Im Juni hat der Katzentempel einen neuen Standort am Holstenwall eröffnet. Und das, obwohl schon drei Standorte der tierischen Gastro-Kette geschlossen werden mussten. Mau. Wir waren vor Ort und haben mit den Betreibern über ihr Konzept gesprochen.
„Ich kann heute nicht arbeiten“, sagt Emma Jenrich und zeigt auf die schwarz-orange gefleckte Katze auf ihrem Schoß. Jenrich ist Mitarbeiterin im Katzentempel am Holstenwall. Und Pauli lässt sich genüsslich von ihr den Kopf kraulen. „Ist okay“, antwortet Kollege Nikola Petrovic. „Bist halt jetzt gefeuert“, sagt er mit amüsierter Stimme.

Es ist Jenrichs erster Tag im Katzentempel Holstenwall. Der Tag, an dem das Café eröffnet wird. Sie wurden zuvor, wie auch die anderen Mitarbeiter*innen, am Standort in der Hafencity eingearbeitet.
Sechs Katzen leben im Tempel: Toni, Wilmi, Herr von und zu Hausen, Pauli, Geordi und Eppi. Sie sind alle ungefähr ein Jahr und drei Monate alt und stammen aus der Filiale in Köln, die im November 2025 aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste. Ursprünglich hat die Tierschutzorganisation Cops Cats sie von den Straßen Zyperns gerettet, erzählt Aaron Kallus, Besitzer des Katzentempels am Holstenwall.
Im Raum verteilt sind Bäume und Bretter an der Wand befestigt. Die Mitarbeiter*innen nennen sie „Catwalks“, an denen die Katzen bis zur Decke klettern können. „Maus, nicht meinen Kaffee trinken“, sagt Petrovic, als Herr von und zu Ottensen auf den Tresen springt.
Vor etwas mehr als dreieinhalb Jahren war Kallus von Beruf noch Chemikant. Mit seiner Freundin besuchte er den Katzentempel München. „Ich habe mich reingesetzt, habe gesehen, oh hier sind Katzen und es gibt veganes Essen“, sagt er zu diesem ersten Erlebnis. Er habe die Speisekarte aufgeklappt und einen QR-Code gesehen. „Bewirb dich und werde Franchise-Partner“, habe dort gestanden. „Es hat keine zehn Sekunden gedauert, da hatte ich das Formular ausgefüllt“, sagt Kallus.
Ein ganz normales Café – mit einer Besonderheit
„Wir sind der Katzentempel, eigentlich ein ganz normales Café oder Restaurant. Bei uns gibt es vegane Speisen – und Katzen aus dem Tierschutz, die dort leben und in deren Gegenwart man essen und trinken darf“, sagt Thomas Leidner, CEO des Franchiseunternehmens, das mittlerweile 18 Standorte in Deutschland hat, im Telefongespräch mit FINK.HAMBURG. Für die Gründer*innen endet Tierschutz nicht bei den Katzen: „Wenn ich eine Katze streichle, muss ich kein Schwein essen, sondern kann eine tolle pflanzliche Alternative wählen“, so Leidner.
Er hat die Kette 2013 zusammen mit Kathrin Karl gegründet, außerdem führen die beiden auch den Katzentempel in München. In den Katzentempeln wird laut Leidner die Katze in den Vordergrund gestellt und Besucher*innen ein Ort angeboten, an dem sie mal zur Ruhe kommen können.
An jedem Standort gibt es einen Katzenkönig, in dem steht, was im Umgang mit den Katzen wichtig ist. Sie haben auch eine Ausgabe für jüngere Gäste. Die Mitarbeiter*innen sind sensibilisiert und geschult zu beobachten, wie die Gäste mit den Katzen umgehen: „Wenn wir merken, dass da jemand zu euphorisch ist und gerade das Verhalten der Katze falsch interpretiert, intervenieren wir sofort“, sagt Leidner.
Mieten Sie sich Katzencafés nicht?
In Hannover, Köln und Erlangen ist das Konzept nicht aufgegangen. Diese drei Tempel mussten in den letzten Jahren schließen – aufgrund von Insolvenz. Und auch in Erlangen, Regensburg und Nürnberg gab es Probleme. Es liegen noch andere Gründe vor: Ein Betreiber hatte sich mit mehreren Filialen übernommen. Hätte man sich nur auf einen Standort konzentriert, hätte der Standort vielleicht nicht schließen müssen, mutmaßt Leidner.
