Hamburg droht ein Verkehrschaos, sollten die Olympischen Spiele kommen. Das Mobilitätskonzept der Stadt setzt auf das Prinzip Hoffnung. Bestes Beispiel: Eine geplante Hyperloop-Verbindung.

Hamburger*innen hassen diesen Trick: Ein Großevent beginnt und mit dem Schauspiel sind die Straßen und Bahnsteige der Stadt hoffnungslos überfüllt. Verschwitztes Gedränge in den Bahnen inklusive. Wenn dann noch eine Störung auftaucht, geht gar nichts mehr. Nun möchte sich die Stadt Hamburg für Olympische Spiele bewerben. Sie möchte nicht, sie will – der omnipräsenten Werbekampagne im öffentlichen Raum zufolge. Da hat sie sich doch sicherlich ein ausgeklügeltes Mobilitätskonzept zurechtgelegt?

In Paris standen laut Statista 2024 immerhin zehn Millionen Tickets zum Verkauf, hinzu kamen zehntausende Sportler*innen, Helfer*innen und Journalist*innen, die in die Stadt strömten. Die Mehrheit wird mit dem Flugzeug anreisen. Das wird der Flughafen in seiner heutigen Form kaum bewältigen können, denn es fehlen Landebahnen, wie der NDR berichtet. Das Konzept sieht daher vor, dass andere Flughäfen mit frequentiert werden, darunter Frankfurt, Berlin und sogar Kopenhagen. Die Reisenden sollen von dort per Zug anreisen. Ganz schön aufwendig.

Letztendlich verlagert sich dadurch nur das Problem der nicht ausreichenden Kapazitäten. Denn der Hamburger Hauptbahnhof hat schon heute täglich mit Überfüllung zu kämpfen. Das Konzept beachtet dieses Problem nicht. Im Endeffekt muss bereits heute ein Neubau oder zumindest ein großflächiger Umbau des Hauptbahnhofs her, sagte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) dem „Hamburger Abendblatt“. Ein riesiges Unterfangen, das bis 2036 umgesetzt werden müsste, falls Hamburg den Zuschlag für dieses Jahr erhält. Deutschlands Erfahrungen mit dem Einhalten von Zeitplänen großer Mobilitätsprojekte stimmen wenig hoffnungsvoll. Siehe Stuttgart. Siehe Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin.

Das Hyperloop-Experiment

Für die Verbindung nach Kiel, wo ebenfalls Olympia-Wettbewerbe stattfinden sollen, hat sich Hamburg den Bau einer Hyperloop-Strecke vorgenommen. Der Hyperloop ist eine Art Zug in einer luftleeren Röhre, der durch den fehlenden Luftwiderstand extrem hohe Geschwindigkeiten erreichen kann. Allerdings steckt das Konzept, das ursprünglich von Elon Musk entwickelt wurde, noch in den Kinderschuhen und man müsste ein komplett neues Streckennetz aufbauen. Der Hauptbahnhof würde durch einen neuen Hyperloop-Bahnhof entlastet. Und trotzdem: Muss das sein, wenn die Fahrt mit der Bahn nach Kiel bereits heute nur eine Stunde dauert? Die vorhandene Zugstrecke auszubauen, wäre um viele Milliarden günstiger.

Ein weiteres Megaprojekt ist die neue U-Bahn-Linie U5. Sie soll ab 2040 die Arenen rund um das Volksparkstadion mit der Innenstadt verbinden. Ein straffer Zeitplan, der trotzdem für eine Austragung der Spiele in 2036 nicht schnell genug wäre. Wenn die U-Bahnlinie nicht rechtzeitig fertig wird, müssten Zuschauer*innen mit der S-Bahn fahren und in Busse umsteigen. Ein Durcheinander bei sommerlichen Höchsttemperaturen ist absehbar.

Das Pariser Verkehrs-Wunder

Fairerweise gab es bei den Spielen in Paris ebenfalls große Bedenken was das Verkehrskonzept anging. Die U-Bahnen waren bereits mit dem Alltagsverkehr überfordert. Zusätzlich war lange nicht klar ob die neue U-Bahnlinie zum olympischen Dorf rechtzeitig fertig wird. Doch dann die Überraschung: Die neue Verbindung stand einen Monat vor der Eröffnungsfeier und die Métro Paris bekam Bestnoten von den Besucher*innen. Allerdings hat Paris 14 verschieden U-Bahnlinien, kaum vergleichbar mit dem Netz Hamburgs. Gleichzeitig wurde in Frankreichs Hauptstadt über Jahre der Radverkehr gestärkt und der Autoverkehr aus der Innenstadt gedrängt. Das sieht in Hamburg anders aus.

Hoffen auf Geld und Tempo

Über allem schwebt die Frage der Finanzierung: Die Stadt hofft auf viel Geld vom Bund. Fraglich ist, wie viele Milliarden der Bund für die Mobilitätsprojekte übrig hat. Es wirkt so, als wolle Hamburg nicht Olympia, sondern die Milliarden, die an dem Projekt dranhängen, um ohnehin geplante Großprojekte schneller voranzubringen.

Was haben Amsterdam und Hamburg gemein? Neben Hafen und Klinker jetzt auch noch Vincent Pelkmans, Jahrgang 2000. Der gebürtige Amsterdamer war als Kind schon vor der Kamera: in der niederländischen "Sesamstraat". In Münster studierte Vincent Niederlande-Deutschland-Studien. Parallel lernte er im Campusradio Rundfunkjournalismus und wurde dort schließlich Chefredakteur. Vincent versteht Dinge gern so gut, dass er sie anderen erklären kann. Deswegen sieht er auch in seiner Freizeit gerne Dokumentationen, von True Crime bis Kolonialgeschichte. Jetzt
will er am liebsten selbst welche machen - vielleicht über den Hamburger Hafen.
Kürzel: vip

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