48 Teams, drei Austragungsländer und 104 Spiele hat die Männer-Fußball-WM 2026. Ein Fußball-Spektakel, das es noch nie so gegeben hat. Doch das Event bringt einiges mit sich – auch jede Menge Emissionen. 

Am 11. Juni war Anpfiff der 23. Männer-Fußball-Weltmeisterschaft in Mexico City beim Spiel Mexico gegen Südafrika. Rund fünf Wochen später, am 19. Juli, findet das WM-Finale in New York/New Jersey statt. In der Zwischenzeit erwarten Fans mehr Spiele als je zuvor in gleich drei Austragungsländern: den USA, Kanada und Mexico. Für die Spieler bedeutet das viele Reisetage, für das Klima viele Emissionen. 

Mehr Emissionen denn je 

Bereits im Juli 2025 warnte das New Weather Institute im Bericht „FIFA’s Climate Blind Spot – the men’s world cup in a warming world” vor den Folgen der diesjährigen Männer-WM und bezeichnete das Event als „das umweltschädlichste aller Zeiten”. Doch was genau macht diese Männer-WM so viel umweltschädlicher als die vorherigen? 

Am diesjährigen Turnier nehmen zum ersten Mal 48 Mannschaften teil. In der Vergangenheit waren es 32. Laut der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) wurde das Event „nach einer umfassenden Analyse” erweitert. „Dabei wurden verschiedene Aspekte berücksichtigt, darunter die Erfahrungen von Teams und Fans, die Belastung der Spieler und die sportliche Integrität des Wettbewerbs”, so die FIFA. 

Ein weiterer Faktor sind die Austragungsorte. Während die meisten der vergangenen Weltmeisterschaften in einem Land ausgetragen wurden, finden dieses Jahr Spiele in drei Ländern und vier Zeitzonen statt.  

Eine Berechnung des New Weather Institutes verdeutlicht das Ausmaß: Bei der Männer-WM 2026 verursacht nur der Flugverkehr bereits 7,72 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. Dabei berücksichtigt das Institut bei dieser Berechnung hauptsächlich die Flugreisen von Fans. Insgesamt ist diese WM mit Emissionen von rund 9,02 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten doppelt so klimaschädlich wie eine „typische” WM zwischen 2010 und 2022. Damit verursacht das Turnier schätzungsweise so viele Treibhausgase wie knapp zwei Millionen US-Autos in einem Jahr.

Bei COÄquivalenten handelt es sich um eine Maßeinheit, die geschaffen wurde, um verschiedene Treibhausgase besser vergleichen zu können. Neben den vom Menschen verursachten Treibhausgas Kohlendioxid (CO₂), gibt es weitere Treibhausgase wie Methan und Lachgas. Die Gase tragen nicht gleichwertig zum Treibhauseffekt bei und verbleiben unterschiedlich lange in der Atmosphäre. Mithilfe des vom Expertengremium der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) definierten Index Global Warming Potential” wurde die Maßeinheit CO₂Äquivalent erstellt, um die verschiedenen Treibhausgase besser vergleichen zu können.

Viele Spiele, viele Flüge 

Das Bild zeigt eine stilisierte Karte von Nordamerika. Mithilfe von Pfeilen sind die Flugrouten der deutschen Nationalmannschaft visualisiert.
Acht Flüge legt die deutsche Nationalmannschaft allein in der Vorbereitungs- und Gruppenphase zurück. Grafik: Luise Beyer

Im Rahmen des Turniers erwarten die Fans und alle Mannschaften einige Flugreisen. Allein in der Gruppenphase musste das deutsche Team mehrere Stunden fliegen, um in die verschiedenen Stadien zu kommen. Die Teambasis der deutschen Spieler liegt in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina. Austragungsorte der Vorbereitungs- und Gruppenphase waren Chicago, Houston, Toronto und New York/New Jersey.  

Unter der Annahme, dass das deutsche Team nach jedem Spiel zurück in die Teambasis nach Winston-Salem fliegt, ergeben sich daraus acht Flüge, nur in der Vorbereitungs- und Gruppenphase. 

Mega-Emissions-WM – das neue Normal? 