Die Standorte in Nürnberg und Regensburg konnten mit anderen Partnern weitergeführt werden. Das Leipziger Team hat den Standort in der Hafen City Hamburg festgelegt, nachdem dieser für ein knappes Jahr geschlossen werden musste – aufgrund von „operativen Fehlern und Investitionsentscheidungen“, heißt es auf der Website. In Köln waren die Partner branchenfremd, was zu Problemen führte. Die Katzen kamen zu Privatpersonen oder, wie im Fall des Kölner Tempels, in andere Standorte der Gastrokette.
Rentieren Sie sich Katzencafés auch nicht? „Wir haben immer noch 15 Standorte, es werden sogar 18 Uhr Ende des Jahres sein“, sagt Leidner. „Wir sehen, dass es läuft.“ Die Standorte in Leipzig sind am vermietbarsten, aber auch Berlin und Heidelberg laufen gut. Das Team hat jedoch Lehren aus den Schließungen gezogen und will in Zukunft nur mit Menschen zusammenarbeiten, die viel Gastronomie-Erfahrung haben.
So soll verhindert werden, dass in Zukunft wieder Standorte geschlossen werden müssen. Auch den Auswahlprozess für die Franchise-Lizenzen haben sie neu definiert. Die Investitionskosten müssen im Verhältnis zur Größe stehen, es muss genug Personal geben und die Partner*innen müssen am Unternehmerischen als auch der Gastronomie Spaß haben und sich gut vernetzen, um Gäste anzuziehen. „Aber es ist kein Selbstläufer“, sagt Leidner.
Sind Katzencafés belastend für die Tiere?

In England gibt es eine Organisation, die Royal Society for the Prevention of Cruelty to Animals (RSPCA), die die Abschaffung von Katzencafés fordert. Sie glaubt, dass die Tiere dort auf Dauer unglücklich sind. „Da sie von einzelgängerischen, territorialen und umherstreifenden Wildkatzen abstammen, spüren sie die erzwungene Nähe zu anderen Artgenossen – ebenso wie zu fremden Besuchern, die sie streicheln möchten – aller Wahrscheinlichkeit nach als äußerst belastend“, schreibt die Organisation. Sie erklärt lediglich, dass es schwierig sei, das Wohlbefinden von Katzen festzustellen, weil sich das Unglück bei Katzen oft sehr subtil äußerlich anhört.
Leidner versteht die Kritik und sagt: „Teilweise haben sie recht, wenn zum Beispiel die Location zu klein ist“. In England zum Beispiel gibt es keine klare Gesetzeslage, die eine Mindestanzahl von Quadratmetern für Katzen vorschreibt – insbesondere das wird von der RSPCA kritisiert. In London zum Beispiel gibt es Katzencafés, in denen die Besucher*innen Eintritt bezahlen, zum Beispiel im Java Whiskers. Das generiere eine Erwartungshaltung, so Leidner. Elementar für ihn sind große Flächen und eine begrenzte Anzahl an Katzen, damit sie sich aus dem Weg gehen können. Beim Katzentempel leben auf 100 bis 120 Quadratmetern fünf bis sechs Katzen. Die verfügbare Mindestgrundfläche in Deutschland für ein bis zwei Katzen muss laut eines Schreibens der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. 20 Quadratmeter betragen. Das entspricht mit sechs Katzen mindestens 120 Quadratmetern, was der Katzentempel laut Leidner einhält.
Sven Fraaß ist Leiter der Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e.V. und hatte bereits mit dem Katzencafé Katers Köök in Hamburg zu tun. Er schreibt: „Wenn wenige Katzen zu sehen sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es viele Rückzugsmöglichkeiten gibt.“ Diesen Rückzugsort mit Schlafplätzen und Toiletten bietet auch die Filiale am Holstenwall. Er ist nur für das Personal zugänglich.
Was sagt der Tierschutz?
