Der Verein „Pro Niendorfer Gehege” kümmert sich seit 15 Jahren darum, dass der Walderlebnispark in Niendorf erhalten bleibt. Gemeinsam jäten, mit dem Nabu Insekten zählen – passen da noch Autos zum Konzept?
„Wir wollen die Stimme des Niendorfer Geheges sein“, sagt Susanne Egbers, Gründungsmitglied und Teil des Vorstands des Vereins „Pro Niendorfer Gehege“. Seit 15 Jahren kümmert sich der Verein um das Naherholungsgebiet im Hamburger Norden.
Dieses Jahr landete das Niendorfer Gehege auf Platz vier eines deutschlandweiten Wald-Rankings eines Reiseanbieters. Es liege wohl auch an der Kommunikationsarbeit, sagt Axel Thiemann, Vorstandsvorsitzender des Vereins. Auf der Website von „Pro Niendorfer Gehege” sind nicht nur Updates über aktuelle Projekte zu sehen, sondern auch Veranstaltungen. Zum Beispiel die Mitgliederversammlung am 10. Juni, bei der FINK.HAMBURG dabei war.
Eine Bewegung wird zum Verein

Der Verein entstand aus der Initiative „Hände weg vom Niendorfer Gehege”, die sich 2009 gründete, um ein „Haus des Waldes“ zu verhindern. Geplant war ein Gebäude mit einer Nutzfläche von 2856 m2, voller Tagungsräume, einem Waldmuseum, sowie Büroräume. Die Bürger*innen nannten das Projekt des damaligen CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Rüdiger Kruse eine „Residenz mitten im geschützten Wald” und „überdimensioniert”. Schließlich konnten sie mit ausreichenden Unterschriften einen Bürgerentschied erwirken und der Bau wurde gestoppt.
2011 gründeten Bürger*innen den Verein „Pro Niendorfer Gehege”. Damals kamen Interessierte in der Aula der Anna-Warburg-Schule in Hamburg-Niendorf zusammen. Am selben Tag unterschrieben 90 Mitglieder. Seitdem kamen einige dazu: Über 460 Mitglieder sind mittlerweile an Bord. „Das sind überwiegend Menschen, die hier in der Nähe wohnen, die am Wochenende hier spazieren gehen, oder Menschen, die hier gewohnt haben und sagen: „Das kostet zwölf Euro im Jahr, das bezahle ich weiter“, sagt Vorstandsvorsitzender Thiemann.
Ein Wald als Klimaanlage
„Wir sorgen dafür, dass Umwelt und Natur nicht unter die Räder kommen”, heißt es auf der Website vom „Pro Niendorfer Gehege”. Das Gehege solle als Raum für Menschen, Pflanzen und Tiere erhalten bleiben. Neue Bebauung und andere Zweckentfremdung will der Verein verhindern.
Zugleich müsse „der naturgegebene Charakter so gut wie möglich erhalten” bleiben, sagt Susanne Egbers. Dass diese Arbeit mehr ist als Nachbarschaftspflege, zeigt der Blick auf die Funktion der Fläche für den Klimaschutz: Als eine der größten Grünflächen im Bezirk Eimsbüttel sorgt das Niendorfer Gehege für ein gesünderes Stadtklima und speichert den Regen, der verdunstet, versickert und später wieder abgegeben wird. Zudem trägt der Wald zur Minderung der CO2-Werte in der Stadt bei. Wer das Gehege schützt, schützt also eine natürlicher Klimaanlage.




Hier leben 147 Insektenarten
Mitgliederversammlung am 10. Juni: Axel Thielmann spricht über die Aurorawiese. Dort treffen sich Ehrenamtliche regelmäßig zum Arbeitseinsatz: Es wird gejätet und die Vielfalt der Lebewesen erforscht. In Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund (Nabu) hat sich die Artenvielfalt auf der Fläche deutlich verbessert.

„Ohne die Menschen von „Pro Niendorfer Gehege” hätten wir das nicht hinbekommen”, sagt Irm Hermans-Borgmeyer vom Nabu bei der Mitgliederversammlung. Nach Angaben des Vereins wurden dort in den letzten zehn Jahren mehr als 147 Insektenarten nachgewiesen – darunter seltene Arten wie der Ampfer-Grünwidderich-Schmetterling.
„Unsere Arbeit ist in dem Sinne nicht spektakulär, dass wir Riesen-Action machen”, sagt Egbers. Trotzdem gibt es eine lange Liste vergangener Aktionen: Müll-Sammeln zum World-Cleanup-Day, Rundgänge, Radtouren, Feste oder auch Schulprojekte. Eine Stadtteilschule in Niendorf habe sogar einen Film gemacht.
Menschen zusammenbringen
Das sei auch ein Schwerpunkt der Arbeit der letzten Jahre gewesen, so Thiemann. “Dass wir die verschiedenen Akteure auch vernetzen”, sagt er. Dazu gehören etwa der Nabu, die Försterei, die Schulen und Anwohner*innen.
Als im April 2022 ein Wasserrohrbruch verhinderte, dass Autos über die wenigen Straßen im Niendorfer Gehege fuhren, nutzte der Verein die gesperrte Straße spontan für ein Straßenfest: Innerhalb einer Woche wurde es organisiert. Egbers hatte sich gefreut: „was man so alles machen kann, wenn nicht dauernd Autos rumfahren.“
Autos raus aus dem Gehege?
Verkehr bleibt ein Thema. Revierförster Sven Wurster berichtete bei der Mitgliederversammlung per Video über eine geplante Buslinie. Eine Buslinie an der Straße, die durch das Gehege führt, befürwortet der Verein, „aber dann muss der Individualverkehr raus. Beides zusammen geht nicht.”

Dafür hat der Verein ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Mit den knapp 500 Mitgliedern sind wir auch in der Politik präsent”, sagt Thiemann. Er erwartet, dass der Verein nach seiner Einschätzung gefragt wird und den eigenen Standpunkt deutlich machen kann. Für Thiemann hängt daran auch der Radverkehr im Gehege: Die Wege im Gehege seien oft zu eng für Fahrräder und Spaziergänger*innen. „Wenn nur noch der Bus fährt, dann ist es ganz anders.” Thiemann hofft, dass dann die Wege im Gehege entlastet werden.
Am 23. August feiert der Verein das 15-jährige Jubiläum im Niendorfer Gehege und freut sich auf weitere 15 Jahre Arbeit für Hamburgs Klimaanlage.





