Im Rahmen der Tanztriennale läuft in der Hamburgischen Staatsoper das Ballett „Wunderland“. Choreograf Alexei Ratmansky hat auf Grundlage des Klassikers „Alice im Wunderland“ ein mitreißendes Tanzstück geschaffen.
Alice ist stumm, der Hutmacher ebenso. Überhaupt fällt in dieser Version des Klassikers „Alice im Wunderland“ kein einziges Wort. Der Tänzer und Choreograph Alexei Ratmansky, der in Moskau ausgebildet wurde, als erster Solist beim Ukrainischen Nationalballett tanzte und nach Putins Angriffkrieg in den Westen floh, inszenierte die Geschichte von Lewis Carrolls als Ballettstück in zwei Teilen. Die heimlichen Helden des Abends sind das weiße Kaninchen – und die Person, die für die Auswahl der Farben von Bühnenbild und Kostümen zuständig war.
Im Takt des Traums
Die beiden Bücher „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ umfassen zusammen 280 Seiten. Viele Worte, bei denen jedoch das meiste zwischen den Zeilen gesagt wird. Ganz ohne Worte kommt die Interpretation von Alexei Ratmansky aus. Es sprechen die Körper. Und die Kulisse.

Das Stück „Wunderland“ erzählt von einem neugierigen Mädchen namens Alice, das einem weißen Kaninchen folgt und dadurch in eine traumartige Abenteuerwelt eintaucht. Sie wächst und schrumpft auf zauberhafte Weise, trifft skurrile Figuren und wird in der Traumwelt in absurde Spiele hineingezogen. Etwa in das Krocket-Spiel der Herzkönigin, bei dem lebende Flamingos als Schläger verwendet werden. Es gibt keine festen Regeln und die Königin lässt jeden Untertanen köpfen, der auch nur im Ansatz zu gewinnen droht.
Ein zeitgenössischer Blick auf das Ballett
Kann ein Balletstück albern und elegant zugleich sein? „Wunderland“ gelingt das. Bestes Beispiel sind die Tweedledums, jene identische Zwillinge, die sich in der Buchvorlage ständig gegenseitig ins Wort fallen und Gedichte oder Lieder vortragen. Ihr Auftreten ist skuril, gewinnt jedoch nicht an Eleganz durch ihren Tanz.

Und dann ist da noch die Gegenüberstellung zweier gestalterischer Welten: Während die Kostüme größtenteils in Balletttradition in pastelligen Farbtönen gehalten sind, setzen die Hintergründe auf Kraft: Indigo-Blau und Chrom-Orange. Sie verankern die Inszenierung sichtbar in der Gegenwart.
Ergänzt wird das Stück durch multimediale Elemente, die eine surreale Traumwelt entstehen lassen. Auf einer großen LED-Wand hinter einer geöffneten Haustür auf der Bühne erscheint ein überdimensionales Auge. Durch seine enorme Größe wirkt es stark verfremdet und verstärkt das Gefühl permanenter Überwachung. Das multimediale Element hebt die surreale und fantasievolle Wirkung der Inszenierung hervor.
Heimlicher Hauptstar ist das weiße Kaninchen mit seinen überzeichneten Gesten. Es taucht immer wieder auf und hüpft in großen Sprüngen um Alice herum. Der Charakter führt neben Alice als Leitfigur durch den Abend.
Große Bilder, leise Dramaturgie
Trotz der starken Bilder kommen manche Gefühle zu kurz. Die auffällige Bildsprache und das wechselnde Bühnenbild sind manchmal wie ein Holzhammer, dadurch verliert das Stück an dramaturgischer Spannung. Nach der Pause ist die Handlung in die Länge gezogen. Der Abend endet in einer Aufreihung einzelner Charaktere.

Choreograf Alexei Ratmansky gilt als Meister der Verbindung von klassischer Balletttechnik und zeitgenössischer Inszenierung. Der in Russland geborene Ukrainer brach sein künstlerisches Wirken in Moskau ab, als Russland die Ukraine angriff. Für den Westen ist dies kulturell ein Gewinn.
Immer neue Food-Culture kennenlernen, mit einer Freundin ein Unternehmen gründen, einmal das Spiegel-Gebäude von innen sehen – das sind nur einige von Tabea Hofmanns Zielen. Sie wurde 2001 in Stuttgart geboren, zog von dort nach München und studierte im Bachelor “Fotodesign”. Zeitgleich arbeitete sie beim BR für die Sendung “Lebenslinien” und fotografierte dafür etwa eine Holocaust-Überlebende. Bei Leica war sie für ein Praktikum in der Art Direktion. Heute arbeitet sie bei Next Media Hamburg und ist selbstständige Fotografin. Von ihrem ersten Gehalt kaufte sie sich ein Rennrad und fuhr damit um den Starnberger See. In Bayern rannte Tabea Berge hoch, von Hamburg aus arbeitet sie an ihrem nächsten Ziel: einen Watt-Marathon vor Cuxhaven laufen.
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