In Billwerder soll bis 2026 der modernste Jugendknast Deutschlands entstehen. Das sagt Justizsenator Till Steffen von den Grünen. Die Baupläne sind bereits erstellt und stoßen auf Kritik. Ist der Bau zu dicht geplant?

Die geplante Jugendanstalt ist als Anbau an die bestehende JVA Billwerder vorgesehen. Was Maximilian Fink, Leiter des Bauprojektes, einen „durch Übersichtlichkeit und Einsehbarkeit gekennzeichneten Baukörper“ nennt, ist für den Projektbeirat vor allem eins: zu eng.

In einem Schreiben an die Justizbehörde mahnen Mitglieder des Beirats vor verschiedenen Problemen. Das Konzept des geplanten Baus sei zu dicht, man brauche nicht einen großen Komplex, sondern viele kleinere Wohngruppenhäuser. Die Nähe zur Natur fehle, die Blickfelder der gefangenen Jugendlichen, bis zu 238 finden in der Anlage Platz, bestünden aus Hausfassaden und Mauern. Es gäbe schlicht keinen Raum zur Entfaltung.

Zu verdichtet aber übersichtlich

„Es braucht einen Dorfcharakter im Gefängnis“, meint Bernd Maelicke aus dem Projektbeirat. Er ist Kriminal- und Sozialpolitikexperte. Weitläufige Flächen fehlen, genauso familienfreundliche Besuchsmöglichkeiten. „Es gibt in Deutschland etwa 25 Jugendanstalten, aber keine einzige ist baulich so verdichtet, wie es die Pläne für Billwerder vorsehen“, sagte Maelicke Ende Juni im Gespräch mit der „taz“.

Marco Lange, Pressesprecher der Justizbehörde, sieht hingegen in dieser kompakten Architektur eine Gewaltprävention. Weil: übersichtlicher. „Wir wollen unkontrollierte Gefangenenkontakte vermeiden und keine Subkulturen entstehen lassen“, sagt er.

Maelicke wirft der Behörde bei der Planung vor, sie wolle die „totale Kontrolle“. Das sei absolut lebensfremd und provoziere automatisch Verstöße. „Völlige Gewaltfreiheit kann im Gefängnis sowieso nicht gewährleistet werden.“ Bauten bestimmen aber das Klima für Erziehung und Resozialisierung, glaubt Maelicke.

Eine Teilfläche, etwa von der Größe anderthalb Fußballfelder, ist noch ungeplant. Bernd Maelickes Vorschlag: Hier könnte Garten- und Gemüseanbau stattfinden, Tiere gehalten werden oder Sportmöglichkeiten entstehen. Die bisher veröffentlichten Pläne der Behörde scheinen nicht unumstößlich.

Die Inbetriebnahme der gut 23.000 Quadratmeter großen Fläche ist für 2026 geplant. Dann sollen in Billwerder 238 Haftplätze für Hamburger Jugendliche entstehen.

max

Titelfoto: Justizbehörde

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Harald Schmidt hat 1995 gesagt, dass Kinder nur noch Max, Paul oder Leonard heißen. „Namen wie blank geputzte Holztische“. Zu diesem Zeitpunkt war Max Paul Leonard Nölke seit zwei Monaten auf der Welt. Der Dortmunder Knirps teilt mit seinen Namensvettern Hobbys wie Fußball, Musik hören und Freunde treffen. Soweit, so blank geputzt. Markanter ist Max‘ Schreibe. Der herbe Ruhrpott-Schlag gepaart mit seinem Feingefühl brachten ihn in die Redaktionen der Dortmunder “Ruhr Nachrichten” und der Berliner “taz”. In Marburg hat er Sprache und Kommunikation studiert, kann auf Italienisch einen Ramazzotti bestellen und auf Niederländisch eine Frikandel Speciaal. Am liebsten sind ihm aber die Kohlrouladen von Mama. Irgendwann will er mal mit Olli Schulz ein Fischbrötchen verspeisen. Der ist sowieso lustiger als Harald Schmidt. Kürzel: max