Kino ohne Popcorn ist wie Tarantino ohne Blutlache, Jason Statham ohne Knarre oder Julia Roberts ohne Beziehungsproblem. In unserer Enzyklopädie werfen wir einen wissenschaftlichen Blick auf die Artenvielfalt der Popcorn essenden Spezies:  

Der Schaufler

Der Schaufler punktet bei seiner Begleitung bereits vor Filmstart mit einem großzügig gefüllten Geldbeutel: „Einmal bitte die Jumbotüte süßes Popcorn für 24,50€.“

Mit dem Kolben bewaffnet, geht es in die letzte Reihe des Kinosaals. Nun beginnt „der Schaufler“ mit seiner Paradedisziplin: Er schaufelt. Zunächst sachte, doch mit der Zeit formen sich seine Hände zu Laubkrallen. Das Popcorn ist vor Filmbeginn verspachtelt, die klebrigen Finger nicht mehr zu gebrauchen. Dem Nebenmann bzw. der Nebenfrau bleibt da nur der Bodensatz aus vertrockneten Schalen und Maiskörnern.

Der Fummler

Eine Fähigkeit, die der Fummler nicht besitzt, ist das Timing. Jedes Mal, wenn bereits eine andere Hand in der Popcorntüte steckt, entscheidet er auch hineinzugreifen. Er besitzt kein Gefühl dafür, den richtigen Moment abzupassen. Mit seiner forschen, ja fast ignoranten Herangehensweise sorgt der Fummler stümperhaft für Unbehagen bei allen Beteiligten.

Der Krümler

Dem Krümler graut stets der nächste Morgen nach dem Kinobesuch. Wenn noch einzelne Popcornschalen in der Kleidung kratzen, die Haare vor lauter Karamell verfilzen und der Abfluss nach der Dusche verstopft. Denn die größte Schwäche des Krümlers ist seine Motorik. Diese wird seinem gierigen Gemüt regelmäßig zum Verhängnis.

Das Eichhörnchen

Eine Untergattung des Krümlers ist das Eichhörnchen. Es praktiziert ebenfalls das Krümeln, allerdings bewusst, um über die Wintermonate einzelne Popcorn zu bunkern. Teilweise findet das Eichhörnchen monatelang nach dem Kinobesuch kleine Snacks in Klamotten- und Hautfalten.

Der Rosinenpicker

Dieser Popcorn-Typ besticht durch ein geschultes Auge. Filigran wie ein Chirurg fischt der Rosinenpicker die Diamanten mit einem Pinzettengriff aus der Popcornpackung. Die besonders stark karamellisierten. Das Gold aus der Grube. Die Begleitung kann sich zwar an der Quantität erfreuen, muss sich jedoch mit dem profanen Durchschnittspopcorn begnügen.

Der Gaukler

Dieser Typus kennzeichnet sich durch Zurückhaltung und Bescheidenheit. Er ist der paarungswilligen Gattung zuzuordnen, denn der Gaukler tritt stets in Begleitung auf. Geht es um die Entscheidungsfindung bei der Wahl des Popcorns, überlässt er das Feld mit den Worten „Ne danke, ich brauche kein Popcorn“. Die Begleitung entscheidet sich folglich für eine kleine Packung, schließlich glaubt sie, das Popcorn für sich allein zu haben. Dann pickt der Gaukler allerdings doch in der Tüte herum. Anfangs noch unregelmäßig und schüchtern. Mit den Worten „Och, das schmeckt ja doch ganz gut“ fällt der Startschuss für eine unverschämt hohe Pickfrequenz. Langsam werden Verhaltensweisen des Schauflers adaptiert. Die Verteilung des Popcorns fällt letztendlich im Durchschnitt 70:30 zugunsten des Gauklers aus.

Der Raschler

Der Raschler ist ein Dilettant. Kein anderer seiner Spezies schafft es, einen solchen Geräuschpegel beim Popcornessen zu erzeugen. Seine ungestüme Technik sorgt fortlaufend für aufgeheizte Stimmung im Kinosaal. Die Defizite des Raschlers schlagen vermehrt in stillen und spannenden Momenten des Films auf.

Der Nacho

… mag kein Popcorn.

Illustrationen: Kim Ly Lam

Popcorn ist ein guter Grund ins Kino zu gehen. Justus kennt sieben weitere.

In den Zeise-Kinos gibt es nicht nur gutes Popcorn. Hier erfahrt ihr mehr darüber.

Vorheriger Artikel„Ich besitze so 6000 bis 7000 Autogramme“
Nächster Artikel„Überall machen sie interessantere Sachen als in Deutschland“
Harald Schmidt hat 1995 gesagt, dass Kinder nur noch Max, Paul oder Leonard heißen. „Namen wie blank geputzte Holztische“. Zu diesem Zeitpunkt war Max Paul Leonard Nölke seit zwei Monaten auf der Welt. Der Dortmunder Knirps teilt mit seinen Namensvettern Hobbys wie Fußball, Musik hören und Freunde treffen. Soweit, so blank geputzt. Markanter ist Max‘ Schreibe. Der herbe Ruhrpott-Schlag gepaart mit seinem Feingefühl brachten ihn in die Redaktionen der Dortmunder “Ruhr Nachrichten” und der Berliner “taz”. In Marburg hat er Sprache und Kommunikation studiert, kann auf Italienisch einen Ramazzotti bestellen und auf Niederländisch eine Frikandel Speciaal. Am liebsten sind ihm aber die Kohlrouladen von Mama. Irgendwann will er mal mit Olli Schulz ein Fischbrötchen verspeisen. Der ist sowieso lustiger als Harald Schmidt. Kürzel: max
Es gibt kein Gericht, das Kim Ly Lam, Jahrgang 1996, nicht mag – sogar Raupen hat sie schon einmal probiert. Besonders begeistert ist sie von der internationalen Küche, denn diese ist so bunt und vielfältig wie ihre Interessen: Hip-Hop, Film, Politik und Reisen zählen etwa dazu. In Südafrika arbeitete sie in einer NGO und betreute die Kinder traumatisierter Frauen aus den Townships. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck zog sie für ihren Bachelor in Digital Media nach Hamburg. Dort startete sie als freie Autorin für das “Hamburger Abendblatt”, “ze.tt” sowie die “Berliner Gazette” und schrieb über Big Data, Hamburger Lokalpolitik und auch sensible Themen wie sexuellen Missbrauch. Dem Essen blieb sie auch beruflich treu: In der Versuchsküche von Gruner + Jahr verkostete sie täglich bis zu zwölf Gerichte – und kochte sogar für Tim Mälzer. Kürzel: kil

Hinterlasse einen Kommentar

Please enter your comment!
Please enter your name here