Auch am Donnerstag hängen die Banner noch. Foto: Marie-Sophie Vorbrodt
Auch am Donnerstag hängen die Banner noch. Foto: Marie-Sophie Vorbrodt

Das Schauspielhaus Hamburg lässt G20-Demonstranten im Foyer übernachten, die nach Absage des Protestcamps in Entenwerder auf der Straße standen. Ein Besuch zwischen Isomatten auf der Bühne.

Die Stimmung ist friedlich an diesem Dienstagabend. Gar nicht so anders als sonst, wenn ein Theaterabend am Schauspielhaus zu Ende geht. Die Ensemble-Mitglieder sitzen an Tischen vor dem weißen, historischen Gebäude gegenüber des Hauptbahnhofs, in dessen Fenstern schon kein Licht mehr brennt.

Sie essen, plaudern und trinken Bier. Ab und zu ein Lachen, dem man die Erschöpfung eines langen Tages anhört. Die Stimmung ist entspannt – und doch ist etwas ganz anders als sonst: Die Crew des Theaters hat ungewohnte Gesellschaft bekommen.

In ihrer Mitte sind gut zwanzig Fremde versammelt. Leute, die nach Hamburg gekommen sind, um gegen den G20-Gipfel zu demonstrieren und wegen des abgesagten Protestcamps keinen Schlafplatz finden. Sie kamen zum Theater – einem Post auf Twitter, einem Anruf von Bekannten, einem Hinweis von anderen Demonstranten folgend: Die Türen des Schauspielhauses sei offen. Es gäbe genügend Schlafplätze für alle.

Eine Falschmeldung, wie der Pressesprecher Nils Wendtland der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch mitteilte. Plötzlich hätten diese Leute vor den Türen des Theaters gestanden. Aus „Nächstenliebe“ aber habe die Geschäftsführung beschlossen, die Demonstranten aufzunehmen. In der Nacht zu Mittwoch kommen sie im Gang des Malersaals und im Malerfoyer, dem Zugang zur kleineren Zweitbühne, unter.

„Bühne frei für Isomatten“

Nach kurzer Zeit schmücken Banner die Fassade, die zeigen, wie solidarisch sich die Mitglieder des Schauspielhauses geben. Anwohner aus St. Georg verteilen Essen – sie hätten von der Aktion gehört und wollen helfen. Andere Nachbarn gesellen sich für ein Gespräch dazu. Pressevertreter sitzen dabei.

Es herrscht Feierabendstimmung, die nur für kurze Zeit von der Polizei unterbrochen wird. Die habe das Hausrecht des Theaters vor den „unerwünschten Personen“ schützen wollen. Als klar wird, dass die Demonstranten hier willkommen sind, ziehen sie ab. In dieser Nacht ist daran kein Zweifel mehr.

Update: Auch in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hätten wieder 40 Personen im Schauspielhaus übernachtet. Ob auch in den kommenden Tage weitere Demonstranten aufgenommen werden, ist noch nicht klar.