Katzencafés können laut Fraaß ein geeignetes Lebenskonzept für bestimmte Katzen sein. „Das ist vor allem abhängig von Sozialisierung und Charakter der Katze, Fachkunde der betreuenden Personen und den örtlichen Begebenheiten“, schreibt er. Die Tierhaltung in Cafés muss vom Veterinäramt kontrolliert werden. „Wenn die Veterinärärzte sehen würden, dass es den Katzen schlecht geht, dann würden sie sowas nicht dulden“, sagt auch Betreiber Leidner.
Auch intern wird geprüft. Viermal im Jahr kommt ein Experte des Franchise in jede Filiale, so die Betreiber. So sollen langfristig Schließungen vermieden werden, weil Betreiber*innen mit den Bedingungen im Gastronomie-Gewerbe alleine nicht zurechtkommen. Außerdem wird geprüft, wie die Betreiber*innen mit den Katzen umgehen – ob sie langsam auf die Katzen zugehen und sie kommen lassen. „Wir sind zu Gast bei den Katzen. Wir dürfen uns in ihrer Gegenwart aufhalten. Und wir sind dann eher die netten Angestellten, die die Toiletten sauber machen und schauen, dass es ihnen gut geht“, sagt Leidner über die Rolle der Mitarbeitenden.
Für geeignete Katzen sei der Aufenthalt dort sicherlich deutlich besser als im Tierheim, schreibt Fraaß vom Tierheim an der Süderelbe. Mit dem Hamburger Katzencafé Katers Köök hat der Tierschutz sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Katers Köök musste dieses Jahr jedoch schließen, da die Arbeit in der Gastronomie zu herausfordernd für das Team war, schreibt es auf der Webseite.
Ob eine Katze es in Cafés besser hat als bei Privatpersonen, könnte Fraaß pauschal nicht bewerten. Aber er ist sich sicher, dass viele Menschen ihre Katzen wesentlich schlechter als in einem geprüften Café behandeln – das Leben im Privathaus bleibe schließlich verborgen.
Katzentempel Holstenwall

Dreieinhalb Jahre haben Kallus und Leidner nach einer Immobilie gesucht. Bis Leidner bei Kallus anrief und sagte, er hätte eine Immobilie am Holstenwall gefunden. Bis der Tempel bereit für Katz und Mensch war, habe es aufgrund des überraschenden Wintereinfalls gedauert – drei Monate länger, als geplant. Die Terrasse ist noch in Arbeit.
Die Katzen kommen aus dem Tempel aus Köln. Die Katzen haben also bereits Erfahrung mit Menschen. Das merkt man auch: „Die kommen direkt, wenn jemand reinkommt, die sind sehr neugierige Mäuse“, sagt Kallus. Für den Umzug gab Kallus den Mitarbeiter*innen eine Checkliste mit Dingen, auf die sie achten sollten. Zunächst wohnten sie jeweils zu zweit bei Bekannten, mit ihnen wurde gespielt und hatten Zeit, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Ein Teil des Sachkundeausweises – die Vorraussetzung des Veterinäramts, um einen Katzentempel zu eröffnen – war auch Transportsicherheit, deshalb ist Kallus in dem Bereich geschult.
Für den Umgang mit Katzen hat Leidner einen Tipp: Je stärker man eine Katze ignoriere, umso eher komme sie. „Bei Menschen mit Allergie weiß ich immer: Die Katze kommt vorbei!“
„Bücher sind nicht immer besser als ihre Verfilmungen, aber oft”, sagt Anna Hillmann, Jahrgang 2002. In ihrem Geburtsort Lüneburg hat sie im Rahmen ihres Studiums der Kulturwissenschaften schon Filmszenen neu verfilmt, ihre Bachelorarbeit schrieb sie zum Thema BookTok. Für die Leuphana entwickelte Anna Memes und andere Formate für Instagram. Nach dem Bachelor absolvierte sie Praktika im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit in einer Werbeagentur in Hannover und im Lüneburger Literaturbüro. In ihrer Freizeit tanzt Anna gern, am liebsten zu Afrobeats. Bücher und Filme haben einen hohen Stellenwert in ihrem Leben: Jedes Jahr im Herbst sieht sie „Gossip Girl”, einmal pro Jahr liest sie „Rubinrot” von Kerstin Gier. Das Buch ist besser als der Film, findet Anna. Kürzel: ahi







