Fipronil: Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht
Foto: Armin Weigel/dpa

Knapp ein Jahr nach dem letzten Fipronil-Skandal sind erneut 73.000 Eier aus den Niederlanden auf den deutschen Markt gelangt, die mit dem Insektizid belastet sind. Wie gefährlich ist das für uns?

In Schleswig-Holstein und sechs weiteren Bundesländern wurden Tausende mit Fipronil belastete Eier wieder zurückgerufen. Auch in Hamburg könnten belastete Eier in den Einzelhandel gelangt sein. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät dazu, möglichst keine Eier mit dem Aufdruck 0 NL 4031002 zu verzehren.

Es heißt, die in den belasteten Eiern gemessene Menge liege bei etwa 0,019 Milligramm Fipronil pro Kilogramm. Das überschreitet den EU-Grenzwert von 0,005 Milligramm um ein Vielfaches, liegt jedoch noch unter den im Juli und August letzten Jahres gemessenen Werten.

Sollten Verbraucher tatsächlich vorsichtshalber frisch gekaufte Eier entsorgen? FINK.HAMBURG hat bei Katharina Riehn, Professorin für Lebensmittel-Mikrobiologie und -Toxikologie der HAW Hamburg, nachgefragt.

FINK.HAMBURG: Was ist Fipronil überhaupt?

Katharina Riehn: Fipronil ist ein Antiparasitikum, also ein Mittel zur Bekämpfung von Flöhen, Tierläusen, Zecken und Milben. Es wird auch bei Hunden und Katzen eingesetzt. Bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist es verboten.

Wie kommt Fipronil in die Eier und wieso sind besonders Bio-Eier betroffen?

Für Bio-Betriebe gelten strengere Auflagen für die Reinigung und Desinfektion ihrer Ställe. Im Grunde dürfen sie nur Mittel mit ätherischen Ölen zur Schädlingsbekämpfung verwenden. Leider bekämpfen diese die Schädlinge nicht immer zufriedenstellend. Daher setzen Reinigungsfirmen ihren Desinfektionsmitteln Fipronil zu – das ist aber illegal. Die Ställe werden dann ohne Wissen der Bauern mit diesen Mitteln gesäubert. So nehmen die Hühner das Fipronil aus ihrer Umgebung auf.

Katharina Riehn ist Professorin an der HAW
Katharina Riehn ist Professorin für Lebensmittel-Mikrobiologie und -Toxikologie an der HAW. Foto: Katharina Riehn

Ist die in den belasteten Eiern gefundene Menge an Fipronil gefährlich?

Die jetzt in den Eiern gefundene Dosierung ist für Menschen nicht gefährlich. Die Toxizität von Fipronil ist in diesen Mengen vernachlässigbar. Somit entsteht kein akuter gesundheitlicher Schaden für den Körper.

Also können wir weiterhin unbesorgt unser Frühstücksei essen und Kuchen backen?

Ja, da passiert wirklich nichts. Auch für Kinder besteht keine gesundheitliche Gefahr. Die betroffenen Eier werden zudem nun aus dem Einzelhandel entfernt. Somit ist die Wahrscheinlichkeit, Fipronil-Eier zu kaufen, sehr gering. Außerdem können Verbraucher zur Sicherheit auf die Seriennummer der Eier schauen und die mit dem Aufdruck 0 NL 4031002 nicht verzehren.

Woher kommt die große Sorge bei den Verbrauchern?

Bei Überschreitungen von Grenzwerten herrscht bei den Verbrauchern eine große Unsicherheit. Daher ist es wichtig, hervorzuheben, dass diese Überschreitungen nicht direkt mit gesundheitlichen Schäden zusammenhängen. Viele zweifeln an der Wirksamkeit der Lebensmittelkontrolle. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Die Lebensmittel sind so gut kontrolliert wie nie. Aber gegen Sabotage und kriminelle Energie ist kein System gefeit.

Grenzwerte bei Lebensmitteln

Grenzwerte werden gesetzlich vorgeschrieben. Die Studien zur Ermittlung von Grenzwerten gehen von langfristigen Wirkungen aus: Was passiert, wenn der zu begrenzende Stoff über einen langen Zeitraum täglich eingenommen wird? Bei  den Untersuchungen wird ermittelt, wie viel von dem Stoff im Leben aufgenommen werden kann, ohne dass gesundheitliche Schäden entstehen. Hinzu kommt ein Risikozuschlag. Die ermittelten Werte markieren eine Eingriffsschwelle. Im Fall der aktuellen Überschreitung des EU-Grenzwerts von 0,005 Milligramm pro Kilogramm bei Fipronil dürfen die betroffenen Eier nicht mehr gehandelt werden. Das bedeutet nicht, dass eine akute Gesundheitsgefahr besteht.

jt/as/dpa

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Jana Trietsch, Jahrgang 1992, weiß, warum Michel aus Lönneberga in Wirklichkeit Emil heißt. Die gebürtige Darmstädterin verbrachte im Rahmen ihres Medienkulturwissenschaften- und Psychologiestudiums zwei Semester im schwedischen Uppsala und kann seitdem die Bücher ihrer Kindheit in Originalsprache lesen. Nach dem Studium lernte Jana in der Lokalredaktion des „Darmstädter Echos“ ihre Heimat neu kennen. Es folgten PR-Praktika in Stockholm und Berlin im Mode- und Lifestylebereich, die Jana eine Redakteursstelle im Brand Marketing bei Zalando einbrachten. Nebenher schreibt sie als freie Autorin für „Mit Vergnügen“ und „Refinery29“ über Kultur, Mode und Millennials. Manchmal denkt sie dabei an ihren früheren Traum: eine wöchentliche Kolumne, geschrieben in einem roten Ferienhaus in Småland. jt
Anika Schnücke, Jahrgang 1992, stuft sich selber als Gefahr für den Hamburger Verkehr ein. In drei Jahren in der Fahrradmetropole Münster hat sie sich einen rücksichtslosen Fahrstil angewöhnt. Neben ihrem Fahrrad bringt sie ihr Gespür für Lokaljournalismus mit in die Hansestadt. Während ihres Kommunikationswissenschaft-Studiums schrieb Anika in Münster als freie Journalistin für die Lokalzeitung und ein Stadtmagazin. Wie man ernste Themen mit Humor behandelt, lernte sie bei einem Praktikum in der Online-Redaktion der „Heute Show“. Über politische Satire schrieb sie auch ihre Bachelorarbeit. Anika freut sich auf die Einführung von rothaarigen Emojis – obwohl sie findet, dass man sich mit Gifs sowieso viel besser ausdrücken kann. Kürzel: as