Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Iran-Abkommen auszusteigen, könnte den Flugzeughersteller Airbus einen lukrativen Auftrag kosten.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus rechnet mit dem Aus für den bereits beschlossenen Flugzeug-Deal mit der iranischen Fluglinie „Iran Air“ im Wert von 18 Milliarden Euro. „Zwar warten wir noch auf die Details zu den neuen Sanktionen. Sehr wahrscheinlich werden wir aber nicht in der Lage sein, die aus dem Auftrag noch ausstehenden 97 Flugzeuge auszuliefern“, sagte Guillaume Faury, Chef der Ziviljet-Sparte des Konzerns, dem „Hamburger Abendblatt“.

Hintergrund: das Atomabkommen

Grund dafür ist die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, aus dem Atomabkommen mit dem Iran auszusteigen. Im Juli 2015 hatten die Nationen der „EU drei plus drei“, also Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die USA, Russland und China, mit dem Iran dessen Atomausstieg vereinbart. Im Gegenzug sollten die Wirtschaftssanktionen gegen das Land schrittweise aufgehoben werden. Trump hält den Deal, den sein Amtsvorgänger Barack Obama eingefädelt hatte, für zu einseitig.

Infolge der Öffnung des iranischen Marktes für die Weltwirtschaft hatte auch Airbus im Dezember 2016 einen Vertrag mit „Iran Air“ abgeschlossen. In diesem wurde die Lieferung von insgesamt 100 Maschinen vereinbart.

Laut US-Regierung haben Unternehmen nun bis zum 6. August 2018 Zeit, um ihre Geschäfte mit dem Iran abzuwickeln. Im Anschluss werden die ausgesetzten Wirtschaftssanktionen gegen das Land wieder in Kraft treten.

Das Problem für Airbus

Doch warum hat eine Entscheidung aus dem Weißen Haus Auswirkungen auf Aufträge eines europäischen Flugzeugbauers? Das liegt daran, dass die Flugzeuge für „Iran Air“ diverse Komponenten von Zulieferern aus den Vereinigten Staaten enthalten.

Wie das Nachrichtenportal „finanzen.ch“ berichtet, teilte Airbus offiziell mit, der Konzern werde sich an die US-Sanktionen und Exportkontrollvorschriften halten. Man prüfe derzeit die nächsten Schritte.

Eine kleine Hoffnung bleibt dem Flugzeugbauer indes: Die Europäische Union versucht, das Atomabkommen mit dem Iran noch zu retten. Zum Schutz von Handels-Deals mit dem Land soll ein Gesetz zur Abwehr von US-Sanktionen angewandt werden, wie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach einem EU-Spitzentreffen in der bulgarischen Hauptstadt Sofia Mitte Mai mitteilte. Europäischen Konzernen könnte es über das sogenannte „Blocking Statute“ der EU unter Strafe verboten werden, sich an US-Sanktionen gegen den Iran zu halten.

„Iran Air“ in Not

„Iran Air“ konnte wegen der bisherigen wirtschaftlichen Isolation des Iran jahrelang keine neuen Flugzeuge kaufen und hat deshalb eine der ältesten Flugzeugflotten der Welt. Der Deal mit Airbus ist also auch für die Fluglinie von großer Bedeutung. Lediglich drei Maschinen konnten bereits vor der Ankündigung Trumps ausgeliefert werden.

Das Land am persischen Golf ist einer der weltweit größten Wachstumsmärkte für die Branche. Doch obwohl der Auftrag mehrere Milliarden Euro wert ist, sehen Experten nur geringe Auswirkungen der neuen Sanktionen auf Airbus, berichtet „finanzen.ch“ weiter. Der Hersteller verfüge über ausreichend lukrative Aufträge von anderen Fluggesellschaften, die seine Produktion für mehrere Jahre sicherten.

tob

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Für Tobias Bug, Jahrgang 1993, kann ein Fußballspiel nur dann ein Erfolg werden, wenn er den linken Schuh zuerst anzieht. Seinen eher unsportlichen Bachelorabschluss hat er an der TU München in Wirtschafsingenieurwesen gemacht. Nicht nur den ersten akademischen Erfolg verbindet er mit der bayerischen Hauptstadt: Beim Oktoberfest wurde er unschuldig für drei Stunden in Haft genommen. Journalistisch hat Tobias unter anderem bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ im Politik- und im Wirtschaftsressort gearbeitet. Beim Reisen lässt er sich gerne die Geschichten anderer Menschen erzählen, in Norwegen hat er eineinhalb Jahre gelebt. Am glücklichsten ist er, wenn er schreibt oder am DJ-Pult House auflegt. (tob)