Vier Kurzfilme, über 30 Kinder und viele imaginäre Gummitiere: Die „Reihe für Minis“ zeigt, wie kindergerechtes Kino funktionieren kann. Mit reichlich Bewegung und gemeinsamer Reflexion dessen, was auf der Leinwand passiert.

Morgens 10 Uhr im Abaton. Kinder kreischen, lachen und hopsen herum. Als er ruhiger wird, ragen ihre Köpfe kaum über die Sitzreihen des großen Kinos im Abaton hinaus. Die meisten sitzen auf Styropor, um die Leinwand zu sehen.

„Wer ist zum ersten Mal im Kino?“, fragt eine Frau, die vor der Leinwand steht. Fast alle Hände gehen nach oben. Nur ein Mädchen ist davon überzeugt, schon über hundertmal im Kino gewesen zu sein.

Die Moderatorin heißt Eva-Maria Schneider-Reuter. Als Schauspielerin und Medienpädagogin leitet sie die Veranstaltung „Reihe für Minis“, die im Rahmen des  17. Michel Filmfest stattfindet. Gezeigt werden vier Filme aus unterschiedlichen Ländern.

Bevor der erste Film losgeht, powern sich die Kinder noch einmal aus. Sie springen gemeinsam mit Schneider-Reuter in den Reihen auf und ab, schlackern mit den Armen und klatschen sich auf den eigenen Popo. Danach strecken alle die Arme aus und rufen: „Licht aus“. Als es dunkel wird, schallt es wie aus einem Mund: „Film ab!“.

Animiert und ohne Worte

Los geht es mit „Der letzte Tag im Herbst“ von Marjolaine Perreten. Hier fahren die Tiere des Waldes um die Wette in Richtung Winterschlaf.

Es folgt „Eine märchenhafte Nacht“ von Maria Steponova aus Russland. Eine Katze streift durch die Straßen, freundet sich mit einer lebenden Laterne an und fliegt zum Mond fliegt.

In „Roboter & Wal“ von Jonas Forsman rettet ein Roboter unter Einsatz seines Lebens einen Wal.

In „Cat Lake City“ von Antje Heyn erlebt eine Katze Abenteuer mit einer Entenfamilie und einem Gummiflamingo.

Bild des Films "Robot and the Whale". Ein kleiner Roboter steht vor einem Wal.
Kleiner Roboter rettet großen Wal. Foto: Foto: (C) Swedish Film Institute

Alle Filme der „Reihe für Minis“ sind animiert. In keinem wird gesprochen. Bilder, Geräusche und Musik reichen aus, um die Handlung zu verstehen. „Dieses Sprachlose schult, damit du Bilder lesen lernst“, sagt Schneider-Reuter. Die Kinder würden so erkennen, warum und wann ein Bild eine traurige oder lustige Botschaft transportiert.

Erinnerungsbrücken für Geschichtenerzähler

Nach jedem Film geht das Licht an und eine Fragerunde beginnt. „Was hat der Bär gemacht?“, möchte die Medienpädagogin wissen. „Geschlafen“, brüllen die Kinder zurück.

Dann wird gespielt. Unter den Sitzen liegen imaginäre Gegenstände. Nach „Der letzte Tag im Herbst“ ist es eine Luftpumpe. Mit ihr werden die Reifen für das Wettrennen aufgepumpt. Danach wird sie zusammengedrückt und in die Hosentasche gepackt.

Am Ende der Veranstaltung sind die Taschen der Kinder auch noch mit einer imaginären Leiter und einem Seestern gefüllt. Das Gummitier zum Aufpusten passt nicht mehr rein. Egal, es wird unter den Arm geklemmt.

Die Kinder würden diese Dinge mitnehmen, sich daran erinnern und zu Hause erzählen, was sie damit erlebt haben. „Dann habe ich sie dazu gebracht, die Geschichte nachzuerzählen“, sagt die Medienpädagogin. „Das schult die Sprache, das Sprechen über Geschichten und dass sie zu Geschichtenerzähler werden“.

Zu lernen, wie man Geschichten erzählt, ist Schneider-Reuter wichtig. „Ich glaube, dass man da viel verarbeiten kann“, sagt sie. „Wir erzählen uns viel zu wenig Fantasiequatsch.“

Erwachsene ohne Kondition

Zu wenig Quatsch gibt es im Kino heute nicht. Das wird spätestens klar, als ein Junge ein Einhorn aus Gummi unter seinem Sitz hervorholt und aufpustet.

Nur eine kleine Gruppe im Saal pustet nicht mit – die Erwachsenen. Fehlt ihnen die Fantasie? Trauen sie sich nicht? Oder fehlt die Kondition? In allen Fällen können sie von den Kindern noch etwas lernen.

Titelfoto: Cat Lake City – (C) Kurzfilm Verleih Hamburg