach Deutschland kamen. Sie schrieb über 350 Gedichte über ihr Leben und ihre Erfahrungen in Deutschland und setzte sich gegen Diskriminierungen und soziale Ungerechtigkeit ein. 2020 wurde ihr Gedichtband Mein Name ist Ausländer | Benim Adım Yabancı von ihrer Schwester und Nichte im Edition Assemblage Verlag veröffentlicht.

Politisch motivierter Suizid

Ertan war vor ihrem Tod bereits in mehrere Hungerstreiks getreten und hatte ihre geplante Verbrennung beim NDR und ZDF angekündigt. Wenige Tage vor ihrem politischen Suizid adressierte sie in einem Interview mit dem NDR die deutschen Behörden und forderte eine bessere Behandlung von sogenannten Gastarbeiter*innen.

Aufruf zur Gedenkfeier am 30. Mai 2026 am Semra-Ertan-Platz. Foto: Luise Beyer
Aufruf zur Gedenkfeier am 30. Mai 2026 am Semra-Ertan-Platz auf St. Pauli. Foto: Luise Beyer

Die “Initiative in Gedenken an Semra Ertan” lädt für Samstag, den 30. Mai, zu einer Gedenkfeier ein. Diese wird ab 14 Uhr an der Ecke Clemens-Schultz-Straße, Detlev-Bremer-Straße und Annenstraße, dem inoffiziellen Semra-Ertan-Platz, stattfinden. Dort hatte sich Ertan vor 44 Jahren das Leben genommen. Der Platz ist zwar bisher nicht nach ihr benannt, doch am 13. Februar 2025 hatte sich die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte mit einer großen Mehrheit für die offizielle Benennung des Platzes ausgesprochen. Weitere Schritte für die Umsetzung stehen allerdings noch aus.

isi

Luise Mia Beyer, Jahrgang 2002, liebt ihren Geburtsort St. Pauli, war aber schon viel unterwegs. Als Pfadfinderin wanderte sie quer durch Europa, mit einem Holzboot reiste sie in Indonesien von Insel zu Insel, in ständiger Angst vor einer Havarie. In Norddeutschland betreute sie Kinderschauspieler*innen auf einem Filmset und in Hamburg lieferte sie im Smart Pizza aus. Ihren Spaß am Skifahren und Surfen verband sie an der Leuphana mit Social Media: Sie produzierte Reels über Hochschulsportreisen. Nach dem Bachelor in Kulturwissenschaften machte sie ein Praktikum im Bereich Kultur- und Wissenschaftskommunikation bei Holtzbrinck Berlin. Beim Goethe-Institut in San Francisco betreute Luise die digitale Kommunikation und wohnte drei Monate im Turm der Feuerwache aus "The Princess Diaries". Jetzt, endlich, lebt sie wieder auf dem
Kiez. Kürzel: isi

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