2030: WM auf drei Kontinenten

Nicht nur die diesjährige WM steht für neue Ausmaße des FIFA-Turniers. Die nächste Weltmeisterschaft der Männer wird 2030 auf drei verschiedenen Kontinenten ausgetragen. Der Hauptteil des Turniers findet in Spanien, Portugal und Marokko statt – geografisch relativ nah beieinander, wenn auch auf zwei Kontinenten. Zusätzlich wird aber, laut FIFA zu Ehren des 100-jährigen Jubiläums der WM, jeweils ein Gruppenspiel in Uruguay, Argentinien und Paraguay ausgetragen. Damit wird das Turnier, so das New Weather Institute, ungefähr 6,09 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent verursachen. Zum Vergleich: bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris wurden 1,59 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestoßen. 

2034: Gastgeber Saudi-Arabien

Auch die Männer-WM 2034 steht in der Kritik. Das alleinige Austragungsland wird Saudi-Arabien sein – ein Land mit wenig etablierter Fußballkultur und fehlender Infrastruktur für ein solches Mega-Event. Für das Turnier sollen bis 2034 elf neue Stadien gebaut werden. Das New Weather Institute prognostiziert dafür Emissionen von rund drei Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Zusätzlich verursachen der Ausbau von Infrastruktur und Unterkünften für Besucher*innen, sowie Inlandsflüge während des Turniers weitere Emissionen. Insgesamt prognostiziert das New Weather Institute 8,6 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente. 

Greenpeace wirft FIFA Greenwashing vor

„Die FIFA hat sich offenbar entschlossen, die Klimakrise einfach zu ignorieren. Es scheint ihr schlicht egal zu sein, wie klimaschädlich ein Turnier ist”, schreibt Lena Donat, Verkehrsexpertin von Greenpeace gegenüber  FINK.HAMBURG. Sie kritisiert vor allem drei Punkte: die Wege, die Austragungsorte und die Bühne für Konzerne.

Flüge seien die mit Abstand größten CO₂-Faktoren bei diesem Turnier. Dementsprechend sollten für ein nachhaltig gedachtes Großevent die „Austragungsorte nahe beieinander liegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.” Allein FIFA-Chef Gianni Infantino würde in der Gruppenphase täglich zu zwei Spielen „jetten”.  

Außerdem sollten die Austragungsorte so gewählt werden, dass die Temperaturen keine Klimatisierung der Stadien erfordern. Diese Stadien seien bereits ein Beispiel für Folgen der Klimakrise.  

Donat kritisiert, dass „Öl- und Plastik-Konzerne wie Saudi Aramco, Coca Cola und Unilever” durch Sponsoring eine Bühne bekommen. Dadurch würde das Turnier wie ein „Konjunkturprogramm zur Verstärkung der Klimakrise” wirken. 

Pilea, Monstera, Strelitzia: Alina Lewandowitz, geboren 2001 in Northeim, teilt ihre Wohnung mit über 30 Pflanzen. Die Frage nach ihrem Liebling – schwierig, wie die für Eltern nach dem Lieblingskind. Für ihr duales Studium in Marketing und Digitale Medien zog es Alina nach Düsseldorf, parallel arbeitete sie im Mediaagentur-Netzwerk Omnicom Media. In Hamburg wollte sie eigentlich nur ein Semester bleiben – mittlerweile sind es mehr als drei Jahre. Nach ihrem Studium blieb sie der Agenturwelt treu und arbeitete bei Hearts & Science in der Strategie. Ihre Lieblingspflanze? Wahrscheinlich die Pilea, denn die hat sie aus einem kleinen Ableger großgezogen. Kürzel: alo

Luise Mia Beyer, Jahrgang 2002, liebt ihren Geburtsort St. Pauli, war aber schon viel unterwegs. Als Pfadfinderin wanderte sie quer durch Europa, mit einem Holzboot reiste sie in Indonesien von Insel zu Insel, in ständiger Angst vor einer Havarie. In Norddeutschland betreute sie Kinderschauspieler*innen auf einem Filmset und in Hamburg lieferte sie im Smart Pizza aus. Ihren Spaß am Skifahren und Surfen verband sie an der Leuphana mit Social Media: Sie produzierte Reels über Hochschulsportreisen. Nach dem Bachelor in Kulturwissenschaften machte sie ein Praktikum im Bereich Kultur- und Wissenschaftskommunikation bei Holtzbrinck Berlin. Beim Goethe-Institut in San Francisco betreute Luise die digitale Kommunikation und wohnte drei Monate im Turm der Feuerwache aus "The Princess Diaries". Jetzt, endlich, lebt sie wieder auf dem
Kiez. Kürzel: isi

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here