Die FINK.HAMBURG-Redakteur*innen haben auf ihrem Weg zum Campus einige Car- und Ridesharing-Dienste getestet. In der wöchentlichen Serie teilen sie ihre Erfahrungen.

Eine neue Kampagne fürs Fahrradfahren, die Erlaubnis zur Benutzung von E-Tretrollern Fahrradwegen und Elektrobusse als Sammeltaxis: Hamburg setzt vermehrt auf nachhaltige Mobilität. Lohnt es sich bis zur nächsten Stadtrad-Station zu laufen, wenn mal alle Fahrräder ausgeliehen sind und fahren die Elektrobusse von Moia wirklich immer leer durch die Gegend? Dieses Mal geht es um den etwas anderen Car-Sharing Dienst Miles.

Bei den vielen Sharing-Angeboten verliert man schnell den Überblick. Ein Kandidat sticht aber besonders heraus: der Car-Sharing Dienst Miles.

Miles startete als Hybrid-Carsharing-Dienst im November letzten Jahres in Hamburg. In Berlin gibt es den Dienst unter dem Namen Drive by bereits seit Mai 2017. Anders als Car2go oder Drivenow berechnet der Car-Sharing-Dienst die Nutzung ihrer Autos nicht pro Minute, sondern pro gefahrenen Kilometern. Das soll vor allem bei Stau und im Stadtverkehr die Preise niedrig halten.

Der Kampf um freie Fahrzeuge

Screenshot-Miles-App-Reservierung-Fahrzeug
Die Zeit läuft: Die App zeigt dir, wie lange das Fahrzeug noch reserviert ist. Foto: Melanie Weimann

Carsharing-Dienste sind vor allem im Stadtzentrum sehr beliebt. Es lohnt sich daher, nicht erst direkt vor Abfahrt nach einem Fahrzeug Ausschau zu halten.

Der Vorteil bei Miles: Kostenfrei kann ein Auto 30 Minuten reserviert werden. Für 0,09 Euro pro Minute kann die Reservierung sogar beliebig verlängert werden.

Auf einer Karte werden alle freien Fahrzeuge angezeigt. Sobald ein Fahrzeug gewählt wird, sieht man genauere Details. Die App zeigt neben dem Fahrzeugtyp und dem Kennzeichen auch die genaue Adresse und Entfernung vom eigenen Standpunkt an.

Sobald ein Fahrzeug reserviert ist, zeigt ein Timer die verbleibende Reservierungszeit an. Steht man vor dem Fahrzeug, kann man es mithilfe der App öffnen.

Miles Carsharing S Fahrzeug Toyota Yaris Hybrid
Der Toyota Yaris Hybrid ist die kleinste Größe der Miles Fahrzeuge.
Foto: Melanie Weimann

Komfort trifft auf (ein wenig) Umweltbewusstsein

Der Toyota Yaris Hybrid ist recht sauber, auch Schäden sind nicht zu erkennen. Der Schlüssel steckt wie gewohnt im Handschuhfach. Auf dem integrierten Navi kann man das gewünschte Ziel eingeben. Schlüssel umdrehen, der Toyota startet. Ganz ohne das typische Motorgeräusch.

Das Hybrid-Fahrzeug nutzt neben einem Verbrennungs- auch einen Elektromotor. Sobald die Elektroenergie verbraucht wurde, springt der Toyota Yaris auf den Verbrennungsmotor um. Da der Motor bei geringerem Verbrauch auf Landstraßen oder auf der Autobahn den Akku mitladen kann, sind Hybrid-Fahrzeuge vor allem außerhalb der Stadt effizient. Dennoch sind sie im Stadtverkehr in Kombination mit der Sharing-Idee umweltschonender als normale Autos.

Schritt für Schritt Anleitung Miles App
Miles. Erklärt in sieben Schritten. Erstellt von Carlotta Schaffner mit Piktochart.

Doppelte Fahrtzeit durch Stau

Die Fahrt beginnt in Hoheluft. Die Route führt über die vierspurige Straße am Dammtor. Hamburger Autofahrer*innen wissen, was das heißt: Stau. Laut Carsharing-Anbieter Miles sollte das ja kein monetäres Problem sein.

Durch das hohe Verkehrsaufkommen in der Hamburger Innenstadt hat sich die berechnete Fahrzeit der Route mit insgesamt fast 40 Minuten tatsächlich fast verdoppelt. Die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln auf der Strecke zur HAW wäre trotz Umstieg einige Minuten schneller. Bequem ist die Fahrt dennoch: Es regnet stark, Menschen rennen von Bushaltestellen zu U-Bahn-Eingängen. Im Carsharing-Auto bleibt man trocken.

Einen Nachteil gibt es allerdings: Obwohl die HAW Finkenau nicht direkt im Stadtzentrum liegt, sind die wenigen Parkplätze in den Straßen rund um den Campus beliebt und schnell besetzt. Mehrmals um den Block fahren, muss zeitlich und preislich einkalkuliert werden.

Fazit

Screenshot-Miles-App-Zusammenfassung
Nach dem Beenden der Miete zeigt die Miles-App eine Zusammenfassung der Fahrt an. Foto: Melanie Weimann

Nach knapp 40 Minuten Fahrtzeit und sieben Kilometer Fahrtweg ist der günstige Preis von 5,53 Euro sehr überraschend. Miles hält sein Versprechen, auch im Stadtverkehr günstig zu bleiben.

Im Vergleich zum öffentlichen Nahverkehr ist die Fahrt mit Miles dennoch fast doppelt so teuer und man auch nicht unbedingt Zeit ein.

Trotzdem ist die Fahrt sehr komfortabel, vor allem beim Hamburger Schietwetter macht das Autofahren – von (fast) Haustür zu Haustür – gleich doppelt Spaß. Für alle Hamburger*innen ohne einem eigenen Auto lohnt es sich auf jeden Fall, den Carsharing-Dienst für Besorgungen im Stadtverkehr zu nutzen.

Erstellt mit Piktochart von Luise Reichenbach.

Du schwingst Dich lieber in den Sattel? Dann lies hier den Testbericht über Stadtrad Hamburg.

Du nutzt lieber DriveNow? Hier findest du Janniks Erfahrungsbericht.

Lissy hat Car2go auf Herz und Nieren getestet.

Fahren oder Fahren lassen. Justus testet Moia.

Titelillustration: Sarah J. Ejim

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Melanie Weimann, Jahrgang 1992, ist in ihrem Leben zwölf Mal umgezogen – einmal davon mit dem Flixbus. In Ansbach studierte die gebürtige Fränkin Ressortjournalismus mit Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften. Im Anatomiekurs hielt sie sogar einmal ein menschliches Herz in den Händen. Ihr Studium schloss sie allerdings in der Medienethik ab: mit einer Analyse über Jan Böhmermanns Schmähgedicht und vermutlich dem Weltrekord von Schimpfwörtern in einer wissenschaftlichen Arbeit. Später zog sie von München über Nürnberg nach Berlin, wo sie in einer Agentur und in Startups in der PR und Unternehmenskommunikation arbeitete. Unter anderem betreute sie einen Hersteller von Luxus-Hundebetten, eine Plattform für Smart Home und organisierte Events für die Dating-App Tinder: Mate, Calls und Pitches inklusive. Kürzel: mew